Zehn Jahre Rhein-Galerie (7) RHEINPFALZ Plus Artikel „Sind froh, dass wir sie haben“: Das sagen Geschäftsleute zur Rhein-Galerie

Ende September wird sie zehn Jahre alt: die Rhein-Galerie.
Ende September wird sie zehn Jahre alt: die Rhein-Galerie.

Was sagen eigentlich die Fachgeschäfte zum großen Einkaufszentrum in ihrer Nachbarschaft? Wir haben uns in vier Läden in der Innenstadt umgehört. Die Aussagen der Geschäftsleute überraschen. Denn es wird nicht nur auf die Rhein-Galerie geschimpft. Nur einer sieht sie wirklich kritisch.

„Wir sind froh, dass wir sie haben. Ich vertrete nicht die Meinung, dass die Rhein-Galerie der Totengräber der Innenstadt ist. Wir haben viele neue Kunden aus der ganzen Region, auch von der rechten Rheinseite, die in die Rhein-Galerie fahren und danach noch zu uns kommen“, sagt Edmund Keller, Seniorchef des gleichnamigen Schuhhauses in der Ludwigstraße. Ohne die Rhein-Galerie wären diese Menschen nie nach Ludwigshafen gekommen, ist sich der 90-Jährige sicher, der Ende August seinen runden Geburtstag gefeiert hat. „Die Rhein-Galerie war nicht schuld am Niedergang der City. Der wäre auch so gekommen“, meint Keller. Denn es habe einfach zu wenig attraktive Geschäfte in der Innenstadt gegeben. Sein eigenes Unternehmen sieht er hier als Gegenbeispiel. Wegen seinem spezialisierten und hochwertigen Sortiment an Schuhen kämen Kunden aus der ganzen Region und von weit her, sagt er. Die Einschränkungen durch die gegenwärtige Pandemie sind für ihn kein Thema mehr. „Corona ist bei uns schon abgehakt“, betont der Seniorchef.

Ein Stück weiter die Ludwigstraße hoch in Richtung Ludwigsplatz befindet sich seit einigen Jahren das „Shirt Design“-Geschäft von Michael Rudolph. Im Laden stapeln sich T-Shirts in allen Farben und Größen, die man sich hier individuell nach eigenen Vorlagen bedrucken lassen kann. Ebenso wie Textilien anderer Art. Nach einem anfänglichen Schock sei er bisher ganz ordentlich durch die Corona-Krise gekommen, gibt Rudolph Auskunft auf die entsprechende Frage. Er hoffe auf Besserung im nächsten Jahr. „Die Stadt sollte am besten beides haben: eine attraktive Fußgängerzone und ein Einkaufscenter“, hat der Geschäftsinhaber einen doch eher theoretischen Wunsch. „Die Rhein-Galerie ist ein Magnet, von dem die anderen Geschäfte auch profitieren können“, findet der 53-Jährige, der sich in der Ludwigshafener Innenstadt sehr wohl fühlt. „Die Rhein-Galerie schadet dem Handel in der Stadt nicht. Je mehr Leute nach Ludwigshafen kommen, desto besser für alle“, meint er. Wenn das Rathaus-Center Ende 2021 schließe, sei ohne die Rhein-Galerie überhaupt kein Anziehungspunkt in der Stadt mehr da, gibt der in Bobenheim-Roxheim lebende Geschäftsmann zu Bedenken.

„Es wäre schlimm“

Wenige Schritte weiter in der Ludwigstraße bietet das Bekleidungshaus Schmitt Mode für Männer an. Im Jahr 1980 hat die Inhaberfamilie Schmitt neben dem Mutterhaus in Speyer ihre zweite Niederlassung in Ludwigshafen eröffnet. „Nach der Eröffnung der Rhein-Galerie hat uns das in den ersten zwei, drei Jahren etwas gebracht, dann wurde es ruhiger“, berichtet Filialleiter Markus Fuchs. Die Leute seien damals an der Straßenbahnhaltestelle Ludwigstraße ausgestiegen und wie eine Völkerwanderung den kurzen Fußweg in die Rhein-Galerie an dem Mode-Geschäft vorbeigelaufen. Inzwischen sei dies aber nicht mehr so, fügt er hinzu. „Die ersten Jahre haben wir profitiert und Neukunden gewonnen“, erinnert sich Fuchs. Denn in der Rhein-Galerie selbst habe es kaum echte Konkurrenz zur Zielgruppe des Modehauses gegeben. Allgemein habe den Geschäften weiter weg etwa in der Bismarckstraße das neue Einkaufscenter eher geschadet, Geschäfte in der nahen Umgebung hätten eher profitiert, meint der 45-Jährige. „Es wäre schlimm, wenn die Rhein-Galerie weg wäre. Dann gäbe es gar nichts mehr in Ludwigshafen“, wünscht der Filialleiter dem Einkaufszentrum eine rasche Überwindung der gegenwärtigen Corona-Flaute.

Um die Ecke in der Bahnhofsstraße bietet Optiker-Meister Klaus Werner in seinem Ladengeschäft seit 15 Jahren Brillen und Beratung an. „Ich bin heilfroh, dass ich 2010 nicht mit in die Rhein-Galerie eingezogen bin“, nennt Werner ein persönliches Fazit. Zu groß seien dort Einschränkungen und Zwänge für die Geschäfte, etwa bei den Öffnungszeiten. Seinem eigenen Optiker-Geschäft habe die Rhein-Galerie aber weder genutzt noch geschadet, stellt der 68-Jährige fest, der selbst seit Geburt in Ruppertsberg an der Weinstraße wohnt. „Durch die Rhein-Galerie hat die Stadt nicht profitiert“, legt sich Werner fest. Die Geschäftswelt in der Innenstadt sei dadurch noch mehr ausgeblutet. „Mein Fazit nach zehn Jahren: Es wäre besser gewesen, dort Wohnungen hinzubauen – wie am Rheinufer Süd“, formuliert er ein ebenso klares wie negatives Urteil.

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Edmund Keller
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Klaus Werner
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Markus Fuchs
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Michael Rudolph
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