Stadtteilspaziergang
Herzensangelegenheit Maudach: Die Ortsvorsteherin verabschiedet sich
Politisch gesehen feiert Rita Augustin-Funck dieses Jahr ein Jubiläum: Silberne Hochzeit mit Maudach. Dass nun die letzten Monate als Ortsvorsteherin vor ihr liegen, mache sie zwar nicht wehmütig, „aber ein paar meiner Herzensprojekte hätte ich doch sehr gerne während meiner Amtszeit noch abgeschlossen“, sagt die Christdemokratin. Die meisten grauen Haare dürften der 67-Jährigen wohl allein schon beim Gedanken an die schier unendliche Geschichte der Maudacher Straße gewachsen sein. Dass deren Sanierung seit Jahren nicht angegangen wird, weil immer noch die Förderzusage fehlt, fuchst Augustin-Funck inzwischen derartig tiefgreifend, dass sie sich ein Herz gefasst und als Ortsvorsteherin jüngst einen Beschwerdebrief an den Landesbetrieb Mobilität in Koblenz geschickt hat.
Resolut und absolut fokussiert ist die engagierte Maudacherin aber auch immer dann, wenn es um welches Thema geht? Genau: die Kerwe. In diesem Jahr schien es dabei sogar wirklich ums Ganze zu gehen: „Die Kerwe retten – das ist mein letzter Auftrag“, erzählt die Ortsvorsteherin jedenfalls während des Stadtteilspaziergangs mit der RHEINPFALZ – und klingt dabei so wild entschlossen, dass man sich automatisch fragt, wer in diesem Fall wohl alles im Verteiler stehen wird, an den ihre gesalzene und mit Herzblut versehene Beschwerde-E-Mail geht.
Die Kerwe bleibt im Dorf
Zum Glück ist es dann aber gar nicht so weit gekommen. Die Ludwigshafener Marketinggesellschaft (Lukom) hat zur Erleichterung der scheidenden Ortsvorsteherin inzwischen nämlich mitgeteilt, dass die Überlegung, die Maudacher Kerwe an einem anderen Platz stattfinden zu lassen, verworfen wurde. „Die Kerwe hat für uns einen sehr hohen Stellenwert“, betont Augustin-Funck, „persönliche Begegnungen und geselliges Beisammensein, gerade auch in der heutigen Zeit, sind enorm wichtig“. Dass die Ortsvorsteherin trotz der offensichtlich geglückten Rettung der Kerwe jetzt aber keine E-Mails mehr zur weiteren Absicherung dieses Festes verfasst, darauf sollte man besser nicht wetten.
„Alle halbe Jahr“ schicke sie eine Nachricht gen Ludwigshafener Stadtverwaltung, um diese dringend daran zu erinnern, dass beim geplanten Neubau der Kita in der Schilfstraße auch ja die Parkplätze vor der Einrichtung entstehen sollen. „Und dass diese während der Kerwe dann selbstverständlich freigehalten werden“, fügt Augustin-Funck mit einem Schmunzeln hinzu. „Den Platz benötigen wir dringend.“
Eine ebenso große Herzensangelegenheit wie die Kerwe ist für die Ortsvorsteherin das Maudacher Schloss. „Ich möchte es unbedingt weiterentwickeln“, sagt die 67-Jährige, die auch Vorsitzende des Fördervereins Maudacher Jubiläen ist. Demnächst wollen Augustin-Funck und ihre Mitstreiter einen Raum im Schloss leerräumen, der bislang als Stuhllager diente. Künftig wollen sie ihn als Ausstellungsraum herrichten und damit für die Öffentlichkeit nutzbar machen. „Es gibt hier im Stadtteil jede Menge Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren“, sagt die Ortsvorsteherin. „Ich bin wirklich froh, dass so viele mit mir gemeinsam das ,Schiff Maudach’ steuern.“
Dass der langersehnte Aufzug im Maudacher Schloss dieses Jahr Realität wird und mit den Bauarbeiten am 13. Mai begonnen werden soll, freut Augustin-Funck sehr. Am 17. Mai organisiert sie gemeinsam mit dem Förderverein nämlich einen Tag der offenen Tür im Schloss, „dann kann ich allen Gästen persönlich sagen, dass sie künftig barrierefrei den Trausaal im ersten Stock wieder erreichen und dort bald wieder feiern können“. Darüber hinaus wird Rita Augustin-Funck diesen Tag nutzen, um sich bei den Bürgerinnen und Bürgern als Ortsvorsteherin zu verabschieden.
„Kraftorte“ in der Gemarkung
Ein wichtiges Anliegen ist es der Maudacherin, bei ihrem letzten Stadtteilspaziergang mit der RHEINPFALZ jene Orte aufzusuchen, die für sie persönlich eine große Bedeutung haben. Und deshalb geht es zum Schluss – ausnahmsweise mit dem Auto – zunächst zum Maudacher Bildstöckl. Spaziergänger kommen daran vorbei, wenn sie durchs Bruch nach Oggersheim laufen. Früher habe dort ein altes Holzkreuz auf primitivem Mauerwerk gestanden, und zu diesem seien die sogenannten Flurprozessionen gegangen, heißt es auf einer angebrachten Erklärungstafel. Besonders in den 1840er- und 1850er-Jahren, die allgemein Jahre der Armut und Teuerung, des Misswuches und der Not gewesen seien. „Doch auch in meiner Jugend gab es Prozessionen. Von der katholischen Kirche aus sind wir singend hierhergekommen“, erzählt Rita Augustin-Funck. „Daran habe ich wirklich schöne Erinnerungen.“
Der zweite Halt steht dann an der Feldkapelle an – einem achteckigen, fensterlosen Gebäude, dessen eiserne Gittertür lichtdurchlässig ist und den Innenraum mit dem steinernen Altar erhellt. Erbauen ließ die Feldkapelle Pfarrer Philipp Braun, der erste Seelsorger der katholischen Pfarrei Maudach nach ihrer Wiedererrichtung im Jahre 1858. „Früher war hier das Dorfende“, erzählt Augustin-Funck. Heute liegt die Maudacher Feldkapelle hingegen in komplett bebautem Stadtgebiet.
Den Abschluss der Reise zu den persönlichen Lieblingsorten der Ortsvorsteherin bildet das Feldkreuz. Errichtet wurde es von der katholischen Pfarrei Maudach, 1916 während des Ersten Weltkriegs. „Von Pest, Hunger und Krieg erlöse uns o Herr“, ist auf dem Sockel des Kreuzes zu lesen. „Für mich sind alle drei Orte, an denen wir jetzt waren, echte Kraftorte“, sagt Augustin-Funck. „Ich komme immer wieder an ihnen vorbei und freue mich darüber, wie gut Maudach sich entwickelt.“
Die Zukunft ihres geliebten Stadtteils will die 67-jährige Christdemokratin selbstverständlich auch weiterhin mitgestalten – allerdings nicht mehr als verantwortliche Ortsvorsteherin. Bislang sind zwei Kandidaten bekannt, die sich bei der anstehenden rheinland-pfälzischen Kommunalwahl am 9. Juni als Nachfolger Augustin-Funcks zur Wahl stellen: Es sind dies Andreas Olbert (52, CDU) und Walter Benz (71, SPD).
Zum Bericht über den vorherigen Stadtteilspaziergang in Rheingönheim geht es hier.