Ludwigshafen
Corona: Aufwendige Transporte mit dem Rettungshubschrauber
Matthias Münzberg (43) und Johannes Horter (47) stehen in der BG Klinik an der Spitze der Abteilung für interdisziplinäre Rettungs- und Notfallmedizin. Mit stressigen Arbeitstagen kennen sie sich ebenso aus wie mit der Kunst des Improvisierens. Wenn es nämlich nach schweren Unfällen schnell gehen muss und Lösungen für verletzte Patienten gefunden werden müssen. Daher sind die beiden erfahrenen Ärzte aktuell auch mit Blick auf die Corona-Pandemie ziemlich in Sorge. Es sei im Sommer schon klar gewesen, dass es eine zweite Welle geben würde. Doch Politik und Teile der Öffentlichkeit hätten über lange Strecken weggeschaut – und seien nun überrascht. Dabei habe es im Frühjahr genug Veröffentlichungen zur Spanischen Grippe gegeben. „Auch damals gab es eine zweite Welle“, sagt Münzberg. Daher fordern er und Horter nun Klarheit und kein „scheibchenweises Vorgehen“ mehr. „Wir brauchen Planungssicherheit bei den Ressourcen“, betont Horter. Auch für Münzberg ist klar: „Die Pandemie wird uns mindestens bis Mitte 2021 beschäftigen.“ Für diesen Zeitraum sollten nun schon die Weichen gestellt werden, so der eindringliche Appell der beiden Mediziner.
Bisher 465 Einsätze
Sie sagen das auch mit Blick auf die besondere Rolle der BG Klinik in der Versorgung der Covid-19-Patienten. Im Verbund der Krankenhäuser der Region kümmern sich die Trauma-, Notfall- und Unfallspezialisten vor allem um diese Fälle, damit Häuser wie das Ludwigshafener Klinikum Kapazitäten für die Corona-Patienten haben. Und dennoch: Das neue Virus, das die Welt auf den Kopf stellt, spielt auch an der Ludwig-Guttmann-Straße eine große Rolle. So wird hier aktuell ein Patient mit sehr schweren Brandverletzungen behandelt, der coronapositiv ist. Für das medizinische Team keine zu große Herausforderung, wie Horter sagt. Zum einen seien die Brandverletzten ohnehin in Einzelzimmern isoliert, und zum anderen gelten hier besonders strenge Hygienebedingungen, da diese Patienten sehr anfällig für Keime und Infekte seien.
An sich werden Covid-19-Patienten aber in dafür spezialisierte Krankenhäuser gebracht. Und auch hier bringt sich die BG Klinik mit ihrer Expertise ein. Sie hilft beim Transport der Patienten mit. Entweder per Rettungswagen im Intensivtransport oder aber im Hubschrauber Christoph 112. Seit April verfügt die BG Klinik über zwei Rettungshubschrauber. Christoph 5 ist seit 1973 hier und hatte 2019 insgesamt 1714 Einsätze. Christoph 112 kann natürlich auch zu Unfällen fliegen. Stationiert ist er an der BG Klinik aber für den Transport von Covid-19-Patienten.
Auf 465 Einsätze ist Christoph 112 seit April gekommen, sagt Horter. 41-mal davon wurden Corona-Patienten geflogen – alleine sieben in den vergangenen 14 Tagen. Sie werden dann von einer Klinik in eine andere transportiert. Die Verlegung ist laut Horter dann nötig, wenn das abgebende Krankenhaus mit der Behandlung an Grenzen stößt und der Patient in ein Krankenhaus mit besseren Kapazitäten kommen soll oder eine spezielle Behandlung notwendig wird. Bis Ende Dezember ist Christoph 112 definitiv an der BG Klinik stationiert. Münzberg und Horter – Stichwort Planungssicherheit – hoffen aber, dass bald die Weichen für eine Verlängerung gestellt werden.
„Eine Meisterleistung“
Denn der Bedarf sei da, und man könne hier mit dem Deutschen Roten Kreuz (das DRK stellt die Notfallsanitäter im Hubschrauber) und der ADAC-Luftrettung (sie stellt die Piloten) einen wichtigen Beitrag in der Pandemie leisten. Sieben Ärzte stellt die BG Klinik für diese Aufgabe ab (für beide Rettungshubschrauber gibt es 16 Ärzte), hinzu kommen fünf Kräfte des DRK und sechs Piloten. Die Teams seien hochspezialisiert und eingespielt. Das sei auch nötig, betont Münzberg, um den anstrengenden Transport der schwerkranken Patienten stemmen zu können. „Daher plädieren wir dafür, diese Ressourcen zu erhalten und die Langfristigkeit zu beachten.“
Es ist der Job von Johannes Horter, alle Dienstpläne unter einen Hut zu bekommen – denn es geht ja nicht nur um den Betrieb der Hubschrauber und der Intensivtransporte, sondern auch um die Arbeit in Schockraum, OP-Saal und Intensivstation. „Die Teams sind alle geschult“, sagt Horter. Bei Christoph 112 komme noch der hohe Aufwand (und die körperliche Belastung) durch die umfassende Schutzkleidung hinzu. Zudem müssten die Covid-19-Patienten mit viel Technik versorgt und zum Teil – wegen einer dramatisch schlechten Lungenfunktion – in Bauchlage liegend transportiert werden.
Das sei auf dem engen Raum eine große Herausforderung. Zumal man in acht Fällen noch eine ECMO (extracorporale Membranoxygenierung) benötigt habe – eine solche gibt es etwa am Klinikum. Horter vergleicht die Maschine mit einer Dialyse: Nur werde hier kein Blut gereinigt, sondern „es findet ein Gasaustausch statt, man übernimmt die Aufgabe der geschädigten Lunge außerhalb des Körpers“.
Münzberg betont: „Ich bin stolz auf unser Team.“ Man habe die Aufgabe im April innerhalb kürzester Zeit angenommen. „Das war eine Meisterleistung.“ Horter ergänzt: „Das Beispiel zeigt: Wir sind bereit.“