Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wohnungen für Flüchtlinge: Warum zwei große städtische Unterkünfte leer stehen

Städte und Kommunen müssen sich auch im neuen Jahr darauf einstellen, dass sie viele Geflüchtete unterbringen müssen.
Städte und Kommunen müssen sich auch im neuen Jahr darauf einstellen, dass sie viele Geflüchtete unterbringen müssen.

Auch im neuen Jahr rechnet die Verwaltung damit, dass Ludwigshafen wie 2023 mehrere Hundert Geflüchtete aufnehmen und unterbringen muss. Dafür wurde sogar ein ehemaliger Supermarkt umgebaut. Warum zwei städtische Wohnimmobilien trotz der Krise seit Jahren leer stehen.

Schon Anfang November 2021 stand fest, dass eine Sammelunterkunft für Geflüchtete im Rheingönheimer Rampenweg 8 saniert werden muss. Das Gebäude hat der Verwaltung zufolge zwei Geschosse und 23 Appartements. Die Appartements bieten Platz für jeweils bis zu drei Personen. Die geplante Sanierung sollte nach damaligen Schätzungen zwischen 600.000 und 800.000 Euro kosten und innerhalb von rund acht Monaten über die Bühne gehen. Aber daraus wurde nichts – bis heute.

Geplant war zunächst Folgendes: In den Küchen der Appartements sollten die Wände und der Boden komplett erneuert werden. Zudem sollten die Küchen neu eingerichtet werden, „um die Hygienevorschriften einzuhalten“. In den Sanitärräumen sollten die Toiletten und Waschbecken ausgetauscht, die defekten Wand- und Bodenfliesen instandgesetzt werden. Schließlich sollten Fenster, Rollläden und Türen überprüft und repariert werden. In den Häusern sollten der Bodenbelag und der Estrich in allen Bereichen erneuert werden. In allen Räumen im Erdgeschoss und diversen Räumen im Obergeschoss sollten die Innenwände neu verputzt werden. Alle Räume in beiden Stockwerken sollten frisch gestrichen werden.

Erdgeschoss steht unter Wasser

Der Zeitplan sah so aus: Bis Ende des Jahres 2021 sollten die Abbrucharbeiten über die Bühne gehen. Bis Ende Januar 2022 sollten die einzelnen Arbeiten ausgeschrieben und vergeben werden. Bis Ende Juli 2022 sollte alles fertig sein. Aber so kam es nicht. Die Wohnungen stehen stattdessen immer noch leer.

Steht seit 2019 leer: das ehemalige Caritas-Wohnheim in der Wörthstraße.
Steht seit 2019 leer: das ehemalige Caritas-Wohnheim in der Wörthstraße.

Nach Angaben der Verwaltung wird sich daran absehbar auch nichts ändern. Denn aufgrund von wiederkehrenden Wassereintritten in das Erdgeschoss des Gebäudes könnten die Räumlichkeiten noch nicht belegt werden, berichtet eine Sprecherin auf Anfrage der RHEINPFALZ. „Aktuell prüfen wir, ob es möglich ist, vorübergehend nur das Obergeschoss zu nutzen.“

Noch keine Kostenprognose

Wegen der wiederholten Wassereintritte ins Haus während der Sanierung hat die Verwaltung nach weiteren Angaben umfangreiche Untersuchungen wie eine Feuchtemessung des Bodens, Untersuchungen von Regenwasserfallrohrleitungen, Sickerschächten, Duschwannen und sanitären Anschlüssen eingeleitet. Es seien Drucktests der Abwassersysteme sowie Dichtigkeitsuntersuchungen der Heizungs- und Trinkwassersysteme veranlasst worden. Das Ergebnis ist jedoch ernüchternd: „Versickerungsversuche und eine Analyse des Bodenaufbaus haben ergeben, dass im Bereich des Gebäudes oberflächennah eine bindige Bodenschicht liegt, die kaum Versickerung zulässt“, sagt die Sprecherin. Aufgrund der Beschaffenheit der Bodenschicht könne Niederschlagswasser nur langsam versickern, bei Starkregen staue es sich an und dringe in die Bodenplatte und die Erdgeschosswände des Gebäudes ein.

Wie sich all diese Komplikationen bei der Sanierung des Hauses im Rampenweg 8 finanziell auswirken, ist derzeit noch unklar: „Aktuell prüfen wir verschiedene Optimierungen am Standort, daher kann noch keine aussagekräftige Kostenprognose abgegeben werden“, sagt die Sprecherin der Stadt. Insgesamt stehen laut Verwaltung in den drei Häusern im Rampenweg 6, 8 und 10 für Geflüchtete 47 Zimmer und 26 Appartements zur Verfügung. Aktuell seien in den beiden belegten Gebäuden 70 Personen untergebracht.

Immobilie von der Caritas erworben

Noch länger als der Rampenweg 8 steht ein weiteres städtisches Wohngebäude in der Innenstadt leer: das ehemalige Caritas-Haus in der Wörthstraße in der Nachbarschaft einer neuen städtischen Kita und des künftigen Polizeipräsidiums. Warum die Stadt das Wohnhaus bisher nicht für die Unterbringung von Geflüchteten vorbereitet hat, bleibt unklar.

Im Sommer 2019 teilte die Verwaltung auf eine Anfrage der RHEINPFALZ dazu mit, dass Ludwigshafen keine Verwendung für die Immobilie habe, die sie erst Anfang 2017 vom Caritas-Verband gekauft hatte. Wie eine Rathaus-Sprecherin vor nunmehr viereinhalb Jahren erläuterte, benötigte Ludwigshafen zum Kaufzeitpunkt wegen der zuströmenden Flüchtlinge Unterkünfte. Nach einem Beschluss im Bau- und Grundstücksausschuss im Juli 2016 sei das Caritaswohnheim in der Wörthstraße16/18 daher im Februar 2017 erworben worden. Über den Preis für die Immobilie machte die Verwaltung seinerzeit keine Angaben.

Umfassende Ertüchtigung nötig

Zwei Jahre später jedoch waren die Verantwortlichen im Rathaus dann der Meinung, dass man das Haus nicht mehr brauche, da sich die Unterbringungssituation für die zugewiesenen Flüchtlinge wieder entspannt hatte. Daher sollte es wieder zum Verkauf angeboten werden. Offenbar ohne Erfolg.

Ein Gebäude der Sammelunterkunft für Geflüchtete im Rampenweg in Rheingönheim wird seit Ende 2021 saniert.
Ein Gebäude der Sammelunterkunft für Geflüchtete im Rampenweg in Rheingönheim wird seit Ende 2021 saniert.

Denn das ehemalige Caritas-Gebäude ist immer noch im Besitz der Stadt, wie ein Verwaltungssprecher jetzt auf Anfrage informierte. „Die Stadtverwaltung prüft derzeit, welche Nutzungen des Gebäudes künftig möglich sind. Angesichts des auch in Ludwigshafen herausfordernden Wohnungsmarkts wird unter anderem eine Wohnraumnutzung sondiert.“ Allerdings sei – unabhängig vom späteren Nutzungszweck – eine umfassende Ertüchtigung des Gebäudes notwendig, um es verwenden zu können.

Leerstand seit mehr als vier Jahren

Diese Erkenntnis ist nicht neu und wenig überraschend: Der Sanierungsbedarf war schon 2017 offenkundig, als die Stadt das Haus von der Caritas gekauft hat. Denn die ehemaligen Bewohner – Menschen, die an Multipler Sklerose leiden – sind deshalb 2019 in einen Neubau in der Kaiser-Wilhelm-Straße umgezogen. Seit mehr als vier Jahren steht dieses Haus nun leer.

Auf die Frage nach weiteren leer stehenden Wohnimmobilien im Eigentum der Stadt bleibt der Sprecher zunächst vage: „Die Stadt Ludwigshafen ist im Besitz weniger städtischer Wohnungen in verschiedenen Stadtteilen, die derzeit aus folgenden Gründen leer stehen: Die Wohnungen werden renoviert und dem Wohnungsmarkt oder für geflüchtete Menschen zur Verfügung gestellt.“ Hierbei handele es sich überwiegend um einzelne Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und um wenige frei stehende Einfamilienhäuser. Erst auf wiederholte Nachfrage teilt die Verwaltung die Adressen der Wohnungen mit. Wenige Objekte, die unter wirtschaftlicher Betrachtung und Beachtung der Verhältnismäßigkeit nicht wieder ordnungsgemäß instandgesetzt werden könnten, berichtet der Sprecher weiter, seien als Verkauf- oder Abbruchobjekte vorgesehen.

x