Ludwigshafen Täglicher Verkehrskollaps: Radspur wieder für Autos nutzen?

Große Fahrradspur – wenig Platz für Autos. In Zeiten der großen Baustellen sollte man noch einmal darüber nachdenken, ist man si
Große Fahrradspur – wenig Platz für Autos. In Zeiten der großen Baustellen sollte man noch einmal darüber nachdenken, ist man sich im Stadtrat weitgehend einig.

Mit einem ungewöhnlichen Vorschlag will die CDU-Stadtratsfraktion die Heinigstraße entlasten. Die Idee, eine Fahrradspur zu entfernen, trifft auf Unterstützer.

Von einer verkehrstechnischen Katastrophe spricht Christoph Heller (CDU) im Stadtrat: Während sich der Autoverkehr samt Bussen auf der Heinigstraße in Mitte staue, bleibe eine Fahrradspur komplett unbenutzt. Der Vorschlag der CDU-Fraktion löst rege Debatten aus: Warum nicht die Fahrradspur für die Dauer der Bauarbeiten an den Hochstraßen aufheben? Dafür hatte sich bereits der Ortsbeirat Südliche Innenstadt am 10. Juni nach längerer Debatte mehrheitlich ausgesprochen (10:5 Stimmen).

Der Brisanz des Vorschlags ist man sich bewusst: „Wir mussten die Fahrradspur einführen, um überhaupt die Heinigstraße zu retten“, sagt Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos). Zu dem Zeitpunkt sei es um die Feinstaubbelastungen in Ludwigshafen gegangen. Und die Heinigstraße, wo auch eine Messstelle steht, war ein besonders belasteter Abschnitt gewesen, so Steinruck.

Damals freilich habe der Verkehr auch neben der Ludwigshafener Heinigstraße ungehindert fließen können. Der Einschnitt, eine Fahrradspur abzutrennen, sei verkehrstechnisch nicht weiter ins Gewicht gefallen. Inzwischen aber ist die Lorientallee wegen Bauarbeiten gesperrt, das habe die Heinigstraße wieder ganz nach oben gerückt, so Steinruck. „Die stehen teilweise schon von der Hochstraße runter“, schildert in dem Zusammenhang Peter Uebel (CDU).

Thewalt hofft auf Öffnung der Lorientallee

Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) versucht, zu beschwichtigen: „Die Leichtigkeit des Verkehrs ist nicht mehr nur auf den Kraftverkehr beschränkt“, sagt er. Tatsächlich müsse aber die Situation in der Heinigstraße verbessert werden. Die Öffnung der Lorientallee werde aktuell geprüft, die Stadt erwarte „bis zum Wochenende“ die Antwort der Verantwortlichen an der Baustelle. „Wenn die Änderung nicht klappt, bin ich bereit, den Antrag zu unterstützen“, signalisiert Thewalt.

Christian Schreider (SPD) schlägt ergänzend vor, die Ampelschaltungen an der Heinigstraße zu überarbeiten. Dieser Idee kann sich auch die FWG anschließen. FDP-Mann Thomas Schell meint: „Mich ärgert es schon, wenn ich im Stau stehe und auf den Fahrradstreifen schaue, der viel, viel Geld gekostet hat – und kaum einen Radfahrer sehe.“ Dem Vorschlag, auch die Ampelschaltungen zu überprüfen und eine Detailplanung in Angriff zu nehmen, schließt sich auch Peter Uebel als CDU-Sprecher an, betont aber auch: „Wir wollen keine Verkehrswende.“

Kritisch hatte sich nach dem Vorstoß im Ortsbeirat Süd bereits der Allgemeinde Fahrradclub (ADFC) zu Wort gemeldet. ADFC-Sprecher Andreas Ziegle hatte erklärt: „In Zeiten von Klimawandel und Verkehrswende wirkt es rückwärtsgewandt, wenn der Rückbau eines Radwegs gefordert wird – selbst wenn es, wie hier verständlicherweise, nur um eine temporäre Maßnahme wegen der Baustellen sein soll.“

x