Ludwigshafen
Was der neue Maudacher Ortsvorsteher Andreas Olbert plant
Auf eine Konstante kann man sich in Maudach immer verlassen: Egal, auf welchen Namen der Ortsvorsteher hört, vielfaches Winken, Händeschütteln oder auch ein fröhliches „Ach hallo!“ gehören einfach dazu, wenn ein Gespräch mit der RHEINPFALZ in aller Öffentlichkeit stattfindet. Das war bei Rita Augustin-Funck (CDU) so, wenn man mit ihr durch den rund 6500 Einwohner zählenden Stadtteil spazierte, das ist auch bei ihrem Nachfolger und Parteikollegen Andreas Olbert so, wenn das Gespräch im Café der Bäckerei Otto Schall stattfindet. Kein Wunder allerdings: Wie bereits seine Vorgängerin ist auch Andreas Olbert ein waschechter Maudacher, der seit Jahren bestens vernetzt ist. „Ja, ich werde jetzt schon mal häufiger angesprochen“, sagt er und lacht. „Durchaus auch von Menschen, die ich bislang noch nicht persönlich kannte und die mich dann fragen: Sind Sie der neue Ortsvorsteher?“
Seit etwa 100 Tagen ist Olbert inzwischen im Amt und „tourt“ derzeit durch Maudach. „Ich bin bei Vereinen, ortsansässigen Unternehmen, bei der freiwilligen Feuerwehr, beim THW, bei den Pfarrern oder auch bei der Schulrektorin, um mich vorzustellen“, erzählt er. Ein gutes Miteinander in Stadtteil sei ihm besonders wichtig. „Es geht ja darum, die Dinge für Maudach zu gestalten und Probleme möglichst abzuwenden“, sagt der 53-Jährige.
Besser Plastikbecher leihen?
Eine erste Herausforderung hat er dabei offenbar bereits mit Bravour gemeistert. „Ich habe den Kerweausschank der katholischen Jugend gerettet“, erzählt der neue Ortsvorsteher und schmunzelt. Für die RHEINPFALZ ist dieser Einstieg bereits das zweite Déjà-vu. Denn auch Rita Augustin-Funck sprach als Ortsvorsteherin mit großer Leidenschaft und quasi immer zuerst über die Maudacher Kerwe. Dieses Mal ist es der Stadtverwaltung gelungen, den Kerwe-Rettungsimpuls beim gewählten Ortschef auszulösen, indem sie plante, beim Ausschank der katholischen Jugend Gläser aus echtem Glas zu verbieten.
„Als Begründung wurde mir gesagt, es habe in der Vergangenheit schon Polizeieinsätze gegeben, bei denen Glasbruch eine Rolle gespielt habe. Die katholische Jugend solle deshalb besser Plastikbecher leihen“, erzählt Olbert. Nach guten Gesprächen mit dem Gaststättenamt sei diese Idee allerdings wieder verworfen worden. Die katholische Jugend durfte am vergangenen Kerwe-Wochenende deshalb wie gehabt auf echte Gläser zurückgreifen.
„Ein Stück Identität geht verloren“
Kaum Einflussmöglichkeit hat Andreas Olbert als Ortsvorsteher hingegen bei einem Thema, das den Maudachern ebenfalls sehr am Herzen liegt: dem Julius-Hetterich-Saal. Das städtische Wohnungsunternehmen GAG als Eigentümer der Immobilie hatte zuletzt mitgeteilt, dass der derzeitige Betreiber den Mietvertrag zum Ende des Jahres gekündigt hat. „Es ist schade, dass die GAG nicht bestrebt ist, den für uns so wichtigen Veranstaltungsraums weiter zu betreiben“, sagt Olbert. „Denn es geht natürlich ein ganzes Stück Identität verloren, wenn zum Beispiel unser Carneval-Club Mondglotzer auf eine Halle in Oggersheim ausweichen muss und der Hetterich-Saal auch allen anderen Maudacher Vereinen nicht mehr zur Verfügung steht.“
Als Ortsvorsteher könne er an dieser Stelle aber tatsächlich leider nur den Finger in die Wunde legen. Sowohl die Stadt als auch die GAG und die Marketinggesellschaft Lukom hätten bereits signalisiert, dass ihnen das Geld fehle und die Auslastung des Saals zu gering sei, um diesen gut zu vermarkten.
„Die AfD ist gewählt“
Im Ortsbeirat sitzt Andreas Olbert für die CDU bereits seit 2019, die Themen, die es dort zu beraten und zu entscheiden gibt, kennt er entsprechend aus dem Effeff. Neu ist seit seinem Amtsantritt als Ortsvorsteher indes, dass auch die AfD mit einem Sitz im Ortsbeirat vertreten ist.
Darauf angesprochen sagt Olbert: „Die AfD ist gewählt und hat die Legitimation, dort zu sitzen. Wir als CDU, ich spreche an dieser Stelle aber auch für die Vertreter von FWG, SPD und den Grünen, werden jedoch keine Zusammenarbeit mit der AfD suchen.“ In Maudach sei die Alternative für Deutschland bislang kaum in Erscheinung getreten. Man werde nun abwarten, wie deren Vertreter im Ortsbeirat agiere. Erfahrungen diesbezüglich kann Olbert auch im Stadtrat sammeln, in diesen ist der 53-Jährige im Sommer eingezogen.
„Ich bin ein offener Mensch und kann mit Kritik umgehen“, sagt der neue Maudacher Ortsvorsteher über sich selbst. Zudem habe er weder vor, seine Vorgängerin Rita Augustin-Funck eins zu eins zu kopieren, noch wolle er in den kommenden Jahren eine One-Man-Show aufführen. „Wir sitzen ja sozusagen alle im selben Boot“, sagt Olbert. Ihm gehe es deshalb vor allem darum, ein guter Mittler zwischen den Bürgern und der Ludwigshafener Stadtverwaltung zu sein und das soziale und ehrenamtliche Engagement zu fördern.
Planungen für Neujahrsempfang laufen
Und damit ihm dies auch gut gelingt, will der zweifache Vater, der als selbstständiger Unternehmer eine Vertriebsmarketingagentur betreibt, auch in jedem Fall als Ortsvorsteher einen Neujahrsempfang ausrichten. Am 18. Januar 2025 im katholischen Pfarrzentrum ist es so weit, kündigt er im RHEINPFALZ-Gespräch bereits an. „Diese Begegnung von Bürgern und ihren politischen Vertretern sowie die Möglichkeit zum Austausch in entspannter, geselliger Runde möchte ich in jedem Fall beibehalten“, sagt Andreas Olbert.