Ludwigshafen
Prozess zu brutaler Messerattacke: Widersprüche und fehlende Zeugen
Wie beim Verhandlungstermin am Dienstag erscheinen geladene Zeugen und Zeuginnen aus der Freundesgruppe der Tatbeteiligten nicht vor Gericht oder halten sich nicht am Wohnsitz auf, so dass eine angeordnete Vorführung durch die Polizei erfolglos bleibt. Seit einigen Wochen muss sich der 19-Jährige aus Afghanistan vor dem Landgericht Frankenthal verantworten. Mitarbeiter eines Döner-Lokals neben der Stadtbibliothek hatten am Abend des 4. November 2024 die Polizei und Rettungskräfte alarmiert. Das Opfer hatte zusammengekauert auf den Stufen am Eingang der Stadtbibliothek gesessen, kurz darauf kippte es ohnmächtig zur Seite. Erst da bemerkten die Helfer die Blutungen. Zuvor hatte es eine handgreifliche Auseinandersetzung des Mannes mit einer Gruppe junger Männer gegeben. Durch eine Not-OP konnte er gerettet werden.
In der Verhandlung sagte das Opfer aus, er sei gegen 22 Uhr an dem Döner-Restaurant vorbeigelaufen. Vier junge Männer, darunter Hasan H. und der angeklagte 19-Jährige, hätten davor gestanden. Hasan H. sei ihm das Stück zur Bibliothek nachgelaufen und habe ihn überholt. „Er hat mir die Hand zur Begrüßung gegeben, diese dann aber festgehalten und mich heruntergezogen. In dem Moment habe ich die Stiche gespürt“, erzählte der Geschädigte im Zeugenstand. Da ihm seine Kapuze beim Herunterziehen über den Kopf gefallen sei, habe er die Männer nicht sehen können und wisse nicht, wer zugestochen habe.
Zwei Tatbeteiligte gestehen Körperverletzung
Vom Richter nach einem möglichen Grund für den Angriff gefragt, erzählte der 32-Jährige, Hasan H. ein paar Tage zuvor für 20 Euro Cannabis abgekauft zu haben. Zwei Tage später habe ein Freund von Hasan H. angerufen und behauptet, dass der von ihm erhaltene Hundert-Euro-Schein eine Fälschung gewesen sei. Er habe jedoch nichts getan und verstehe nicht, warum er angegriffen worden sei.
Der Polizei gelang es, sechs an der Tat beteiligte junge Männer zu ermitteln. Schon am ersten Verhandlungstag legten zwei der Beschuldigten ein Geständnis für die angeklagte Körperverletzung ab und wurden zu Haftstrafen unter zwei Jahren verurteilt. Gegen drei weitere Beschuldigte soll getrennt weiter verhandelt werden. Seitdem wird der Prozess mit der Anklage wegen versuchten Mordes gegen den 19-jährigen Ali Y. fortgesetzt. Dieser soll laut Staatsanwaltschaft zwölfmal auf sein Opfer eingestochen haben.
Zeuge widerspricht sich in Aussagen selbst
Dass die Staatsanwaltschaft nur noch den 19-Jährigen als Tatverdächtigen ansieht, hat dessen Verteidiger Kayahan Aydin bereits mehrfach kritisiert. Für den Rechtsanwalt ist dies keineswegs erwiesen. Der junge Mann wird vor allem durch Zeugenaussagen aus der Gruppe der Mitangeklagten und deren Umfeld belastet. Eine 46-jährige Polizistin berichtete im Zeugenstand, Hasan H. habe bei seiner Befragung gesagt, bei einem Treffen der Gruppe nach der Tat in der Wohnung einer Bekannten habe der Angeklagte ihm erzählt, dass er zugestochen habe. Auf die Frage warum, habe dieser erklärt, er sei wütend gewesen.
Er habe bei der Auseinandersetzung gesehen, dass Ali Y. über dem Syrer gewesen sei und Schlagbewegungen gemacht habe. Ein Messer habe er aber nicht gesehen, weder dort noch später in der Wohnung, sagte Hasan H. der Polizistin. Von dem Messer habe er erst durch einen Brief erfahren, schilderte die Ermittlerin seine Aussage an jenem Vernehmungstermin. Rechtsanwalt Aydin stellte fest, dass sich die Aussagen widersprechen. Die Ermittlerin räumte ein, dass Hasan H. mehrmals seine Aussage geändert hat. Der Prozess wird am Donnerstag, 9. Oktober, fortgesetzt.