Ludwigshafen
Weniger Kinder, neue Gebäude: Entspannt sich der Kita-Notstand in Ludwigshafen?
Andreas Pfaff vom Bereich Stadtentwicklung der Ludwigshafener Verwaltung hat seit Mitte der 1990er-Jahre die Bedarfspläne für die Kindertagesbetreuung in Ludwigshafen erstellt. Schwer zu sagen, wie viele Statistiken und Analysen er in diesen mehr als 30 Jahren verfasst hat. Der Bedarfsplan für 2026/27 ist jedenfalls sein letztes Werk. Für diese Lebensleistung gab es am Donnerstag im Jugendhilfeausschuss parteiübergreifend Applaus. Andreas Pfaff geht demnächst in den Ruhestand. Mit guten Neuigkeiten: Die Zahlen, die der Fachmann zu verkünden hatte, deuten darauf hin, dass sich der langjährige Kita-Notstand und die dramatische Betreuungslücke in Ludwigshafen in naher Zukunft ein wenig entspannen könnten.
Eltern hatten nach der Corona-Krise errechnet, dass in der Stadt weit mehr als 3000 Kitaplätze fehlen – baulich, aber auch wegen unbesetzter Erzieherinnenstellen. Pfaff kommt nun jedoch in seiner aktuellen Analyse auf eine deutlich kleinere Betreuungslücke von rund 900 baulich fehlenden Plätzen für die über Zweijährigen bis zum Schuleintritt. Damit seien etwa zehn Prozent des Platzbedarfs nicht gedeckt, hat Pfaff ausgerechnet. Demgegenüber hatten die Eltern das Defizit noch auf rund ein Drittel beziffert. Dass aktuell rund 1000 baulich vorhandene Kitaplätze nicht belegt werden können, weil die dafür nötigen Personalstellen vakant sind, wird allerdings in Pfaffs Bericht nicht berücksichtigt.
Mehr Betreuungsplätze
Nach seiner Analyse gibt es in Ludwigshafen im Kindertagesstättenjahr 2026/27 insgesamt 8677 Betreuungsplätze für alle Altersklassen. Damit sei das Gesamtangebot gegenüber dem Vorjahr um 35 Plätze angewachsen, erläuterte er. In Maudach gehe noch in diesem Jahr der vergrößerte Neubau der protestantischen Kita Kibitop in der Schilfstraße in Betrieb. Für die Altersgruppe der Zweijährigen bis zum Schuleintritt gibt es 7324 Plätze und somit 30 mehr als im Jahr zuvor. Für Schulkinder existieren unverändert 950 Plätze und weitere 403 für die unter Zweijährigen, fünf mehr als 2025/26.
Neben der Kommune gibt es weitere Kita-Träger für die insgesamt 88 Einrichtungen in den 14 Stadtteilen: Von den 7324 Plätzen für die Altersklasse der Zweijährigen bis zum Schuleintritt (Ü2) werden 3941 von der Stadt angeboten (53,8 Prozent), 1580 von der protestantischen Kirche (21,6 Prozent), 1447 von der katholischen Kirche (19,7 Prozent) sowie weitere 356 (4,9 Prozent) von der Ökumenischen Fördergemeinschaft (216), dem Kindergartenverein Ruchheim (100) und der Lebenshilfe (40).
Probleme in Süd und Friesenheim
Der Kita-Ausbau ist nach Ansicht der Verwaltung in den Stadtteilen Mitte, Hemshof, Edigheim, Maudach und Rheingönheim abgeschlossen. Eine ungebrochen hohe Nachfrage sei dagegen in Süd und Friesenheim festzustellen. Auch in Mundenheim, Gartenstadt, West und Ruchheim gebe es Engpässe.
Betrachtet man die Entwicklung der Platzzahlen über die letzten fünf Jahre, so fällt laut Pfaff im Ü2-Bereich die Verbesserung in den letzten beiden Jahren aufgrund der Eröffnung von Kita Rheinallee und Schanzstraße (Hemshof) sowie aktuell der Kita Kibitop auf, wobei von den 325 neu gebauten Ü2-Plätzen 150 neu und 175 als Ersatz in die Bilanz einfließen.
Kleinere Lücke
Im Kindertagesstättenjahr 2026/27 liegt der voraussichtliche Bedarf für die Altersklasse der Zweijährigen bis zum Schuleintritt bei 8223 Plätzen und für die Altersklasse der unter Zweijährigen bei 207 Plätzen. Damit ergibt sich eine Lücke für die Altersklasse der Zweijährigen bis zum Schuleintritt von 899 – Im Vorjahr waren es noch 1145.
Nach Pfaffs Angaben wirken sich neben den Neubauaktivitäten der Verwaltung die bereits in den letzten Jahren merklich gesunkenen Kinderzahlen aus. Bei den unter Zweijährigen soll es sogar 196 überzählige Plätze geben. Bei der Ausbauplanung sollte die Verwaltung neben den erwarteten rückläufigen Kinderzahlen besonders die Aktivitäten im Wohnungsneubau mit den damit verbundenen Mehrbedarfen berücksichtigen. Angespielt wird hier auf die geplante Heinrich-Pesch-Siedlung zwischen West und Oggersheim und das Neubaugebiet „Im Kappes“ in Rheingönheim. Unter dem Strich ergibt sich ein Mehrbedarf gegenüber dem Planjahr in Höhe von insgesamt rund 420 Ü2-Plätzen. Gegenüber dem letzten Bedarfsplan wurde das Ausbauziel erneut zurückgefahren – diesmal um rund 500 Plätze.
Sehr gut hat sich nach Ansicht Pfaffs in den vergangenen zwei Jahren die Tagespflege, also der Einsatz von Tagesmüttern, entwickelt: 85 Tagesmütter stellten 375 Kindertagespflegeplätze bereit. Das Angebot bei den Tagesmüttern würde nach seiner Darstellung ausreichen, wenn nicht noch größtenteils ältere Kinder die Plätze belegen würden, die eigentlich für die ganz Kleinen gedacht sind.