Ludwigshafen / Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Umleitungen, Vollsperrungen: Großbaustellen erzwingen Kraftakt für Rheinbrückenverkehr

Bauarbeiten am Ludwigshafener Faktorhaus für die neue Hochstraße Süd. In der Bildmitte das 160 Tonnen schwere Großbohrgerät.
Bauarbeiten am Ludwigshafener Faktorhaus für die neue Hochstraße Süd. In der Bildmitte das 160 Tonnen schwere Großbohrgerät.

Wenn mehrere Großbaustellen zeitgleich aufeinanderprallen, erfordert dies eng abgestimmte Abläufe. Die Auswirkungen für den Auto- und Bahnverkehr, die Rheinbrücken sowie für die Schwesterstädte Ludwigshafen und Mannheim sind immens. Ein Ausblick auf die kommenden sechs Monate.

Dass am Freitag gleich sieben Vertreter der Städte Ludwigshafen und Mannheim sowie der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) zu einem gemeinsamen Pressegespräch eingeladen hatten, verdeutlicht eins: Wie notwendig der Abstimmungsbedarf aller Akteure ist, um den Verkehrsfluss in den nächsten Monaten einigermaßen am Laufen zu halten. Gilt es doch, die Abläufe folgender Großbaustellen eng miteinander zu verzahnen:

-Den am 22. Januar gestarteten Bau der Ersatzbrücke für die im Sommer 2020 abgerissene Hochstraße Süd in Ludwigshafen – ein Lückenschluss von 520 Metern. Kosten: 120 Millionen Euro. Geplante Fertigstellung: Anfang 2026.

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-Den barrierefreien Ausbau des Mannheimer Paradeplatzes. Gesamtkosten: 7,5 Millionen Euro.

-Die Reparatur zweier Übergangskonstruktionen der Kurt-Schumacher-Brücke (Kosten: 950.000 Euro) sowie der Austausch der sogenannten Koppelplatte. Sie liegt zwischen den stadtein- und stadtauswärts führenden Fahrspuren und trägt die Stadtbahngleise. Kosten im ersten Schritt: 750.000 Euro, insgesamt: elf Millionen Euro.

-Hinzu kommt die langwierige Sanierung der Schienenstrecke „Westliche Riedbahn“, ein Milliardenprojekt der Deutschen Bahn.

Für die weiteren Arbeiten an der neuen Hochstraße Süd am Faktorhaus ist es nach Angaben von Eberhard Küssner, Gesamtprojektleiter bei der verantwortlichen Bauprojektgesellschaft, zwingend, den Straßenbahnverkehr zwischen Konrad-Adenauer-Brücke und Berliner Platz vom 25. März bis 21. Juli zu unterbrechen. Betroffen von dieser Vollsperrung sind mehrere Stadtbahnlinien. Die 4/4A und 9 werden in dieser Zeit über die Schumacher-Brücke umgeleitet, die 7 wird in einen Mannheimer und einen Ludwigshafener Abschnitt geteilt, 8 und 9 verkehren während der Bauphase nicht. Laut RNV wird sich dadurch etwa die Fahrt mit der Linie 4 bis zur Haltstelle Universität Mannheim um rund zehn Minuten verlängern.

Für den Autoverkehr, Fußgänger und Radfahrer hat der Bauablauf nach Küssners Angaben keine Konsequenzen. Sie können Mundenheimer und Berliner Straße sowie die Adenauer-Brücke uneingeschränkt nutzen.

Hochstraßenbaustelle, rechts ein Bewehrungskorb: Das Geflecht wird ins Erdreich geschoben und mit Beton ausgegossen.
Hochstraßenbaustelle, rechts ein Bewehrungskorb: Das Geflecht wird ins Erdreich geschoben und mit Beton ausgegossen.

Küssner zufolge hat der 160 Tonnen schwere Großbohrer am Faktorhaus seit dem Start der Arbeiten 14 Löcher für die Bohrpfähle ins Erdreich getrieben, die bis zu 20 Meter tief sind. Am Ende werden es 170 Bohrpfähle sein. Sie haben einen Durchmesser von 1,50 Meter. Auf jeweils vier von ihnen kommt eine zwei Meter dicke Pfahlkopfplatte. Darauf werden die 43, rund fünf Meter hohen Pfeiler montiert, die letztlich den gesamten Brückenaufbau tragen. Nur sie sind nach dem Abschluss der Arbeiten sichtbar.

Paradeplatz wird barrierefrei ausgebaut

Sind die ersten Hochstraßenarbeiten am Faktorhaus abgeschlossen, startet die RNV noch im Juli rechtsrheinisch mit der Erneuerung abgenutzter Gleise am Paradeplatz. Zudem wird die zentrale Haltestelle für den gesamten Straßenbahnverkehr barrierefrei ausgebaut. Ferner werden Versorgungsleitungen ausgetauscht. Eine Vollsperrung des Knotenpunkts sei nicht nötig, betroffene Linien würden umgeleitet. Der Individualverkehr sei nur geringfügig eingeschränkt.

Die in sechs Bauphasen unterteilten Arbeiten sollen Ende Oktober abgeschlossen sein. Über Details werde die RNV mit reichlich Vorlauf „in der ganzen Bandbreite“ informieren, versicherte RNV-Pressesprecher Moritz Feier – mit reichlich Personal vor Ort sowie auf allen digitalen Plattformen. Das gelte auch für alle Veränderungen auf Ludwigshafener Seite.

Auch die Sanierung der „Riedbahn“ gilt es, zu berücksichtigen.
Auch die Sanierung der »Riedbahn« gilt es, zu berücksichtigen.

Koppelplatte wird erneuert

Nach dem Ende der Gleisarbeiten am Paradeplatz beginnt die Stadt Mannheim am 12. August mit der Erneuerung der Koppelplatte in der Mitte der Schumacher-Brücke. Weil direkt darunter die „Westliche Riedbahn“ verläuft, müssen die Arbeiten während der ohnehin geplanten Sanierung und Vollsperrung dieser vielbefahrenen Bahnstrecke stattfinden.

Bis 31. Oktober muss dafür der Stadtbahnverkehr auf der Schumacher-Brücke gesperrt werden. Bahnen von und nach Ludwigshafen werden dann über die Adenauer-Brücke umgeleitet. Der Pkw-Verkehr in Richtung Ludwigshafen wird nicht beeinträchtigt, in Fahrtrichtung Mannheim muss hingegen eine Spur dauerhaft gesperrt werden. Für das Ausheben der alten und das Einheben der neuen Koppelplatten ist eine Vollsperrung für mindestens zwei Nächte oder zwei Wochenenden vorgesehen. Genaue Sperrzeiten würden rechtzeitig angekündigt. Für Fußgänger und Radler haben die Arbeiten keine Folgen.

Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt spricht von einem „Kraftakt“.
Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt spricht von einem »Kraftakt«.

Noch vor der Erneuerung der Koppelplatte wird die Stadt Mannheim von 8. April bis 7. Juni zwei Übergangskonstruktionen an der Brücke instandsetzen. Diese Verschleißteile, eine Art Stoßdämpfer, müssen nach 22 Jahren dringend ersetzt werden. Stadtbahnen können die Brücke währenddessen weiter nutzen und müssen nur zum Schutz der Arbeiter langsamer fahren. Für den Autoverkehr wird werktags außerhalb der Stoßzeiten (9 bis 15 Uhr) eine Fahrspur in Richtung Mannheim gesperrt. Zudem sind nächtliche Vollsperrungen vorgesehen. Der nördliche Geh- und Radweg bleibt frei befahrbar.

Die Verkehrsinfrastruktur in einem Ballungsraum trotz mehrerer Großbaustellen aufrecht zu erhalten, sei sehr komplex und erfordere viel Flexibilität, sagte Ludwigshafens Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos). „Es ist ein Kraftakt, aber wir haben eine für alle tragfähige Lösung gefunden. Unser wichtigstes Ziel war es, für die Straßenbahnen immer eine Überquerung des Rheins zu sichern.“

Sieben auf einen Streich: die Teilnehmer der Pressekonferenz im ehemaligen Gebäude der Kreissparkasse.
Sieben auf einen Streich: die Teilnehmer der Pressekonferenz im ehemaligen Gebäude der Kreissparkasse.

Der jetzt etwas veränderte Bauablauf an der Hochstraße Süd hat laut Thewalt auch Auswirkungen auf die weiteren Arbeiten. Ab Sommer geht es an die Überbauten der neuen Brücke über die Mundenheimer Straße. Im Bereich der Durchfahrt zum Berliner Platz werde die Straße dann vom 29. Juli bis 1. November sowohl für den Nah- als auch für den Individualverkehr nicht befahrbar sein.

Zur Sache: Wie die Rheinquerungen im Vorjahr genutzt wurden

Kraftfahrzeuge: Die Kurt-Schumacher-Brücke (B44) wurde im Vorjahr täglich im Schnitt von 66.000 Fahrzeugen befahren, 36.000 in Richtung Mannheim, 30.000 in Richtung Ludwigshafen. 27.000 Fahrzeuge täglich haben die Konrad-Adenauer-Brücke (B37) überquert. 10.000 in Richtung Mannheim, 17.000 in Richtung Ludwigshafen.

Bahnen: An einem Werk- und Schultag queren im Schnitt täglich etwa 25.000 Fahrgäste die Konrad-Adenauer- und die Kurt-Schumacher-Brücke. 75 Prozent davon entfallen auf die Adenauer-, 25 Prozent auf die Schumacher-Brücke. Die RNV spricht hier von „Beförderungen“, nicht von Einzelpersonen, da jemand, der hin und zurück fährt, doppelt gezählt wird.

Information bei RNV-Online

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