Mannheim
Bundesgartenschau: Geld- und Zeitpuffer aufgebraucht
Es ist kein Jahr mehr bis zum großen Tag. Die Eröffnung solle planmäßig am 14. April 2023 über die Bühne gehen, betont Geschäftsführer Michael Schnellbach. Doch nicht alle Baupläne ließen sich mehr halten. Manchmal komme auch eine kleinere Lösung heraus als eigentlich vorgesehen. „Wenn wir zum Beispiel fünf Spielgerüste geplant hatten, werden daraus vielleicht nur noch drei und ein kleineres“, so der Geschäftsführer unlängst auf einer Veranstaltung.
Bei den Kosten wackeln die Zahlen ebenfalls. Mannheimer Gemeinderäte gehen bereits von Steigerungen aus. Lieferanten melden Nachforderungen an, obwohl Festpreise vereinbart waren. Planer und Handwerker haben also zur Zeit viel Gesprächsbedarf. Momentan liege man zwar noch im Budget, was Kosten und Zeitplan angehe, aber der Puffer sei aufgebraucht, heißt es von Seiten der Geschäftsführung. Dabei beziehe man sich auf rund 90 Millionen Euro eines Investitionsetats für das Projekt, das die Gesellschaft der Bundesgartenschau genehmigt bekommen hatte.
Bagger-Einsatz verzögert
Auch die Fundamente für einen 81 Meter langen Panoramasteg sollten längst stehen. Doch der Einsatz eines 600 Tonnen schweren Baggers verschiebt sich um Wochen. Der Steg besteht aus 23 Segmenten, aber nur 16 sind bisher angekommen. Die Anlieferung der restlichen Stahlträger sei gesichert, aber man habe Glück gehabt, sagt Schnellbach. Die Teile seien zur Jahreswende in Finnland gegossen worden. Um die einzeln per Schwertransport in Mannheim angelieferten, riesigen Stücke zu verbinden, seien aber Tonnen von Spezialschweißdraht nötig. Bei diesem Posten hapere es ebenso wie bei den Schwingungsdämpfern für den Steg. Bis August muss die Montage der Brücke jedoch klappen, denn ab September haben die Landschaftsgärtner in diesem Teil des Areals das Sagen.
Arbeiten an der U-Halle
Bei der sogenannten U-Halle, dem Mittelpunkt der Ausstellung auf dem ehemaligen US-Gelände Spinelli, sind die Entkernung und das Abtragen der Dächer fast abgeschlossen. Ein Bauunternehmen wird sich mit dem Innenausbau befassen. Die Halle wird während der Gartenschau von April bis Oktober für Blumenschauen, Gastronomie sowie einzelne Ausstellungen und ein Fernsehstudio genutzt.
Ein eigens für die Bundesgartenschau geschaffener See in einer früheren Au, gegen den eine Bürgerinitiative heftig, jedoch erfolglos gekämpft hatte, ist weitgehend fertiggestellt. Es war geplant, ihn schon im Mai zu fluten. Dieses Vorhaben muss ebenfalls geändert werden: Für den Aufbau des Stegs ist ein Hilfsfundament im Au-Gewässer notwendig. Nun ist die Flutung, falls der Panoramaweg rechtzeitig fertiggestellt ist, erst im August angedacht. Was auch nicht funktioniert, ist die Bewässerung. Es fehlen Schaltelemente für die automatische Regulierung der Pumpen. Daher sind täglich Tankwagen unterwegs, die die vielen jungen Pflanzen notversorgen.
Bessere Lage als in Rostock
Zweifel an der Finanzierbarkeit der Schau auf geplantem Level waren nach der jüngsten Absage der Bundesgartenschau 2025 in Rostock wegen „unkalkulierbarer Mehrkosten“ laut geworden. Anders als Rostock habe man in Mannheim den Vorteil, die Aufträge für die großen Investitionen schon vor längerer Zeit vergeben zu haben, erklärt Schnellbach seine Zuversicht. Optimistisch stimme ihn zudem, dass unter den ausführenden Unternehmen Firmen aus der Region seien. „Die sind mit entsprechendem Herzblut bei den Prestigeprojekten dabei“, glaubt Schnellbach. Aktuell geht die Gesellschaft davon aus, dass die Stadt Mannheim, der zwei Drittel an der Bundesgartenschau-Gesellschaft für 2023 gehören, am Ende nur zwischen sechs und acht Millionen Euro zuschießen muss.
