Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der große Saal der Deidesheimer Stadthalle geschlossen wird

Der Festsaal der Deidesheimer Stadthalle musste aufgrund von sicherheitstechnischen Mängeln geschlossen werden.
Der Festsaal der Deidesheimer Stadthalle musste aufgrund von sicherheitstechnischen Mängeln geschlossen werden.

Dass die Stadthalle Mängel in puncto Brandschutz hat, ist seit längerem bekannt. Doch Ende 2025 spitzte die Lage sich zu. Der Stadtrat musste reagieren.

Die Entscheidung fiel am 2. Dezember: Der Stadtrat beschloss, dass der große Saal der Stadthalle geschlossen wird. Eine Entscheidung, die sich in den Wochen zuvor angekündigt hatte, und die, dessen war das Gremium sich bewusst, weitreichende Folgen haben würde. Dennoch: Die Ratsmitglieder sahen keinen anderen Ausweg.

Bereits zu Beginn des Jahres hatte die Verwaltung die Probleme mit der Halle, die seit Längerem bekannt sind, auf die Tagesordnung gesetzt und einen Gutachter damit beauftragt, den aktuellen Stand der Dinge zu untersuchen. Das Ergebnis: Die Halle hat etliche brandschutz- und sicherheitstechnische Mängel, der gravierendste betrifft die Lüftungsanlage, die im Falle eines Brandes auch für die Entrauchung wichtig ist. „Zunächst hofften wir noch, dass die Anlage zu reparieren ist“, erklärt Stadt- und Verbandsbürgermeister Dieter Dörr (CDU) im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Um ganz auf der sicheren Seite zu sein, sei ein weiterer Spezialist hinzugezogen worden. Durch dessen Prüfbericht, der im Oktober vorgelegen habe, sei dann das Ausmaß der Probleme deutlich geworden. „Allein die Ertüchtigung der Lüftungsanlage würde uns 550.000 bis 600.000 Euro kosten, mit weiteren nötigen Investitionen in den Brandschutz wären wir bei über einer Million Euro gewesen“, sagt Dörr. „Und dann hätten wir erst die Löcher gestopft.“

„Schlag ins Gesicht“ fürs Theater

Mit diesen Informationen sei die Verwaltung am 13. November in den Bauausschuss gegangen und habe aufgezeigt, welche Möglichkeiten es aus Sicht der Verwaltung nun gebe: die Ertüchtigung für über eine Million Euro oder die Schließung der Halle. Der Bauausschuss habe einstimmig beschlossen, dass der große Saal geschlossen und geklärt werden solle, wie viel eine Ertüchtigung des kleinen Saals und des Bistro-Bereichs kosten würde. „Diese Einschätzung hat der Stadtrat in einer nicht öffentlichen Sitzung am 2. Dezember geteilt“, informierte Dörr weiter. Es sei beschlossen worden, beim Kreis anzufragen, unter welchen Bedingungen der kleine Saal und das Bistro PI offen gehalten werden können, außerdem sollte die Öffentlichkeit informiert werden.

„Das haben wir bekanntermaßen dann nicht getan, und dafür gab es einen Grund“, fuhr Dörr fort. Bereits am 3. Dezember habe es ein Gespräch mit dem Boulevard-Theater gegeben, für das die Monate Dezember, Januar und Februar die Hauptsaison seien. „Für das Theater war es ein Schlag ins Gesicht, weil die Veranstaltungen alle schon ausverkauft waren“, berichtet der Bürgermeister. Die Geschäftsführung habe dringend darum gebeten, mit der Information nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. „Dann hätte jeder angerufen und gefragt, was aus den Karten wird.“

Suche nach Alternativen

Zunächst seien Alternativen ausgelotet worden. „Wir haben Rundfahrten mit den Theater-Verantwortlichen gemacht und verschiedene andere Hallen, beispielsweise die in Meckenheim, angeschaut.“ Es seien aber keine Räumlichkeiten gefunden worden, die gepasst hätten. „Das hat zum Teil auch rechtliche Gründe“, erklärte Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH, die für die Vermarktung der Halle zuständig ist. Bei manchen Künstlern sei vertraglich festgelegt, dass sie nicht in Turnhallen auftreten dürfen.

Die Verzweiflung beim Boulevard-Theater sei groß gewesen, ein Ausfall hätte die Institution rund 250.000 Euro gekostet, sagte Dörr. „Wir haben dann zusammen mit der Kreisverwaltung als Bauaufsicht überlegt, unter welchen Bedingungen Ausnahmegenehmigungen möglich sein könnten.“ Schließlich sei, begleitet von Rechtsanwälten auf allen Seiten, ein Paket geschnürt worden, mit dem sowohl die Kreisverwaltung als auch das Boulevard-Theater einverstanden waren. Unter anderem seien 58 funkvernetzte Rauchmelder installiert worden, die Brandschutzwache sei verstärkt und die Fluchtwege seien verbessert worden. Außerdem habe es die Auflage gegeben, ein Brandschutz-Sicherheitskonzept zu erstellen und eine spezielle Haftpflichtversicherung abzuschließen. Die Vereinbarung sei kurz vor Weihnachten, am 17. Dezember, unterschriftsreif gewesen.

Prunksitzung abgesagt

„Diese Möglichkeit haben wir auch dem Karnevalsclub angeboten, aber für den war das keine Lösung“, unterstrich Dörr. Auch die anderen Hallen, die in der Verbandsgemeinde zur Verfügung stehen, seien für die Fasnachter nicht in Frage gekommen. So werden nun die Veranstaltungen des Boulevard-Theaters bis zum 28. Februar in der Stadthalle weiterlaufen, während die Prunksitzung des Karnevalsclubs abgesagt worden ist.

Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Die Stadthalle, deren großer Saal laut Wemhoener 450 Plätze hat, sei schon seit Jahren defizitär, betonte Dörr. „Die Halle kostet uns jährlich über 200.000 Euro.“ Dabei gebe es im großen Saal nur etwa ein Dutzend Veranstaltungen von Deidesheimer Vereinen oder Gruppen. Derzeit beschäftige sich nun eine Arbeitsgruppe mit der Zukunft der Halle.

Enttäuschung bei Karnevalsclub

Die Enttäuschung bei den Karnevalisten ist indes groß. Der Beschluss des Stadtrats sei dem KSC am 9. Dezember von Stefan Wemhoener mitgeteilt worden, zugleich seien dem Verein Ausweichmöglichkeiten angeboten worden. Doch diese hätten entweder nicht gepasst oder seien schon vergeben gewesen. „Wir hatten uns tatsächlich gewünscht, dass man mit uns frühzeitig spricht, das ist leider nicht geschehen. Umso mehr sind wir von der Stadt enttäuscht“, sagt Sylvia Geppert, Vorstandsmitglied des Vereins. Man habe auf ein konstruktives Miteinander gesetzt, besonders mit Bürgermeister Dieter Dörr, der gerade erst zum Ehrensenator des Clubs ernannt worden sei.

Inzwischen seien Konsequenzen gezogen worden. Engagements von Gruppen und Mitwirkenden seien storniert, Ticketkosten an die Gäste zurückerstattet worden. „Der Schaden liegt jetzt bei uns, ohne dass wir hierfür eine Erstattung erhalten“, so Geppert. Eine Durchführung der Veranstaltung mit verschärften Sicherheitsauflagen sei für den KC wirtschaftlich und personell nicht leistbar gewesen. „Wir sind, was dieses Thema angeht, für diese Kampagne durch.“

Nutzung von Ausweichquartieren

Das Boulevard-Theater bescheinigt der Stadt und der Tourist Service GmbH ein großes Engagement bei der Suche nach Ausweichquartieren. Der künstlerische Leiter Boris Stijelja betont außerdem die Unterstützung aus dem Rathaus: „Der Bürgermeister hat uns von Anfang an unsere Unterstützung zugesagt. Dieter Dörr macht es gut, es ist ja nicht einfach.“ Das Ziel sei, den Standort Deidesheim und zugleich die eigene Marke in der Comedy-Szene zu erhalten. „Wir bleiben kreativ und suchen nach einer Alternative“, sagt Stijelja. Er macht jedoch auch klar, dass größere Veranstaltungen vorerst nicht mehr in Deidesheim stattfinden werden. Stattdessen müsse man stärker auf andere Spielorte ausweichen. Speyer und Mutterstadt seien in der Planung. Unberührt bleibt das Programm im kleinen Saal der Stadthalle, der von der Schließung zunächst nicht betroffen ist.

Ebenso nicht betroffen sind derzeit die Bar und das Bistro PI. Doch auch dort dürfte die Entscheidung nachwirken. Pächter Dennis Hoffmann zeigt sich überrascht: „Das war mir nicht bekannt, auch wenn der Brandschutz ein Thema ist, das immer wieder diskutiert wurde“, sagt er. Hoffmann macht kein Geheimnis daraus, über den aktuellen Vertrag hinaus gern am Standort bleiben zu wollen – das Pachtverhältnis läuft bis 2027. Trotzdem rechnet er mit Einbußen, wenn der große Saal dichtmacht: „Viele Gäste kommen vor den Veranstaltungen im großen Saal auf einen Drink ins PI, das wird uns dann fehlen“, bedauert Hoffmann.

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