Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Projekt „Street Doc“: Medizinische Versorgung für Menschen am Rande der Gesellschaft

Haben die Streetdocs ins Leben gerufen (von links): Peter Uebel und Walter Münzenberger.
Haben die Streetdocs ins Leben gerufen (von links): Peter Uebel und Walter Münzenberger.

Der „Adventskalender der guten Taten“ macht heute Station in Ludwigshafen. Dort gibt es die Streetdocs, Mediziner, die sich um Menschen ohne Krankenversicherung kümmern.

„Niemand wird weggeschickt“, so lautet das Motto der Streetdocs. An drei Standorten – im Hemshof sowie in den Einweisungsgebieten in West und in Mundenheim – kümmern sich bis zu 50 Ehrenamtliche, um die ärztliche Versorgung von Menschen, die nicht krankenversichert sind und keinen Zugang mehr zum Gesundheitssystem haben.

Wie so etwas passieren kann? Meistens stecken persönliche Katastrophen dahinter. Es sind Menschen, die ihre Wohnung verloren haben. Manche haben Erkrankungen und Sucht ins Abseits der Gesellschaft gebracht. Im Herbst 2013 hat der Internist Peter Uebel gemeinsam mit Walter Münzenberger von der Ökumenischen Fördergemeinschaft (ÖFG) das Projekt „Street Doc“ ins Leben gerufen. Münzenberger hatte den Arzt auf die fehlende medizinische Versorgung für Menschen am Rande der Gesellschaft aufmerksam gemacht.

Mittwochs Sprechstunden

Jeweils Mittwochnachmittags – wenn reguläre Praxen geschlossen haben – werden an den Street Doc-Standorten Sprechstunden angeboten. Ärzte und Arzthelferinnen arbeiten ehrenamtlich in mietfreien Wohnungen der Stadt, die in Arztpraxen umgewandelt wurden. Patienten ohne Versicherungskarte werden kostenlos behandelt. Finanziert wird das Projekt ausschließlich über Spenden. Seit der Gründung des Projekts sind so Tausende Behandlungen ermöglicht worden. Am Standort in der Dessauer Straße sind ein Zahnarztstuhl und ein Röntgengerät für die Zahnbehandlung installiert worden.

„Unser Ziel ist es, die Patienten ins normale Gesundheitssystem zu reintegrieren“, sagt Peter Uebel (61), der sich mittlerweile auch kommunalpolitisch als CDU-Fraktionschef im Ludwigshafener Stadtrat engagiert. Bei den Sprechstunden wird den Patienten zudem eine Sozialberatung angeboten. Denn es gibt auch Patienten, die zwar krankenversichert sind, aber aus diversen Gründen den Zugang zum Gesundheitssystem verloren haben. Die Sozialarbeiter, die sich um die Bewohner in der Bayreuther Straße und der Kropsburgstraße kümmern, arbeiten deshalb Hand in Hand mit den Streetdocs. Angeboten werden eine medizinische Basisversorgung und bei komplexeren Fällen die Vermittlung an Fachärzte oder Krankenhäuser.

„Ich finde das wunderbar, dass die Streetdocs hierher kommen und sich für die Leute hier einsetzen. Viele trauen sich nicht zum Arzt zu gehen, weil sie keine Versichertenkarte haben oder kein Vertrauen“, sagt Rudi, Bewohner der Bayreuther Straße, in einem Werbefilm für das Projekt. Für die Sozialarbeiter ist es ein Erfolg, wenn es gelingt, dass die Patienten nach den Kontakten mit den Streetdocs und der ÖFG sich wieder trauen, zu einem regulären Arzt zu gehen.

Spendenkonto

Ökumenische Fördergemeinschaft Ludwigshafen
Konto-Nr. 836, bei der Sparkasse Vorderpfalz
BLZ: 545 500 10
IBAN: DE94 5455 0010 0000 0008 36
BIC: LUHSDE6AXXX
Stichwort „Street-Doc“

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