Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Besucheransturm beim Mandelblütenfest: So reagieren die Winzer

Die Mandelbäume blühen bereis: Am 24. März beginnt das Mandelblütenfest offiziell.
Die Mandelbäume blühen bereis: Am 24. März beginnt das Mandelblütenfest offiziell.

Vollgeparkte Weinberge und zu wenig Personal – für die Winzer bringt das Mandelblütenfest nicht nur Vorteile. Auch die Ausweitung des Festes auf zwei Wochenenden sorgt für Probleme.

Die Mandelblüte steht in der Pfalz für den Frühlingsbeginn. Sie bedeutet aber auch: ein Besucheransturm auf kleine Ortschaften, allen voran Gimmeldingen. In diesem Jahr wird seit 2019 zum ersten Mal wieder das Mandelblütenfest groß gefeiert – diesmal an zwei Wochenenden statt nur an einem. Los geht’s am 24. März, die Ausschankstellen dürfen aber bereits ab Montag, 20. März, öffnen, wie Winzer Martin Ferckel erklärt. Schließen müssen sie spätestens am Donnerstag nach dem Fest – also in am 6. April. Für die Winzer ist das auch mit Stress verbunden. Was sagen sie zum neuen Konzept, und mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen?

Für Felix Estelmann sind die zwei Wochenenden keine große Umstellung. Das seien er und seine Helfer gewohnt, denn auch zuvor hatten sie über das Fest hinaus ihren Ausschank im Weingut geöffnet. Trotzdem sei es viel, denn die Arbeit in den Weinbergen müsse trotzdem erledigt werden, und er müsse sich auf eine der größten internationalen Weinmessen, die Prowein, vorbereiten.

Logistik und Personalmangel

Trotzdem sei die Verteilung auf zwei Wochenenden in seinem Interesse, um einen eventuellen Schlecht-Wetter-Tag besser aufzufangen. Und er hofft, dass das den Ansturm etwas entzerrt: 2019 seien er und seine Helfer wegen der vielen Besucher teils nicht mehr hinterhergekommen. Allerdings benötigt er für die Bewirtung Personal, was wiederum ein Problem sei. Für jede Ausschankstelle, im Weingut und an der Festmeile, braucht Estelmann zirka zehn Personen. Normalerweise seien das Freunde und Bekannte, aber auch Aushilfen. Von seinen Helfern stünden aus verschiedenen Gründen nach der Pandemie 90 Prozent nicht mehr zur Verfügung.

Auch beim Weingut Ferckel helfen „schon immer vor allem Freunde, Bekannte und Familie“, sagt Martin Ferckel. Drei bis vier Familienmitglieder brauche er am Stand sowie vier zusätzliche Helfer. Diese zu finden, sei in diesem Jahr aber ein geringeres Problem als zuvor. Familie und Freunde seien zwar in den Vereinen im Ort aktiv, etwa in der Freiwilligen Feuerwehr, doch mehrere Vereine betrieben unter anderem wegen Helfermangels 2023 keine eigenen Ausschankstellen mehr. Für Ferckel ist die größere Herausforderung die Logistik. Denn er müsse seinen Stand, der am Ortseingang im Freien stehe, erst einmal aufbauen und vor allem Strom und Wasser anschließen.

„Die Idee ist uralt“

Dass das Fest auf zwei Wochenenden aufgeteilt werde, habe den Winzer zunächst verwundert: „Die Idee ist uralt und bisher nie auf Wohlwollen seitens der Stadt gestoßen“, sagt er. Aber er finde es gut und könne sich vorstellen, dass das die Besuchermassen entzerrt. Außerdem gebe es einige andere Veranstaltungen an den Festwochenenden: am ersten die Mandelmeile in Edenkoben und am zweiten den verkaufsoffenen Sonntag mit Weinprobe in Neustadt sowie die Mußbacher Spitzen.

Das Fest ist aus Ferckels Sicht die beste Werbung für Gimmeldingen: „Was gibt es besseres als Gäste, die die Mandelblüte und unser gutes Essen und den Wein genießen?“ Gimmeldingen sei dadurch bundesweit bekannt. „Wenn ich erzähle, wo ich herkomme, fragen Leute oft, ob das der Ort mit dem Mandelblütenfest ist“, sagt Ferckel und lacht.

„Winzer verdienen sich goldene Nase“

Auch Felix Estelmann ist trotz der Arbeit ein Fan des Fests. Schon als Kind habe er mitgeholfen. Gerade nach der „stillen Zeit“ mache es Spaß: „Das Dummbabbeln fängt jetzt wieder an“, sagt er und freut sich auf die Festgespräche auf Pfälzisch. Dass das Fest nicht bei allen Gimmeldingern in gleichem Maße beliebt ist, sei ihm bewusst. Doch „die Resonanz im Dorf ist eher positiv als negativ“, sagt der Winzer. Immerhin seien viele Bewohner in das Fest eingebunden.

Martin Ferckel kenne die Kommentare, die Winzer würden sich eine goldene Nase verdienen, und die Anwohner müssten es ausbaden. „Wir müssen für jeden Sitzplatz, also jede Garnitur und jeden Tag, hohe Gebühren zahlen. Ja, die Stadt unterstützt das Fest, aber es muss trotzdem alles bezahlt werden“, sagt Ferckel. Er habe aber auch Verständnis für die Anwohner: „Klar stört es, wenn man am Wochenende wegfahren muss. Aber es sind ja nur vier Tage im Jahr.“ Außerdem wäre das Dorf seiner Meinung nach nicht so attraktiv, würde es das Fest nicht geben. Viele Vereine verdienten daran, und das Geld fließe wieder zurück ins Dorf.

Vor der Theke geparkt

Und: Ferckel kennt kein friedlicheres Weinfest. „Im Verhältnis zu den Menschenmengen, die da kommen, passiert wirklich wenig.“ Laut Estelmann seien zwar viele Wingerte zugeparkt, aber für ihn sei das „irgendwo verkraftbar“. Er passt sich den Gegebenheiten an, indem er beispielsweise seine Weinberge während des Fests nur noch morgens bearbeitet.

Ferckel meint ebenfalls, dass die Menschen ja irgendwo parken müssten. Auf der anderen Seite wundert er sich, dass überhaupt viele mit dem Auto kommen: „Wenn ich zum Wurstmarkt fahre, nehme ich auch den Zug. Allein schon, um Wein trinken zu können“, sagt Ferckel. Außerdem gebe es ja viele Möglichkeiten, mit den Öffentlichen anzureisen – und einen kostenlosen Shuttle vom Weinstraßenzentrum, wo man ebenfalls parken könne.

Die Mandel schmecken

Das Parken führe zu merkwürdigen Situationen: Es sei bereits vorgekommen, dass ein Auto direkt vor Ferckels Theke parkte. „Das war dann vor allem peinlich für den Autofahrer, der irgendwann zurück kam und zwischen den vielen Menschen am Stand hindurch wegfahren musste“, erzählt Ferckel. Solche Geschichten gebe es immer wieder zu erzählen nach dem Fest. Estelmann erinnert sich, dass vor ein paar Jahren Kunden fragten, was es mit seinem Mandelblütenfestwein auf sich habe. Eigentlich wähle er dafür nur einen seiner Weine aus. Ein Freund, der beim Ausschank mithalf, habe den Leuten aber erzählt, dass bei diesem Mandelblüten mit vergoren wurden. „Ab da dachten die Leute, dass sie die Mandel schmecken können“, sagt Estelmann und lacht.

Winzer Felix Estelmann bewirtet Besucher sowohl an der Festmeile als auch im Wingert hinter seinem Weingut.
Winzer Felix Estelmann bewirtet Besucher sowohl an der Festmeile als auch im Wingert hinter seinem Weingut.
Winzer Martin Ferckel: Seine Ausschank-Stelle während des Fests ist direkt am Ortseingang von Gimmeldingen.
Winzer Martin Ferckel: Seine Ausschank-Stelle während des Fests ist direkt am Ortseingang von Gimmeldingen.
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