Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Wie sicher ist der Besuch der Weihnachtsmärkte?

Ludwigshafen: Die Polizei zeigt Präsenz, Poller auf dem Berliner Platz versperren die Zufahrt.
Ludwigshafen: Die Polizei zeigt Präsenz, Poller auf dem Berliner Platz versperren die Zufahrt.

Ludwigshafen hat seinen Weihnachtsmarkt als erste Stadt im Land eröffnet. In den kommenden Tagen folgen Mannheim, Frankenthal und Speyer. Doch wie sicher ist der Budenzauber? Ein Blick auf die Konzepte der Veranstalter.

Bratwurst, Glühwein, Weihnachtshits und eine schöne Adventsbeleuchtung – das zieht wieder Tausende auf die Weihnachtsmärkte in der Kurpfalz. Doch können die Besucher zwischen den Buden sorglos feiern? Im November 2016 wollte sich ein Zwölfjähriger auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt in die Luft sprengen. Doch das Attentat misslang. Der selbstgebastelte Sprengsatz zündete nicht. Der junge Deutsch-Iraker stand über das Internet in Verbindung zur Terrormiliz IS.

Vor diesem Hintergrund haben sich die Veranstalter der Weihnachtsmärkte mit der Polizei und den Stadtverwaltungen Gedanken über Sicherheitskonzepte gemacht. Es gibt Zufahrtssperren, damit ein Attentäter nicht mit einem Lastwagen in den Markt fahren kann, wie das beim Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche im Dezember 2016 passierte war. 13 Menschen wurden getötet, 67 verletzt. Der Attentäter, der 23-jährige Tunesier Anis Amri, wurde auf der Flucht bei einer Polizeikontrolle in Italien erschossen.

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Polizei gibt Tipps für den Weihnachtsmarkt-Besuch

Polizei: keine hundertprozentige Sicherheit

Eine latente Gefahr von Anschlägen auf größere Menschenansammlungen gibt es in Deutschland, sagen die Sicherheitsbehörden. Erst im August gab es beim Stadtfest in Solingen einen mutmaßlich islamistischen Terroranschlag mit drei Toten und mehreren Verletzten. Das hat zu einer Verschärfung des Waffenrechts und Messerverbotszonen in Städten geführt. Doch klar ist auch: „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen.

Es sei auch aus personellen Gründen nicht möglich, die Zugänge zu den Weihnachtsmärkten wochenlang zu kontrollieren und alle Besucher vor dem Betreten des Markts zu überprüfen. „Das ist von uns nicht leistbar“, sagt der Polizeisprecher und schiebt hinterher: „Uns ist keine konkrete Gefährdungslage bekannt.“ Soll heißen: Die Sicherheitsbehörden haben keinen Hinweis auf Anschlagspläne.

Zaun und Security in Lu

Die Ludwigshafener Stadtmarketinggesellschaft Lukom setzt beim Weihnachtsmarkt auf eine Einzäunung der Fläche auf dem Berliner Platz und die ständige Präsenz eines Sicherheitsdienstes. Die Poller an allen Eingängen sind zertifizierte Überfahrsperren und halten Fahrzeuge fern. Die Lukom arbeitet eng mit den Sicherheitsbehörden zusammen, die ebenfalls häufig Präsenz zeigen sollen, sagt Weihnachtsmarktorganisator Stefan Tielkes. Die Polizei zeigt nach eigenen Angaben mit Fußstreifen vor allem Präsenz, wenn viele Besucher auf dem Markt sind – also abends und an den Wochenenden. Auch die Stadt lässt Streifen des Kommunalen Vollzugsdiensts des Ordnungsamts (KVD) über den Markt laufen – teils zusammen mit den Kollegen der Polizei. Das nach Solingen verschärfte Waffenrecht erlaube den Beamten der Polizei und des KVD ansatzlose Kontrollen von Besuchern, so der Polizeisprecher.

Auf dem Berliner Platz gilt eine Platzordnung, die Glasflachen, Pyrotechnik und alle Gegenstände, die als Waffen eingesetzt werden können, verbietet. „Wir haben auch Hausrecht, das bei Bedarf vom Sicherheitsdienst durchgesetzt werden könnte. Wir betonen aber, dass der Sicherheitsdienst noch nie Probleme auf dem Weihnachtsmarkt hatte, also nie eingreifen musste. Wir haben ein tolles Publikum“, sagt Organisator Tielkes. Auch die Polizei unterstreicht, dass es seit dem Start am 13. November noch keine Vorfälle auf dem Weihnachtsmarkt gab.

Speyer hat Notbeleuchtung

Der Blick in die Nachbarstädte zeigt: Auch hier sind Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden: Der Speyerer Weihnachtsmarkt, der Menschen aus der ganzen Region anzieht, ist schon seit Jahren gut gesichert. Mobile Sperren sollen „ein unbefugtes Befahren des Veranstaltungsgeländes auf der Maximilianstraße“ verhindern, wie Verwaltungssprecherin Janine Friedmann auf Anfrage erläutert. An den Zufahrten werden deshalb parallel zum Aufbau in dieser Woche vor allem Betonblöcke platziert – teilweise in weihnachtlicher Optik. Dazu kommen mobile Sperrsysteme („Armis One“), etwa an beiden Enden der auch von Bussen und Lieferverkehr befahrenen Maximilianstraße. Unter anderem die Feuerwehr kann diese öffnen und schließen.

Der Speyerer Weihnachtsmarkt zieht Massen an.
Der Speyerer Weihnachtsmarkt zieht Massen an.

Auch ein Sicherheits- und ein Sanitätsdienst gehören zum Konzept. Die Polizei mit ihrer Inspektion am Festgelände kündigt Präsenz an und erinnert an das verschärfte Messerverbot auf öffentlichen Veranstaltungen. Eine Neuerung der Stadt sind sogenannte Notlicht- und Durchsageinseln auf dem Weihnachts- und Neujahrsmarkt. Friedmann: „Diese wurden bereits bei den diesjährigen Veranstaltungen des Altstadtfests und der Herbstmesse aufgestellt, um eine Notbeleuchtung sowie Durchsagemöglichkeit für sicherheitsrelevante Informationen sicherzustellen.“

Die Stadtverwaltung erlässt für den Bereich des Markts und der Rollschuhbahn traditionell auch eine Allgemeinverfügung, in der etwa Alkoholverbote für die Bereiche außerhalb der Ausschankstellen festgeschrieben werden. Dazu kommt die Möglichkeit eines Themen-Abos über die kostenlose Katwarn-App: Wer den entsprechenden QR-Code dazu abscannt, erhält Informationen der Veranstaltungsleitung speziell für den von 25. November bis 6. Januar angesetzten Markt.

Nachtwache bei den Buden

Ein eigenes Sicherheitskonzept oder eine auf den Weihnachtsmarkt angepasste Allgemeinverfügung sind in Frankenthal laut Verwaltung nicht notwendig. Bei der vom Bereich Ordnung und Umwelt organisierten Veranstaltung auf dem Rathausplatz, die am 25. November eröffnet wird, komme man nicht über die kritische Anzahl von 5000 Besuchern gleichzeitig. Nichtsdestotrotz stimme man sich im Vorfeld mit Feuerwehr und Polizei ab. Einlasskontrollen, wie in der Coronazeit, gibt es nicht.

Im Herzen Frankenthals: der Weihnachtsmarkt mit seinen 27 Buden.
Im Herzen Frankenthals: der Weihnachtsmarkt mit seinen 27 Buden.

Der KVD sei ebenso wie die Polizei regelmäßig mit Streifen auf dem Markt präsent, der bis 29. Dezember aufgebaut bleibt. Nach Betriebsschluss um 21 Uhr werden die 27 Buden nachts bewacht. Bei den Kosten für Sicherheitsvorkehrungen bleibt die Stadt auf Anfrage vage und spricht von einer „niedrigen Summe“. Wie andernorts werden auch in Frankenthal die Zufahrten auf den zentralen Platz in der Innenstadt versperrt. Dazu nutze man mobile, mit Wasser, Sand oder anderem Material befüllbare Elemente.

Zur Sache: Darauf hat die Polizei ein Auge

Messerverbot: Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag beim Stadtfest in Solingen im August wurde das Waffenverbot bei öffentlichen Veranstaltungen verschärft und auf Messer ausgeweitet. Das bedeutet, dass Messer jeglicher Art und Größe, auch sogenannte Alltagsmesser wie zum Beispiel Taschenmesser und Multitools mit integriertem Messer, nicht mitgeführt werden dürfen. Wer das trotzdem tut, begeht nach Angaben von Thorsten Mischler, Sprecher des Polizeipräsidiums Rheinpfalz, eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann. Polizei und Ordnungsamt können jederzeit anlasslos Besucher der Weihnachtsmärkte kontrollieren. Dabei können Taschen und Rucksäcke in Augenschein genommen und Personen durchsucht werden.

Taschendiebe: Grundsätzlich setzt die Polizei auf Präsenz auf den Weihnachtsmärkten. Außerdem haben die Einsatzkräfte das Thema Alkohol im Straßenverkehr im Blick und versuchen, Straftaten wie Taschendiebstahl zu verhindern. Gerade, wenn die Märkte gut besucht sind und das Gedränge zwischen den Verkaufsständen groß ist, seien auch Taschendiebe nicht weit, warnt ein Polizeisprecher. Die fingerfertigen Diebe versuchten, Besuchern in einem unachtsamen Moment Brieftaschen, Handys oder andere Wertgegenstände zu stehlen. „Oftmals werden die Geschädigten durch einen Täter abgelenkt, während ein zweiter versucht, die Gegenstände des Opfers zu klauen. Es geht für die Diebe aber auch einfacher: Wer mit seinem Geldbeutel in der Seitentasche der offenen Jacke oder in der hinteren Hosentasche herumläuft, lädt die Langfinger geradezu ein, Beute zu machen“, warnt der Polizeisprecher eindringlich.

Diebstahlschutz: Die Polizei rät gerade in Menschenmengen, auf keinen Fall nachlässig zu sein und gibt folgende Tipps: „Lassen Sie Ihre Tasche oder Jacke niemals unbeaufsichtigt und tragen Sie Ihre Hand- oder Umhängetasche immer mit der Verschlussseite zum Körper. Taschen sollten auch stets geschlossen sein. Werden Sie misstrauisch, wenn Sie plötzlich angerempelt oder ,in die Zange’ genommen werden. Nehmen Sie nur so viel Bargeld mit, wie Sie tatsächlich benötigen. Kontrollieren Sie in engen Zeitabständen, ob Ihre Wertgegenstände noch vorhanden sind.“ Bei einem Diebstahl schnell die Polizei verständigen und Geldkarten unter der Notrufnummer 116 116 sofort sperren.

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Unsere interaktive Karte mit den Weihnachtsmärkten der Pfalz finden Sie hier.

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