Menschen aus der Stadt
Viel unterwegs, jetzt in Lu: Jozua Knol ist Geschäftsführer im Freischwimmer
Fototermin im Innenhof des Freischwimmers. Der Umbau ist endlich abgeschlossen. Gut sieht das Ergebnis aus. Eigentlich könnte es hier, im Innovations- und Kulturzentrum in der Pettenkoferstraße, jetzt so richtig losgehen: Konzerte, Firmenveranstaltungen, Vorträge. Aber es ist Corona-Zeit, eine katastrophale Situation für Veranstalter. Doch Trübsal blasen ist generell nichts für den Geschäftsführer des Freischwimmers. Man wolle „diese Zeit positiv nutzen“, sagt Jozua Knol, wolle neue Angebote vorbereiten, Altes überarbeiten. „Das ist besser als sich hinzusetzen und zu sagen: Ich kann eh nichts machen.“ Stillstand gibt es für ihn nicht.
Immer unterwegs
Jozua Knols Familie kommt aus Holland, wo er auch geboren wurde. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Österreich mit kurzem Abstecher in die Schweiz, die Grundschulzeit in Belgien, wo seine drei Geschwister bis heute leben. In der neunten und zehnten Klasse besuchte er das Albert-Einstein-Gymnasium in Frankenthal. Das viele Reisen in der Kindheit lag am Beruf seines Vaters, der als Pastor für die Schiffer am Rhein zuständig war. „Wir waren es gewohnt, umzuziehen“, sagt Jozua Knol. „Und das habe ich dann fortgesetzt.“ Er war immer unterwegs: beruflich wie geografisch. Nach der zehnten Klasse beschloss er, das Land kennenzulernen, aus dem er stammt: die Niederlande.
Dort arbeitete er in einem großen Laden für Zeichenbedarf: der erste Job, das erste eigene Geld. Dann ging’s zurück nach Frankenthal, wo er in einem Fotoladen angestellt war. „Doch meine Passion war immer die Musik“, sagt Jozua Knol. So fing er an, in amerikanischen Kasernen, unter anderem in Mannheim, Konzerte mit Bands aus den USA zu organisieren. Eine dieser Bands hatte eine neue Platte veröffentlicht, die aber hier nicht erhältlich war. Jozua Knol rief bei der Plattenfirma an, um nachzuhaken. Da hieß es nur: „Dann mach’ du das doch.“ Gesagt, getan. So läuft es bei Jozua Knol. Er landete in der Musikbranche.
Bei Sony und Bertelsmann
Wenn er etwas nicht weiß, lernt er es. Und er liebt das Lernen, wie er das Lesen liebt. Von 1988 bis 1994 arbeitete er bei Sony Music, von 1994 bis 2005 in unterschiedlichen Positionen für die Bertelsmann Gruppe. „Ich wollte immer Musikmanager werden“, berichtet Knol, der schon früher für seinen Vater die Musik in der Kirche organisierte. Als er beruflich in den Klassik-Bereich wechselte, „bin ich zum Buchladen, habe mir Bücher besorgt und zehn Tage lang gebüffelt“.
Jozua Knol war Abteilungsleiter, viele Male Geschäftsführer, hatte Leitungsposten mit viel Verantwortung. Dabei hat er nie im klassischen Sinne eine Ausbildung oder ein Studium absolviert. Er habe sich deshalb mehr beweisen müssen als andere Bewerber. „Und ab und zu muss man auch Glück haben“, sagt der Mann, dem man den holländischen Akzent ein bisschen anhört.
Gespräche mit ihm sind inspirierend, bringen neue Sichtweisen. „Ich kann aus der Vergangenheit lernen, aber ich kann nicht in der Vergangenheit leben“, sagt Knol. Er suchte daher oft das Neue. Anfang der 2000er befand sich der Energiesektor in einem spannenden Umbruch. Jozua Knol verabschiedete sich vom Musikbusiness, arbeitete für die Energie-Riesen Gazprom und Total.
Berlin, München, Brüssel, Ludwigshafen
Jobs in Berlin, München, Frankfurt, Brüssel. Und was genau hat ihn zum Freischwimmer nach Ludwigshafen gebracht? Eines Tages habe ihn ein Headhunter angerufen und ihm „was Verrücktes“ angeboten. Jozua Knols erste Reaktion war zurückhaltend: „Ich weiß nicht. Was hat ein altes Hallenbad mit mir zu tun?“ Doch dann kamen ihm immer mehr Ideen. „Das hat sich verselbstständigt. Irgendwann war ich mittendrin.“
Seine berufliche Zukunft ist gleichzeitig eine Reise in die eigene Vergangenheit. „Mein erstes Konzert habe ich 1975 erlebt: Deep Purple in der Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen.“ Nun ist er wieder zurück in der Stadt am Rhein. Er zeigt auf die Wände des früheren Schwimmbads, sagt: „Das ist ein Stück Geschichte.“ Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) haben das frühere Hallenbad Nord in Friesenheim aufwendig und teuer unter Denkmalschutz-Aspekten umgebaut. In die alte Hülle Innovation hineinstecken, diese Idee gefällt Knol.
In IHK-Tischrunde engagiert
Und er ist hier angekommen. Er wohnt zwar mit seiner Frau und seinem Sohn weiterhin im Rheingau, sieht aber Ludwigshafen „als ein Stück Heimat“. Für den Freischwimmer arbeitet er seit November 2019, hatte große Pläne und trotz Corona-Pandemie das Glück, im vergangenen Jahr zumindest zeitweise vieles ausprobieren zu können. Wenn heute Anfragen für Events in diesem Sommer kommen, plant er optimistisch. Knol weiß, dass aus alledem möglicherweise nichts wird. Aber: „Ich kann nicht aus einem negativen Gedanken heraus arbeiten.“ Jozua Knol ist Teil der Tischrunde der Industrie- und Handelskammer (IHK), die sich für neue Impulse und ein besseres Image Ludwigshafens einsetzt. Es ist für ihn eine Stadt „mit sehr engagierten Menschen, die hier etwas bewegen wollen“.
Dazu gehört nun auch er. „Man darf nicht aufhören, lernen zu wollen“, sagt er noch einmal. Neulich habe er sich ein Buch über Wordpress bestellt, um zu erfahren, wie man Webseiten und Blogs bastelt.