Ludwigshafen Zu viele Notfallpatienten: BG Klinik verschiebt planbare OPs
„Im Moment behandeln wir nur Notfälle oder sehr dringliche Fälle, die innerhalb von maximal zwei Wochen behandelt werden müssen“, sagt Paul Alfred Grützner, Ärztlicher Direktor der BG Klinik. Für planbare Behandlungen, die sogenannten elektiven Eingriffe, gebe es eine Warteliste bis in den Sommer hinein. „Wir hoffen, Operationen dieser Art schnell wieder angehen zu können“, sagt Grützner, doch im Moment drängten einfach zu viele Notfallpatienten in die BG.
Klagen will der 59-Jährige über die aktuelle Situation dennoch nicht: „Die Traumaversorgung ist unser Auftrag, es geht nur gemeinsam durch die Krise.“ Und doch agieren die Unfallmediziner der BG, zu deren täglichem Job es gehört, Krise ganz besonders gut zu können, personell am Limit. Grützner: „Jeden Morgen müssen wir aufs Neue schauen, wie wir das System am Laufen halten können. Viele unserer Mitarbeiter befinden sich derzeit in Quarantäne oder sind selbst erkrankt, kurzfristige Ausfallmeldungen gibt es regelmäßig.“
Christoph 112 wieder an der BG stationiert
Auch für den derzeit wieder an der BG stationierten und speziell für bundesweite Verlegungsflüge von Covid-19-Patienten vorgesehenen Transporthubschrauber Christoph 112 stellt die Klinik einen Teil ihrer Intensivärzte zur Verfügung. „Das sind ganz erfahrene Kollegen, die da an Bord gehen und uns dann hier in Ludwigshafen auf der Intensivstation natürlich fehlen“, sagt Uwe Hoppe, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin/OP-Abteilung. „Aber das Commitment für diese Einsätze ist sehr hoch“, betont der 62-Jährige, der trotzdem nicht unglücklich darüber ist, dass sich die Anzahl bundesweiter Verlegungsflüge im Vergleich zu vorherigen „Corona-Wellen“ derzeit noch in Grenzen hält.
Wie herausfordernd solche Flugeinsätze sind, kann man als Laie nur erahnen. „Als die Situation im Dezember recht angespannt war, hat Christoph 112 in Bayern einen Covid-Patienten abgeholt und dann bis nach Schleswig-Holstein geflogen“, erzählt Hoppe. Auch für die Erkrankten seien solche langen Verlegungsflüge extrem anstrengend.
Impfquote über 90 Prozent
In der BG Klinik selbst würden zwar nur vereinzelt an Covid-19 erkrankte Patienten behandelt, trotzdem müsse man mit diesem Thema natürlich umgehen, sagt Paul Alfred Grützner. Es gebe eine entsprechende Isolierstation, erfahrungsgemäß erlitten Schwerverletzte, die mit Covid-19 infiziert seien, auch häufig einen schweren Verlauf der Krankheit. „Ein Trauma schwächt das Immunsystem“, sagt Grützner.
Was die anstehende Impfpflicht im Gesundheitswesen angeht, so erwartet der Ärztliche Direktor der BG Klinik, dass sein Haus nur wenige Mitarbeiter verliert: „Es werden nur Einzelfälle sein, die sich nicht gegen Covid-19 impfen lassen werden.“ Die Impfquote beim Pflegepersonal liege weit über 90 Prozent, erzählt Grützner und sagt: „Diejenigen, die jetzt noch nicht geimpft sind, sind zum Teil hochgradig verunsichert – in der Regel kommen wir hier durch entsprechende Gespräche und Erklärungen weiter.“ Einzelne Kündigungen unter den insgesamt 1400 Mitarbeitern gebe es aber dennoch.
Grützner selbst spricht sich in diesem Zusammenhang klar für eine allgemeine Impfpflicht aus und sagt: „Entweder alle oder keiner.“ Viele Mitarbeiter fragten sich, warum es nur die Impfpflicht im Gesundheitswesen geben sollte, aber nicht die allgemeine Impfpflicht, die auch jene schützen würde, die mit einem Herzinfarkt oder Brandwunden ein Krankenhausbett samt optimaler Versorgung vorfinden wollen.
Corona verschärft Personalproblem
Ganz unabhängig von möglichen personellen Auswirkungen der Impfpflicht wollen Grützner und Hoppe aber vor allen Dingen eines: alles daran setzen, den Arbeitsplatz Krankenhaus attraktiver zu gestalten. „Das Commitment zu einem Beruf ist eine Wette auf die Zukunft“, betont Grützner. Wie Versorgungsstrukturen intelligenter gestaltet werden können und ob in Zukunft noch „alle Krankenhäuser alles machen“, gelte es deshalb zu diskutieren.
„Corona hat das Personalproblem in den Kliniken nochmals deutlich verschärft“, sagt der 59-Jährige, „für Mitarbeiter resultiert daraus eine große körperlich und psychische Belastung“. Der Gedanke, Schwerpunkte zu setzen und sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren, bekäme im Klinikbereich deshalb immer mehr Gewicht. Dass sich etwa die BG auf die Traumaversorgung und insbesondere Verbrennungsunfälle konzentriere, sei gut. „Wir brauchen solche Leuchttürme“, resümiert Uwe Hoppe.
„Traumasaison ab April“
„Im April, wenn die Menschen wieder auf ihre Motorräder und Fahrräder steigen, geht die Traumasaison übrigens wieder los“, sagt der 62-Jährige. „Dann schalten wir vom Corona-Notfallmodus um auf: ,Jetzt geben wir mal richtig Gas’.“ Hoppe sagt das aber längst nicht so ironisch oder an der eigenen Leistungsfähigkeit zweifelnd, wie es im ersten Moment vielleicht klingen mag. Sondern wie einer, der seit 35 Jahren mit viel Herzblut in der BG Klinik seinen Dienst tut und dort als junger Assistenzarzt die Versorgung der Verletzten des Flugschauunglücks von Ramstein miterlebt hat. „Einer muss sich drum kümmern“, sagt er aus voller Überzeugung.