Firmenporträt RHEINPFALZ Plus Artikel Warum bei Metzger Micol nicht täglich Fleisch auf den Tisch kommt

Schon der Urgroßvater von Mark Micol besaß eine Metzgerei. Ihm zur Seite seine Frau Bibijane (li.)und Mitarbeiterin Sahra Megner
Schon der Urgroßvater von Mark Micol besaß eine Metzgerei. Ihm zur Seite seine Frau Bibijane (li.)und Mitarbeiterin Sahra Megner.

Mark Micol hat vor rund zehn Jahren die erste Bio-Metzgerei der Stadt eröffnet. Mit seinen Verkaufswagen ist er auf vielen Wochenmärkten unterwegs, beliefert Bio-Fachgeschäfte. Seit dem Vorjahr gibt es noch ein Geschäft in einer Nachbarstadt.

Auf die hausgemachten Maultaschen müssen die Kunden der Bio-Metzgerei Micol in Oppau in dieser Woche verzichten. Micol ist weder der Teig noch das Fleisch ausgegangen. Der Grund ist ein anderer: Die Küche wird von Grund auf erneuert. Neben seinem eigentlichen Job als Metzger verbringt Mark Micol momentan gemeinsam mit einem befreundeten Fliesenleger seine Feierabende in der Metzgereiküche. Schließlich muss es flott vorangehen, damit bald wieder hausgemachte Maultaschen zubereitet werden können, die so überhaupt nicht mit den Industrieprodukten vergleichbar sind.

Der 39-Jährige stammt aus einer Metzger-Familie, der Urgroßvater besaß eine Pferdemetzgerei an der Blies, der Opa und Micols Vater führten ebenfalls eine Metzgerei. „Auch mein Bruder und ich haben Metzger gelernt“, erzählt Micol. Doch beide kehrten ihrem eigentlichen Beruf zunächst den Rücken. Während Bruder Björn bei der Anilin einen Job fand, arbeitete Mark 15 Jahre bei der Post. Ihr Vater musste krankheitsbedingt die Metzgerei in Oppau schließen. Die Räumlichkeiten in der Edigheimer Straße 65 verwaisten, dümpelten vor sich hin.

2013 wurde das Jahr der Micols

Doch irgendwie ließ Micol sein eigentlicher Beruf nie los. Vor allem aber beschäftigte ihn und seine Frau Bibijane ein Thema: Lebensmittel. Und zwar Lebensmittel in Bio-Qualität. „Wir haben vieles zu diesem Zeitpunkt bei der „Blattlaus“ in Maxdorf gekauft und schauen seit Jahren darauf, uns gesund und biologisch zu ernähren“, sagt der Metzger. „Eins mit der Natur“, das ist für ihn nicht nur eine Floskel, sondern eine Leitlinie – beruflich wie privat.

2013 sollte das Jahr der Micols werden. Bio, das ist die Zukunft, waren sich beide sicher. Und eine Bio-Metzgerei gab es in Ludwigshafen und Umgebung zu diesem Zeitpunkt nicht. Das Paar schrieb voller Elan einen Business-Plan, war zuversichtlich, durchstarten zu können.

Wurstküche saniert

Doch: Pustekuchen. Potentielle Geldgeber verweigerten ihnen zunächst einen Kredit. Eine Bank aber glaubte an sie, gab ihnen die Möglichkeit, ihren Traum zu leben. Mit dem Geld sanierten sie die komplette Wurstküche, die mittlerweile in die Jahre gekommen war, und nutzen einen weiteren Teil, um ihren ersten Verkaufswagen, einen gebrauchten, zu kaufen. „Und dann fingen wir an zu produzieren“, sagt Micol.

Mit im Boot war anfänglich noch der Papa. „Wird unser Angebot angenommen?“ Diese Frage stellten sich die Micols nicht lange, denn auf den Wochenmärkten der Region rannten ihnen die Kunden regelrecht die Bude ein. Nur ein knappes Jahr später kam der zweite Verkaufswagen hinzu. Mark Micol warb den Bruder erfolgreich von seinem bisherigen Arbeitgeber ab, Björn Micol ist seitdem der Herr über die Wurstküche.

Einst zwölf Metzgereien in Oppau

Mark Micol hatte erneut den richtigen Riecher, denn alsbald fiel die Entscheidung, nicht nur auf die Wochenmärkte zu gehen und Bio-Fachgeschäfte zu beliefern, sondern auch einen festen Verkauf zu installieren. Die Räumlichkeiten in der Edigheimer Straße gab es schließlich schon. Allerdings stand vor der Eröffnung des Geschäfts 2016 noch einiges an Arbeit ins Haus. „Die Theke im Laden stammte noch aus dem Jahr 1962“, erinnert sich der 39-Jährige schmunzelnd. Mit der Bio-Metzgerei Micol hatten die Oppauer nun eine weitere Möglichkeit, vor Ort ihre Fleisch- und Wurstwaren einzukaufen. „Wenn man bedenkt, dass es früher noch zwölf Metzgereien in Oppau gab und es jetzt gerade noch zwei sind, dann ist das schon ein trauriges Bild“, sinniert er.

Im November 2021 hat Micol eine weitere Filiale eröffnet: in den Räumlichkeiten der früheren Metzgerei Ester in Bad Dürkheim. „Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen dort regelrecht auf eine Bio-Metzgerei gewartet haben“, unterstreicht er. Sein Gefühl trog ihn nicht. In den ersten zwei Monaten konnte er sich vor Kundschaft kaum retten, musste zusätzliche Verkaufskräfte einstellen. Mittlerweile arbeiten 18 Mitarbeiter an den verschiedenen Standorten.

Neue Weltlage sorgt für Einbruch

Doch es ist nicht immer eitel Sonnenschein, und es geht nicht nur aufwärts im Hause Micol. Die letzten drei Monate, sagt der 39-Jährige, seien hart gewesen. Der große Einbruch kam mit der veränderten Weltlage, dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine und den daraus resultierenden gestiegenen Preisen in allen Bereichen. Micol kam ebenfalls nicht umhin, die Preise anzupassen. „Das fängt beim eigentlichen Produkt, dem Fleisch an, geht über die Gewürze, die Energie, die wir für die Produktion benötigen, und hört bei der Verpackung auf“, rechnet er vor.

Inzwischen geht es wieder bergauf. Vielleicht auch, weil die Grillsaison in vollem Gange ist. Fleisch nicht jeden Tag essen, sondern wenn, dann ein gutes, hochwertiges Stück Bio-Fleisch, das rät Metzger Micol. „Auch wir essen nicht täglich Fleisch, sondern bei uns kommt viel Gemüse auf den Tisch“, wirbt er für eine ausgewogene, gesunde Ernährung.

Lieferanten aus der Region

Ein Großteil des Fleisches, das die Metzgerei Micol kauft, dann zerlegt und weiterverarbeitet, stammt aus der Region. So zählen beispielsweise der Kleinsägmühlerhof der Lebenshilfe in Altleiningen, der Demeter-Hof Goyert – ebenfalls in Altleiningen – oder die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall zu Micols Lieferanten. Etliche seiner Lieferanten kennt er von persönlichen Besuchen auf den Höfen. „Ich weiß, dass die Tiere mit Liebe aufgezogen werden“, unterstreicht er. Die Welt, das weiß Micol, wird er nicht verändern, aber vielleicht doch ein klein bisschen besser machen.

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