Mannheim
Bilderbuchbaustelle am Bahnhof
Über dem Mannheimer Hauptbahnhof staut sich nicht nur die Hitze. Auch der frischverlegte Asphalt an den Gleisen der am stärksten frequentierten ÖPNV-Haltestelle im RNV-Netz strahlt Wärme ab. Hitzefrei gibt es für die Arbeiter trotzdem nicht. „Wir wollen bis Oktober fertig werden“, erklärte Bürgermeister Christian Specht (CDU) am Freitag bei der Ortsbegehung.
Seit Mai 2021 wird am Hauptbahnhof gearbeitet. Rund 80.000 Menschen steigen hier täglich ein, aus oder um. So viele wie sonst nirgendwo im RNV-Netz. „Alles begann mit der Verfüllung der Borellygrotte“, erinnerte der für den Öffentlichen Personennahverkehr zuständige Bürgermeister an den Start der Arbeiten. Zweiter wichtiger Schritt war im Anschluss die Verlegung der Ausfahrt der Tiefgarage. „So haben wir den Platz für die beiden zusätzlichen Bahnsteige gewonnen.“
Zwei Mannheimer Firmen im Einsatz
Und an genau diesen Bahnsteigen und den zugehörigen Wegebeziehungen auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof wird gerade mit Hochdruck von den Unternehmen Sax + Klee und Diringer & Scheidel gerade gearbeitet. Vielleicht liege es ja daran, dass die beiden Firmen aus Mannheim stammen, aber auf alle Fälle habe bislang alles auf der Baustelle reibungslos funktioniert, scherzte Specht. „Es ist eine der größten Baustellen an unserer Infrastruktur und zugleich die Baustelle, auf der am meisten in Bewegung ist.“ Man sehe, dass hier gearbeitet wird. Das sei an anderer Stelle nicht immer der Fall: „Dort wird zwar auch gearbeitet, aber man sieht es nicht immer“, stellte der Bürgermeister klar.
Und das alles mit Weitblick im Sinne der Bürger, erklärte er beim Rundgang auf dem Willy-Brandt-Platz. Immerhin gehe es darum, den ÖPNV zu ertüchtigen. „Wenn es das Ziel ist, die Fahrgastzahlen zu verdoppeln, dann müssen wir dafür auch die Infrastruktur zur Verfügung stellen.“ Im Zuge des Maßnahmenpaketes „Konversionsnetz Mannheim“ wird deshalb die Haltestelle Hauptbahnhof um einen vierten Bahnsteig erweitert. Alle Bahnsteige werden auf bis zu 70 Meter verlängert und in voller Länge barrierefrei ausgebaut. Insgesamt sind vier neue barrierefreie Querungsmöglichkeiten für Fußgänger über die Gleise vorgesehen.
Dritter Bauabschnitt nach der Buga
Parallel zur Umgestaltung der Haltestellenbereiche erneuert die Stadt Mannheim den Bahnhofsvorplatz. „Damit das alles ein harmonisches Bild ergibt“, so Specht. Daher wird die Chance genutzt, den Vorplatz als angemessenes und attraktives Entrée in die Stadt zu präsentieren. Und das bis zur Bundesgartenschau im kommenden Jahr – obwohl die gesamte Baumaßnahme eigentlich bis Ende 2024 angesetzt ist. „Aber bis zur Buga hätten wir nicht alles geschafft“, so Specht. Deshalb werde der östliche Bereich mit den Taxistellplätzen ausgespart und erst nach der Blumenschau als dritter Bauabschnitt angegangen.
Der Bürgermeister hofft, dass auch dann alles so reibungslos abläuft. So liegen die Arbeiten nicht nur im Zeitplan, sondern auch noch im Kostenrahmen der ursprünglich errechneten 23,7 Millionen Euro, 15 Millionen davon als Zuschüsse von Bund und Land. Und auch das Baumaterial sei noch vorrätig, geht die Logistik der Projektleitung auf.
Wenig Kritik
„Als wir das Projekt vorgestellt haben, hatte ich schon echtes Herzklopfen“, räumte Specht ein. Immerhin werden vor dem Bahnhof rund 9000 Quadratmeter im Herzen des Straßenbahnnetzes neu gestaltet. Beschwerden der Pendler, auch über den Busersatzverkehr, gebe es allerdings kaum. Eben alles in allem eine echte Vorbildbaustelle.
Dem fühlen sich sogar die Arbeiter verpflichtet. Vor dem Foto der Protagonisten sorgten sie im Bildschirmhintergrund auf der Baustelle noch ein bisschen für Ordnung. „Bevor das unser Chef sieht“, scherzte einer.
Es soll nicht die letzte Investition in den ÖPNV sein. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren rund 150 Millionen Euro für das Mannheimer Stadtbahnnetz ausgegeben werden. Für den Bürgermeister „echter Klimaschutz“.