Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Umbau der Ludwigshafener Gräfenauschule: 500 Kinder müssen umziehen

Über 120 Jahre alt und ein Sanierungsfall: die Gräfenauschule im Hemshof
Über 120 Jahre alt und ein Sanierungsfall: die Gräfenauschule im Hemshof

Die Gräfenauschule im Hemshof muss saniert werden, sodass dort kein Unterricht mehr möglich ist. Jetzt gibt es einen Ausweichstandort, der für Debatten sorgt.

Rund 120 Jahre alt ist die Gräfenauschule. Das U-förmige Gebäude wurde 1903/04 von der Stadt erbaut. Im Hof wurde ein Wasserturm errichtet, der zu einem Wahrzeichen im Hemshof geworden ist. Verwendet wurden beim Bau des Schulgebäudes Backsteine und Sandstein. Der Sandstein an der denkmalgeschützten Fassade bröckelt. Deswegen hat die Stadt mit einer Fassadensanierung begonnen. Doch das ist bei Weitem nicht alles, was an der „Problemschule“ ansteht, an der viele Kinder die erste Klasse wiederholen mussten.

Die Schulgebäude sollen umgebaut werden. Außerdem ist ein zusätzliches Gebäude entlang der Gräfenaustraße als Erweiterung für die Ganztagsschulbetreuung vorgesehen. Die Schulturnhalle soll modernisiert und die ehemalige Hausmeisterwohnung so umgebaut werden, dass sie für den Schulbetrieb genutzt werden kann. Der Altbau soll eine moderne technische Infrastruktur bekommen. Alle Fenster sollen ausgetauscht werden, um eine höhere Energieeffizienz zu erreichen. In einer Kostenschätzung von vor zwei Jahren war von 25 Millionen Euro Kosten für das Bauprojekt die Rede.

21 Standorte geprüft

Fest steht schon länger: Während des Umbaus und der Sanierung ist in dem Gebäudeensemble an der Gräfenaustraße kein Schulbetrieb mehr möglich. Deshalb hat sich die Stadtverwaltung auf die Suche nach einem Standort gemacht, wo die über 500 Schüler vorübergehend in einer Art Containerschule unterkommen können. „Wir haben 21 Standorte überprüft. Der Marienpark ist als einzig geeigneter Standort übrig geblieben“, informierte Reiner Bernhard vom städtischen Gebäudemanagement den Ortsbeirat Nord.

Der Marienpark an der Hohenzollernstraße soll zum Ausweichstandort werden.
Der Marienpark an der Hohenzollernstraße soll zum Ausweichstandort werden.

Im dicht bebauten Hemshof gebe es nur wenige Möglichkeiten, eine entsprechende Fläche zu finden. Der Marienpark – eine städtische Grünfläche zwischen der Industrie- und der Hohenzollernstraße in der Nähe der Marienkirche am Rande des Hemshofs – biete als einziger Standort ausreichend Platz für ein Ausweichgebäude mit Fertigmodulen und einem Pausenhof. Auf der rund 15.780 Quadratmeter großen Grünfläche soll ein dreigeschossiges Modulgebäude auf einer Grundfläche von 1500 Quadratmetern errichtet werden, in dem 22 Klassen untergebracht werden. Hinzu kommt ein 2500 Quadratmeter großes Außengelände mit Pausenhof, erläuterte Bernhard die Pläne. Der Standort sei 750 Meter von der Gräfenauschule entfernt. In unmittelbarer Nähe des Ausweichquartiers gebe es eine Sporthalle und einen Bolzplatz sowie einen Parkplatz, die von der Schule genutzt werden könnten.

Skepsis im Ortsbeirat

Im Ortsbeirat gab es viel Skepsis. Die Gräfenauschule sei bisher von allen Seiten im Hemshof gut erreichbar gewesen. Der Marienpark liege am Rande des Schulbezirks. Für Grundschüler aus dem Bereich der Dessauer Straße sei es bis dorthin ein langer Schulweg. Auch die Lage zwischen der viel befahrenen Bürgermeister-Grünzweig- und der Hohenzollernstraße sei für Kinder gefährlich.

„Wir brauchen für die Kinder einen sicheren Schulweg“, forderte Nikolaus van der Bruck (SPD). Ortsvorsteher Osman Gürsoy (SPD) meinte: „Es wird dann noch mehr Elterntaxis geben. Optimal ist der Marienpark für uns nicht.“ Anthimos Dimitriadis und Wolfgang Leibig (beide CDU) hakten nach, ob nicht der Friedenspark für ein Ausweichquartier geeigneter wäre. Das verneinte Architekt Bernhard und verwies auf Straßenlaternen, den Baumbestand und den problematischen Grundstückszuschnitt, was unter dem Strich zu wenig Platz böte.

Die Gräfenauschule hat einen hohen Anteil an Migrantenkindern. Wegen mangelnder Deutschkenntnisse mussten viele Schüler die erst
Die Gräfenauschule hat einen hohen Anteil an Migrantenkindern. Wegen mangelnder Deutschkenntnisse mussten viele Schüler die erste Klasse wiederholen

Gisela Witt (SPD) wollte wissen, bis wann das Ausweichquartier errichtet werden soll. „Wir stehen noch ganz am Anfang und haben daher bewusst noch keine Zeitvorgabe gemacht“, sagte Bernhard. Bevor der Umbau des alten Schulgebäudes starten könne, müsse die Schule mit dem Land ein neues pädagogisches Raumkonzept entwickeln, auf das die Stadt dann die Bauplanung ausrichten wolle. Wann der Umbau startet, sei daher offen.

Schulleiterin Barbara Mächtle ging in der Vergangenheit davon aus, dass ihre Schule nach einem Umzug etwa zwei Jahre an dem Ausweichstandort bleiben muss. Mächtle versprach sich von einem Umbau der Gräfenauschule mehr Platz und eigene Räume für die Schulsozialarbeit und das Projekt Familiengrundschulzentrum sowie die Ganztagsbetreuung. Eine Erweiterung würde die Raumsituation entspannen.

Als „Problemschule“ sorgte die Gräfenauschule bundesweit für Schlagzeilen.
Als »Problemschule« sorgte die Gräfenauschule bundesweit für Schlagzeilen.
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