Ludwigshafen
Prozess gegen Messerstecher: Zwei Geständnisse, eine Aussage
Der erste Verhandlungstag nach der Verlesung der Anklage stand im Zeichen eines Rechtsgesprächs: Das Gericht unter dem Vorsitz von Alexander Melahn war bemüht, das Verfahren durch eine Verständigung mit den Beteiligten in geordnete Bahnen zu lenken und zu beschleunigen. Die Schwierigkeit: In dem Prozess ist nur einer der sechs jungen Männer wegen versuchten Mordes angeklagt, die fünf anderen müssen sich wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung verantworten.
Nach einem 90-minütigen Rechtsgespräch konnte Richter Melahn in der Verhandlung zumindest von Teilerfolgen berichten: Die Angeklagten Ibrahim J. und Hasan H. mit ihren Rechtsanwälten Sven Zill und und Thilo Schwarz stimmten demnach einer Verständigung zu. Sie legten ein Geständnis ab und räumten die Körperverletzung ein – im Gegenzug sicherte das Gericht ihnen zu, dass sich das Strafmaß bei einer Verurteilung in einem Rahmen von einem Jahr und acht Monaten bis zwei Jahre Haft bewegen werde. Der Richter erklärte, dass die Verfahren gegen die beiden abgetrennt werden, ein Urteil soll diese Woche fallen.
Anklageschrift geht von Tötungsabsicht aus
Die Rechtsanwälte Volker Hoffmann für Ali H. und Tim Schneider für Deler M. stimmten einer Verständigung auf der beschriebenen Basis allerdings nicht zu. Wie Melahn erklärte, wird nun auch das Verfahren dieser beiden Männer abgetrennt. Es soll vorerst ruhen und später neue Termine festgelegt werden.
Der Prozess gegen den Hauptangeklagten Ali Y. wegen versuchten Mordes wird hingegen fortgesetzt. Der junge Mann soll bei dem Vorfall im November zwölfmal auf das 22-jährige Opfer eingestochen haben, weshalb Anklage wegen versuchten Mordes gegen ihn erhoben wurde.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Gruppe von sechs jungen Männern im November 2024 gemeinsam auf den Geschädigten – insbesondere auf dessen Kopf – eingeschlagen und eingetreten hat. Der damals 18-Jährige Ali Y. soll jedoch als Einziger und ohne vorherige Absprache mit den anderen Tatbeteiligten zum Messer gegriffen haben. Angesichts der Vielzahl der Messerstiche geht die Anklage von einer Tötungsabsicht aus.
Hauptangeklagter sitzt in Untersuchungshaft
Zeugen hatten den Schwerverletzten am späten Abend des 4. November 2024 auf dem Bürgersteig vor der Ludwigshafener Stadtbibliothek in der Bismarckstraße in einer Blutlache liegend gefunden und die Polizei alarmiert. Das Opfer wies mehrere Stichverletzungen am Oberkörper auf und war zum Zeitpunkt des Auffindens nicht mehr ansprechbar. Nur durch eine Notoperation konnte das Leben des in Ludwigshafen gemeldeten Syrers gerettet werden.
Aufgrund dieser Umstände sitzt der Hauptangeklagte Ali Y. anders als die übrigen Angeklagten seit Februar 2025 in Untersuchungshaft. Anwalt Kayahan Aydin kündigte an, dass sein Mandant vorerst keine Angaben zu der Sache machen werde. Da auch die übrigen Beschuldigten für die Tat mit dem Messer in Frage kämen, gebe es im Rahmen der Verständigung ein Interesse an der Belastung seines Mandanten. Er fordere daher, dass die Aussagen von Ibrahim J. und Hasan H. vom Gericht nicht verwertet werden dürfen.
Umfangreiche Aussage eines Angeklagten
Nicht nur ein Geständnis, sondern auch eine umfangreiche Aussage zum Ablauf der damaligen Ereignisse kam überraschend vom sechsten Angeklagten, Dindar M. Wie seine Rechtsanwältin Franziska Lorz erklärte, war der junge Mann am Tatabend mit den anderen im Dönerladen neben der Stadtbibliothek und ging mit zwei Mitangeklagten zum Rauchen nach draußen. Das spätere Opfer sei an ihnen vorbeigegangen. Weil der Mann zuvor seinem Freund Hasan H. gefälschte 100-Euro-Scheine gegeben hätte, habe ihn dieser „angetippt“. Der Mann habe daraufhin sofort in den Hosenbund gegriffen und mit einer Dose Pfefferspray versprüht.
Nach eigenen Angaben bekam Dindar M. etwas davon in die Augen und schlug im Reflex einmal in die Richtung des Mannes. Da seine Augen tränten, habe er sich anschließend aber zurückgezogen und sei weggegangen. Beim späteren Treffen mit den anderen in einer Wohnung habe er von Hasan H. gehört, dass Ali Y. den Mann mit dem Messer gestochen habe. Ein Machmut soll mit anderen Männern noch dazugekommen sein und zugeschlagen haben, als er bereits weg war.
Auch das Verfahren gegen Dindar M. soll laut Melahn nach dem Geständnis abgetrennt und zügig beendet werden.