Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Baugebiet D8: Warum inzwischen wieder etliche Fragen offen sind

Das Baugebiet D8 soll östlich der Bahnlinie entstehen (rechts im Bild der Aldi-Markt).
Das Baugebiet D8 soll östlich der Bahnlinie entstehen (rechts im Bild der Aldi-Markt).

Das geplante Baugebiet D8 schien zuletzt in trockenen Tüchern zu sein, doch jetzt haben Grundstückseigentümer Zusagen zurückgenommen. Was dahinter steckt.

Ziemlich genau vor einem Jahr berichtete Stadt- und Verbandsbürgermeister Dieter Dörr (CDU), dass die Stadt bei der Planung des Baugebiets D8 mit den Grundstückseigentümern einig geworden sei, und es erste Entwürfe gebe. Inzwischen jedoch steht das Baugebiet in seiner geplanten Größe und Form wieder in Frage – bisher ist von etwa 120 Bauplätzen die Rede. „Einige Grundstückseigentümer haben ihre Zusage revidiert“, informierte Dörr im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Die betroffenen Grundstücke lägen mitten im geplanten Baugebiet, sodass eine Lösung gefunden werden müsse. Die Stadt versuche weiterhin, mit den Grundstückseigentümern eine Einigung zu erzielen. Parallel dazu gebe es jedoch auch Überlegungen, das Baugebiet wesentlich zu verkleinern und anders zuzuschneiden. Das hätte Auswirkungen auf die Planungen.

Das Baugebiet D8 östlich der Bahnlinie ist seit Langem ein Thema, und die Stadt – damals noch unter Bürgermeister Manfred Dörr (CDU) – hatte stets betont, dass das Baugebiet nur verwirklicht werden soll, wenn die Grundstückseigentümer bereit sind, einen Teil ihrer Fläche zu einem gedeckelten Preis an die Stadt abzugeben. Der Grund: Die Stadt will in dem Gebiet auch Wohnmöglichkeiten für junge Familien mit einem Durchschnittseinkommen schaffen, besitzt aber selbst dort keine Flächen. Es gab auch Überlegungen, Flächen für sogenannte Tiny-Häuser – Häuser mit weniger als 50 Quadratmeter Fläche – bereitzustellen. Im Gespräch war auch ein Projekt für betreutes Wohnen. Darüber hinaus gab – und gibt – es Pläne für ein Mobilitätszentrum mit Parkplätzen und möglicherweise Shuttle-Angeboten. Für den Ankauf von Grundstücken und Ausgleichsflächen sind im Haushalt bereits Mittel bereitgestellt worden.

Lidl-Verlagerung noch möglich?

All das sei bei einer deutlichen Verkleinerung des Baugebiets nicht möglich, erklärte Dörr. Es gebe dann auch keine Fläche für eine Verlagerung des Lidl-Marktes. Lidl will den Einkaufsmarkt, der derzeit auf der nördlichen Seite Deidesheims im Gewerbegebiet Buschweg Nord liegt, an den Rand des geplanten neuen Baugebiets D8, in die Nachbarschaft des Aldi-Standorts, verlagern. Am neuen Standort soll die Verkaufsfläche von 1000 auf 1500 Quadratmeter erweitert werden.

Auch ein möglicher Ersatz für die Stadthalle in D8 wäre nicht möglich. Solche Überlegungen gab es, weil schon länger klar ist, dass der Sanierungsbedarf der Halle sehr hoch ist. Mittlerweile steht fest, dass der große Festsaal schließen wird. Derzeit kann nur das Boulevardtheater Deidesheim, das zusätzliche Brandschutzauflagen akzeptiert hat, den Saal bis Ende Februar nutzen. Die Zukunft des kleinen Saals und des Bistros ist noch offen.

Zum Thema Größe des Baugebiets hat die Stadtspitze bisher immer darauf hingewiesen, dass die Nachfrage nach Bauplätzen sehr hoch sei. Dieter Dörr hatte im August 2024 von 280 Anfragen gesprochen. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum sei nach wie vor sehr groß, heißt es jetzt in der Antwort auf eine Presseanfrage. Dem solle Rechnung getragen werden, indem die Stadt sich Bauland zu einem gedeckelten Preis sichere. Mit den bisher erhaltenen Zusagen von Grundstückseigentümern sei dies auch zu realisieren. Die Stadt müsse jedoch auch die Gesamtkosten für die Baulandentwicklung im Blick behalten, da sie ja mit den Planungskosten in Vorleistung trete. Deshalb müsse die Planung so konzipiert werden, dass sie bei sinkender Nachfrage nach Bauland auch in Teilabschnitten umgesetzt werden könne.

Barrierefreie Haltestelle: Frist verlängert

Mit den Planungen von D8 hängen auch die Planungen für die Verlegung der Bushaltestelle von der westlichen auf die östliche Seite des Bahnhofs zusammen. Diese soll dann auch barrierefrei sein. Diskutiert wurde der „Umzug“ bereits im August 2021 im Stadtrat, ein Argument war damals unter anderem die Anschließung des Baugebiets D8. Im vergangenen Jahr stand das Thema erneut auf der Tagesordnung des Bauausschusses, da ein Antrag auf Fördermittel eigentlich bis Ende 2025 hätte eingereicht werden sollen.

Diese Frist ist laut Verwaltung jedoch verlängert worden. Das habe das Land Ende vergangenen Jahres mitgeteilt. Es seien weiterhin Zuschüsse in Höhe von bis zu 85 Prozent der förderfähigen Kosten möglich.

Auf Antrag der SPD wird das Thema Stadthalle/D8/barrierefreier Haltepunkt auch auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung am 27. Januar stehen. Die Sozialdemokraten stellen in ihrem Antrag etliche Fragen. Unter anderem wollen sie wissen, wie hoch der geschätzte Finanzierungsbedarf für die unmittelbare Sanierung der Stadthalle ist, welche Summe für einen Neubau der Stadthalle in D8 vorgesehen ist, und wann die barrierefreie Bushaltestelle gebaut wird.

Zur Idee, auf dem Gelände der bisherigen Stadthalle ein Projekt für altersgerechtes Wohnen umzusetzen, will die SPD wissen, ob es dazu „städteplanerische Erkenntnisse“ gebe, und ob dabei auch an mögliche Auswirkungen auf Veranstaltungen wie Weinkerwe oder Weihnachtsmarkt gedacht worden sei.

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