Ludwigshafen
Rheingönheim: Bürger diskutieren über Dorfsanierung
Im Veranstaltungsraum des städtischen Seniorenwohnhauses Heinrich Wälker in Rheingönheim versammeln sich am frühen Dienstagabend rund 40 Besucher. Sie studieren die zehn aufgestellten Ausstellungstafeln mit den Plänen für eine Verschönerung des Dorfkerns. Und sie kommen mit Vertretern des Bereichs Stadt- und Verkehrsplanung und Stadterneuerung der Verwaltung sowie mit Mitarbeitern der Dortmunder Planungsgruppe Stadtbüro ins Gespräch, die das Projekt seit vielen Monaten moderieren.
Seit Sommer 2024 erarbeitet die Abteilung Stadterneuerung gemeinsam mit der Planungsgruppe die konzeptionellen Grundlagen einer Weiterentwicklung des Ortskerns in dem südlichen Stadtteil. Bürger, Eigentümer, die lokale Politik sowie weitere Akteure haben vorbereitende Untersuchungen gemacht und ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (Isek) erarbeitet. Die Ergebnisse waren nun zu sehen: Insgesamt 25 verschiedene Projekte sollen mit Beteiligung der Bewohner und der kommunalen Gremien bis Mitte der 2030er-Jahre realisiert werden.
Aldi-Markt sorgt für Diskussionen
Den Startpunkt für die Dorfsanierung setzte im Juni 2023 die Zusage des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, den Rheingönheimer Ortskern in das Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ aufzunehmen. Das größte geplante Einzelprojekt ist dabei die Sanierung und Modernisierung des denkmalgeschützten Gemeindehauses in der Dorfmitte für rund drei Millionen Euro. Hier soll ein lebendiger Treffpunkt für die Bürger entstehen. Zudem soll der angrenzende Kantor-Josef-Jacob-Platz grüner gestaltet werden. Baumpflanzungen sollen in der Hauptstraße und im Hohen Weg für ein besseres Klima sorgen. Außerdem soll auf den zentralen Straßen künftig Tempo 30 gelten.
Am Dienstag konnten die interessierten Bürger die verschiedenen Vorhaben mündlich und schriftlich kommentieren: Für Diskussionen sorgte etwa der geplante neue Aldi-Supermarkt auf einem Sportgelände in der Dorfmitte. Einige Bürger befürchten daher eine weitere Zunahme des Verkehrs, vor allem durch Aldikunden aus Altrip. Die Rheingönheimer geben zu bedenken, dass dies bei der geplanten Neugestaltung der Straßenbahn-Endhaltestelle und Tempolimits berücksichtigt werden müsse. Ein Bürger regte an, den Mozartpark jugend- und kindgerecht zu gestalten. Auch auf Gefahrenstellen wurde hingewiesen. Und immer wieder sorgten die vielen Raser im Dorf für Diskussionen.
Bürgerbeteiligung für jedes Projekt
Wie und wann geht es jetzt weiter? Nach Vorstellung der vorläufigen Ergebnisse erfolgen die Abstimmung mit dem Fördermittelgeber und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange. Danach werden dem Stadtrat Anfang 2026 die Ergebnisse der vorbereitenden Untersuchungen, das Stadtentwicklungskonzept und eine mögliche Sanierungssatzung nebst Rahmenplan zum Beschluss vorgelegt. Bevor weitere Fördermittel beantragt und damit die einzelnen Maßnahmen in den kommenden Jahren umgesetzt werden können, muss zudem die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) als Fördermittelgeber zustimmen. Wie ein Mitarbeiter der Verwaltung betonte, werde es für jedes geplante Projekt vor der Verwirklichung noch einmal eine Einzelbeteiligung der Bürger geben. Auch im Ortsbeirat sollen die Vorhaben individuell vorgestellt werden.
Im Juli 2022 hatte der Stadtrat der Bewerbung zur Aufnahme des vorläufigen Untersuchungsgebiets Rheingönheim in die Städtebauförderung zugestimmt. Die Zusage des Innenministeriums zur Aufnahme in das Programm „Sozialer Zusammenhalt“ liegt der Stadtverwaltung seit Anfang Juni 2023 vor. Dieses Förderprogramm bietet eine breite Palette an Fördermöglichkeiten, unter anderem zur baulichen und klimatischen Aufwertung des Stadtteils.
Da im Rahmen der vorbereitenden Untersuchungen städtebauliche Missstände festgestellt wurden, ist außerdem die Ausweisung eines Sanierungsgebiets mit entsprechendem Rahmenplan vorgesehen. Der gesamte Prozess verläuft unter Beteiligung der Bürger, der lokalen Akteure, der Fachverwaltung und des Ortsbeirats.