Streitfall RHEINPFALZ Plus Artikel Techno-Beats am Blies-Ufer?

Zur Premiere im Vorjahr kamen 1700 Gäste.
Zur Premiere im Vorjahr kamen 1700 Gäste.

Trotz der politischen Querelen bei der Premiere im Vorjahr wird es am 3. September ein zweites Festival für Raver und Techno-Fans an der Großen Blies geben. Die Veranstaltung, zu der bis zu 3000 Besucher erwartet werden, ist umstritten – auch in der Lokalredaktion gehen die Meinungen auseinander. Zwei Positionen.

Pro: Lasst die jungen Leute feiern, meint Steffen Gierescher

Ludwigshafen und seine Festivals, das ist eine Geschichte für sich. Einerseits sind es Aushängeschilder für die Stadt, andererseits entzündet sich daran gerne Kritik. Das Straßentheaterfestival vor wenigen Wochen bot teilweise erstklassige Unterhaltung. Aber es war viel statischer als in der Vor-Corona-Zeit.

Und manche Darbietungen waren ziemlich speziell. Dennoch ist es unterm Strich ein attraktives Kulturevent inmitten der Stadt, das zahlreiche Zuschauer anlockt.

Das gilt auch für das am 24. August beginnende und bundesweit beachtete 18. Filmfestival, zu dem 90.000 Gäste erwartet werden. Weil es aber in einem Landschaftsschutzgebiet über die Bühne geht, wollen es einige hartnäckige Gegner partout von dort verbannen. Die Standortfrage ist seit Jahren ein Dauerbrenner.

Diese Debatte zeichnet sich nun auch beim Blies-Festival ab. Anlieger stört nicht nur der Lärm, sondern auch der Austragungsort. Die Blies ist ebenfalls ein Landschaftsschutzgebiet. Die kontrovers diskutierte Frage „Warum wird ausgerechnet dort Party gemacht?“ lässt sich meiner Ansicht nach ganz einfach beantworten: Weil zu einer attraktiven Veranstaltung – wie beim Filmfestival – auch ein attraktives Ambiente gehört. Außerdem wurde das Raver-Treffen nach einer sorgfältigen Prüfung für eine Sondernutzung des Bliesgeländes als genehmigungsfähig eingestuft. Punkt.

Was spricht also dagegen, die überwiegend jungen Leute dort feiern zu lassen? Zumal es im Vorjahr weder Ausschreitungen oder andere schwerwiegende Anlässe für Beschwerden gab. Die 30.000 Euro von der Stadt und der Beitrag von Hauptsponsor BASF sind gut investiertes Geld, weil LU solche Magneten braucht. Das verschnarchte Image löst sich nicht von selbst auf.

Mit „Save the rave, fuck the war“ hat sich das Festival außerdem ein Motto verpasst, das Zeichen setzt. Das Ticket-Kontingent ist auf 3000 begrenzt. Das heißt noch lange nicht, dass so viele Leute kommen. Wenn’s so ist, umso besser. Immer schön entspannt bleiben, Freunde.

Contra: Zeit für einen Standortwechsel, meint Christiane Vopat

Zum Glück stehen in diesen Wochen viele Veranstaltungen in den Kulturkalendern. Wir können Kunst endlich wieder live genießen. Pop-, Klassik-, Folklore- und auch Techno-Konzerte sind nach langer Corona-Pause wieder möglich. Vor allem unter freiem Himmel darf dann auch ausgelassen gefeiert werden. Wunderbar!

Mannheimer und auch Ludwigshafener Studenten lassen es regelmäßig im Schneckenhof des Barockschlosses krachen, in Stuttgart geht Mitte September ein Techno- und Rave-Festival in einem Eisstadion über die Bühne. Gerade solche Festivals leben auch davon, dass sie an spannenden Orten stattfinden. Warum das Festival für elektronische Musik in Ludwigshafen jedoch ausgerechnet in einem Landschaftsschutzgebiet stattfinden muss, ist ein Rätsel.

Weil es angeblich keinen anderen geeigneten Standort in der Chemiestadt gibt? Unfug. Kritiker hatten schon im Kontext der ersten Auflage des Festivals im Vorjahr den Platz vor der Eberthalle und das Gelände vor dem Hauptbahnhof ins Gespräch gebracht. Coole Idee. Auch das Areal rund um die Hochschule an der Ernst-Boehe-Straße oder das angrenzende Georg-Kerschensteiner-Bildungszentrum könnte durch die Raver belebt werden.

Die idyllische grüne Wiese direkt an der Großen Blies, ein Rückzugsort für Mensch und Tier, ist dagegen der falsche Platz. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie dieses kleine Paradies aussehen wird, wenn dort 3000 Menschen über viele Stunden ausgelassen getanzt und gefeiert haben. Hinzu kommt die Nähe zu einem Neubaugebiet mit etlichen jungen Familien, dem Bliesbad auf der gegenüberliegenden Seite des Weihers und dem vollbesetzten Tierheim in der Wollstraße.

Das Blies-Festival hat 2021 mit 1700 Besuchern Premiere gefeiert. Bei der zweiten Auflage will der Veranstalter knapp doppelt so viele Tickets verkaufen. Werden im nächsten Sommer dann schon 5000 Raver erwartet? Höchste Zeit für einen Standortwechsel.

Zur Sache: Das Blies-Festival

Das zweite Festival steigt am Samstag, 3. September, ab mittags bis Mitternacht am Weiherufer zwischen Mundenheim und West. Die Veranstalter erwarten 3000 Gäste, fast doppelt so viele wie im Vorjahr: Bei der Premiere waren 1700 überwiegend junge Gäste zum Feiern in das Landschaftsschutzgebiet geströmt, zum Leidwesen der Anlieger. Die Stadt bezuschusst das Techno-Event mit 30.000 Euro, tritt aber nicht mehr als Veranstalter auf. Hauptsponsor ist die BASF. 15.000 Euro Förderung erhält der eintägige Rave in diesem Jahr vom Landeskulturministerium.

Festivalplakat
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