Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Aus dem Alltag zweier Tagesmütter

Bis zu fünf Kinder darf eine Tagesmutter gleichzeitig betreuen.
Bis zu fünf Kinder darf eine Tagesmutter gleichzeitig betreuen.

Mehr als 2000 Familien stehen in Ludwigshafen auf der Warteliste für einen Kita-Platz. Tagesmütter sind für Eltern eine Alternative zur Betreuung in einer Einrichtung. Zwei Frauen erzählen hier von ihrem Alltag mit den eigenen und vielen fremden Kindern.

Romy Spitzner-Kopp und Ramona Mund-Dengel sitzen an einem sonnigen Frühlingstag entspannt und gut gelaunt an einem großen Esstisch und genießen ganz in Ruhe eine Tasse Kaffee. Den haben sich die beiden Frauen auch verdient, denn ihr Arbeitstag als Tagesmutter ist am späten Nachmittag zu Ende. Die nächsten Stunden gehören jetzt den eigenen Familien.

Beide Frauen betreuen nicht nur vier bis fünf Tageskinder, sondern haben auch eigenen Nachwuchs: Romy Spitzner-Kopp erzählt, dass sie schon mit 17 Jahren das erste Mal Mama geworden ist und daher jetzt, im Alter von 40, schon zwei erwachsene Kinder und noch eine zwölfjährige Tochter hat. Außerdem gibt es in der großen Oggersheimer Patchworkfamilie noch drei weitere Zöglinge, die ihr Mann mit in die Ehe gebracht hat.

Erziehungszeiten überbrückt

Dass sie auch Kinder aus anderen Familien betreut, habe sich ergeben, erinnert sich die gelernte Erzieherin. Ursprünglich wollte sie das auch gar nicht dauerhaft machen, sondern lediglich ihre eigenen Erziehungszeiten überbrücken. „Aber dann hat mir die Selbstständigkeit einfach sehr gefallen. Ich bin gern mein eigener Herr“, sagt sie. Vor allem sei es ganz unproblematisch gewesen, wenn ihre eigenen Kinder mal krank waren.

Seit vielen Jahren Tagesmütter: Romy Spitzner-Kopp (rechts) und Ramona Mund-Dengel.
Seit vielen Jahren Tagesmütter: Romy Spitzner-Kopp (rechts) und Ramona Mund-Dengel.

Über die Kinder und eine Oggersheimer Kita lernte Spitzner-Kopp auch Ramona Mund-Dengel kennen. Die 49-Jährige hat zwei Söhne im Alter von 19 und zwölf Jahren. Als die noch kleiner waren, konnte die Altenpflegerin nicht in ihren getakteten Beruf zurück, weil sie keinen Kita-Platz bekam, und wechselte ebenfalls in die Kindertagespflege. Beide Frauen haben schließlich gemeinsam den notwendigen Qualifikationskurs besucht, um anschließend bis zu fünf Kinder in ihren eigenen vier Wänden betreuen zu dürfen.

Ausflüge mit dem Kleinbus

Oft sind sie mit den Kindern auch draußen gemeinsam unterwegs, zum Beispiel in ihren Schrebergärten, die besonders während des Lockdowns im ersten Corona-Jahr ein Segen gewesen seien. „Denn da waren ja sogar die Spielplätze geschlossen“, erinnern die Frauen. Oder sie machen mit ihren Schützlingen Ausflüge in den Wormser Tierpark. Dafür haben sich beide Tagesmütter sogar vor einigen Jahren jeweils Kleinbusse angeschafft, um in der Region mobil zu sein.

Über ihre Motivation sagt Ramona Mund-Dengel: „Ich habe Spaß an dem Beruf, bin einfach sozial eingestellt.“ Romy Spitzner-Kopp nickt zustimmend. „Aber das muss man auch wollen, dass Tag für Tag fremde Menschen im eigenen Haushalt ein und aus gehen.“

Werbung in den sozialen Netzwerken

Beide Tagesmütter betreuen nicht nur Kinder aus ihrem Wohnviertel in Oggersheim. Viel laufe über Mund-zu-Mund-Propaganda. Aber auch über die sozialen Netzwerke machen die Frauen auf sich aufmerksam. So sei es häufig der Fall, dass ein neues Kind schon vorgemerkt sei, wenn ein älteres in die Kita wechselt. In der Regel betreuen die Tagesmütter Kleinkinder im Alter bis etwa drei Jahre. Manchmal auch bis vier Jahre, wenn die Familien nicht rechtzeitig einen Kita-Platz bekommen.

Das Wohl „ihrer“ Kinder liegt beiden Frauen sehr am Herzen. Daher begrenzen die Mütter auch ihre Betreuungszeiten von sieben bis 17 Uhr. Dann sei ganz klar zu spüren, dass die Kinder wieder nach Hause wollten und Ruhezeiten brauchten.

Manchmal kommt es vor, dass ein Kind nicht in die Gruppe der Tagesmütter passt oder dass Eltern Wünsche haben, die die Frauen nicht erfüllen können und wollen. „Ausschließlich veganes Essen oder Textilwindeln, das kann ich nicht leisten“, sagt Romy Spitzner-Kopp. Das kommuniziere sie dann auch sehr klar.

Zur Sache: Tagesmütter in Ludwigshafen

Seit über zehn Jahren vermittelt der Ortsverband Ludwigshafen des Deutschen Kinderschutzbundes nach Angaben der Stadtverwaltung qualifizierte Tagesmütter und Tagesväter an Eltern. Die Betreuung kann ganztags oder nur stundenweise erfolgen. Die Kindertagespflege ist in Ludwigshafen neben den Kindertagesstätten eine Alternative in der Kindertagesbetreuung. Über 330 Kinder werden derzeit von 90 Tagesmüttern und -vätern betreut. Diesen Anteil will die Stadt weiter ausbauen und sucht Menschen aus Ludwigshafen, die sich vorstellen können, als Tagespflegeperson Kinder zu betreuen. Die Beratung und Vermittlung erfolgt über das Büro Flexible Kinderbetreuung des Kinderschutzbundes Ludwigshafen. Innerhalb der Stadtverwaltung ist die Kindertagespflege beim Bereich Kindertagesstätten angesiedelt. Wer in der Kindertagespflege aktiv sein möchte, ist verpflichtet, einen Qualifizierungskurs zu absolvieren, dies gilt auch für pädagogische Fachkräfte. Des Weiteren wird ein Businessplan erarbeitet als Hilfestellung zum Umgang mit der Selbstständigkeit. Vermittelt werden außerdem die rechtlichen Rahmenbedingungen wie Pflegeerlaubnis, gesetzliche Grundlagen. Eingebunden ist zudem ein Praktikum in einer Kita und bei einer Kindertagespflegeperson. Bei erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer ein Bundeszertifikat.

Die Betreuung kann entweder in den Räumen der Tagesmutter oder des Tagesvaters, in denen der Eltern oder in anderen Räumen stattfinden. Wenn in eigenen oder anderen Räumen betreut wird, werden die Wohnverhältnisse durch den Kinderschutzbund und den Bereich Kindertagesstätten vorab angeschaut und gemeinsame Möglichkeiten für die Betreuung erarbeitet. Laut Sozialgesetzbuch darf eine Kindertagespflegeperson maximal bis zu fünf Kinder betreuen.

Die Stadt gewährt den Tagesmüttern und -vätern sechs Euro pro Kind pro Stunde. Die Tageseltern sind meistens selbstständig tätig. Die Stadt gewährt zudem einen Zuschuss zu Kranken - und Unfallversicherung sowie zur Altersvorsorge.

Noch Fragen?

Zuständig für die Beratung und Vermittlung ist das Büro Flexible Kinderbetreuung des Kinderschutzbundes Ludwigshafen, Telefon 0621 58790200 oder per E-Mail an tagespflege@kinderschutzbund-ludwigshafen.de.

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