Blickpunkt Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Was in der ehemaligen Metzgerei Ester entstehen soll

Leichter, luftiger und heller soll das Anwesen der ehemaligen Metzgerei Ester werden. Nach dem Umbau soll es Platz für vier Wohn
Leichter, luftiger und heller soll das Anwesen der ehemaligen Metzgerei Ester werden. Nach dem Umbau soll es Platz für vier Wohnungen bieten.

Ende Februar hat mit der Metzgerei Ester in der Römerstraße eine Dürkheimer Institution ihre Türen für immer geschlossen. Für das kommende Jahr sind umfangreiche Umbaumaßnahmen an den Gebäuden geplant – und schon im November zieht in den Ladenbereich ein neuer Mieter ein, der an die alte Tradition anknüpft.

Gekauft hat das Anwesen in der Römerstraße/Ecke Gaustraße eine vierköpfige Gruppe um Klaus Schwarz. Der Dürkheimer ist Vorsitzender des Reitervereins und führte den Stadtsportverband bis zu dessen Auflösung. „Gemeinsam mit engen Freunden hatten wir uns schon länger überlegt, ein Objekt mit Wohnungen zu übernehmen. Als sich dann die Gelegenheit ergab, das Anwesen von den Ester-Brüdern zu kaufen, hat sich bei uns eine große Begeisterung entwickelt“, berichtet Betriebswirt Schwarz, der seit diesem Jahr im Ruhestand ist. Insgesamt vier Wohnungen sollen in dem dreiteiligen Gebäude entstehen: zwei werden neu geschaffen, die beiden anderen umfassend saniert. Das Zwischengebäude und ein Haupthaus werden dafür entkernt. „Das Objekt wird ein neues Gesicht bekommen, alles wird offener, leichter, heller“, berichtet Schwarz. Unter anderem ist vorgesehen, den Hof in Richtung Gaustraße offen zu lassen.

Zu der Käufergruppe, die eigens die Casa Nostra GbR gegründet hat, gehört mit Anna Minchenko eine Architektin. Von ihr stammen die Entwürfe für das Umbauprojekt. Den Kaufpreis für den Gebäudekomplex beziffert Schwarz auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. Der Betriebswirt rechnet allerdings mit weiteren Investitionen, die sich auf einen weiteren höheren sechsstelligen Betrag summieren. Die Wohnungen möchten die Käufer vermieten. Die Fertigstellung ist für das zweite Halbjahr 2022 geplant. „Handwerker sind ein Riesenthema im Moment“, sagt Schwarz.

„Mein Gefühl sagt mir, dass die Leute auf eine Bio-Metzgerei warten“

Bereits am 2. November soll in den Räumen der früheren Metzgerei Ester eine Filiale der Ludwigshafener Bio-Metzgerei Micol eröffnen. „Parallel zum Entschluss, das Gebäude zu kaufen, haben wir Kontakt mit Mark Micol und seiner Frau Bibijane aufgenommen“, berichtet Schwarz. Die Micols haben ihr Hauptgeschäft und ihre Produktion in Oppau, steuern aber mit zwei mobilen Verkaufswagen Wochenmärkte und Hofläden in der Vorderpfalz bis hin nach Karlsruhe an.

Klaus Schwarz und seine Frau kaufen selbst bei den Micols ein. „Eine Bio-Metzgerei passt zu unserer Philosophie, weil uns das Tier wichtig ist und wegen des Ernährungsgedankens“, sagt Schwarz. Die Micols haben bereits Geschäftsbeziehungen in die Kurstadt, beliefern seit zwei Jahren die städtischen Kindertagesstätten und Schulen mit Bio-Fleisch. „Wir hätten nirgendwo anders eine Filiale aufmachen wollen. Dürkheim ist sehr schön, außerdem ist die Kaufkraft da. Mein Gefühl sagt mir, dass die Leute hier auf eine Bio-Metzgerei warten“, sagt Metzger Mark Micol.

Die Produktion bleibt in Oppau, in Dürkheim nutzen die Micols den Verkaufsraum, das Kühlhaus, die Küche und einen Aufenthaltsraum. Das Fleisch, das die Bio-Metzgerei verarbeitet, stammt zu 80 Prozent von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall. Auch vom Kleinsägmühlerhof der Lebenshilfe in Altleiningen und vom Grünstadter Demeter-Hof Goyert kauft Micol Fleisch an.

Der gelernte Metzger Micol stieg 2013 in den von seinem Großvater gegründeten Betrieb ein. Nachdem sein Vater den Betrieb aus Gesundheitsgründen aufgeben musste, führte ihn zunächst Micols Bruder Björn weiter. Doch das Ladengeschäft war zwischenzeitlich geschlossen. Micol und seine Frau wollten den Betrieb nach ihrem Einstieg auf eine Bio-Metzgerei umstellen, schrieben einen Businessplan. „Wir haben damals aber nur Absagen von Geldgebern bekommen, das war eine harte Zeit“, erinnert sich der Metzger.

Doch die Geschäftsleute ließen nicht locker, setzten auf den mobilen Verkauf. 2016 war dann genügend Kapital da, um das alte Hauptgeschäft in Oppau neu zu eröffnen. Jetzt folgt der Schritt in die Kurstadt. Zwei Vollzeitkräfte und eine Teilzeitkraft sollen in Dürkheim arbeiten. Sie werden durch 450-Euro-Kräfte unterstützt. Insgesamt beschäftigt die Bio-Metzgerei etwa 20 Menschen, darunter drei Auszubildende. Stolz ist Mark Micol auf sein in einem speziellen Verfahren gereiftes Bio-Dry-Aged-Beef. Außer Fleisch und Wurst will das Ehepaar Bioland- und Demeterkäse, Eier, und Salate anbieten. Auch eine Heißtheke soll es geben.

Bibijane und Mark Micol eröffnen am 2. November in Dürkheim eine Bio-Metzgerei.
Bibijane und Mark Micol eröffnen am 2. November in Dürkheim eine Bio-Metzgerei.
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