Wochenspiegel RHEINPFALZ Plus Artikel Poker, Popcorn und Sauwetter am Pfalzbau

 Kandidatenpoker
Kandidatenpoker

Was uns in dieser Woche im Stadtgeschehen aufgefallen ist.

OB-Wahl I: 17 und 4

17 und 4 ist ein ziemlich lapidares Kartenspiel, bei dem – vereinfacht gesprochen – der gewinnt, der die Punktzahl 21 auf der Hand hat oder dem Wert sehr nahekommt. Da hat man sich fix verzockt. 17 und 4 ist eine Zahlenkombi, die seit Dienstag auch in der politischen Landschaft von Ludwigshafen eine ganz neue Bedeutung erhalten hat. Denn die Ziffern entsprechen der Mandatszahl von Union (17) und FWG (4) im Stadtrat. Das reicht zwar nicht für eine Mehrheit von 31 Stimmen, aber darum ging es den neuen Partnern auch gar nicht. Diese Woche haben sie im Verbund einen anderen Coup gelandet. Mit Klaus Blettner stellen CDU und Freie Wähler erstmals einen gemeinsamen Kandidaten für eine Oberbürgermeisterwahl auf. Ihre Zielgruppe im September 2025 ist „die bürgerliche Mitte“. Im Vorfeld hatten sich beide Seiten nicht in die Karten schauen lassen. Und die Gefahr, dass sie sich mit ihrer Personalie verzocken, ist relativ gering. Denn a) haben sie damit die Konkurrenz mächtig unter Druck gesetzt, speziell die SPD. Und b) haben sie mit dem BWL-Professor einen unverbrauchten Mann ins Rampenlicht gestellt, der wirklich will und sich – wie man hört – nicht zweimal bitten lassen musste. Ob die Genossen ein konkurrenzfähiges Ass im Ärmel haben, wird sich bald zeigen. Nach Blettners Kür darf man jedenfalls gespannt sein, welche OB-Karte die Roten im Kandidatenpoker ausspielen: Herz-Bube oder Herz-Dame?

OB-Wahl II: Kino und Popcorn

Mit Interesse beobachten auch die anderen Stadtratsfraktionen, was sich aktuell an der OB-Front tut. Das zeigen die Reaktionen. Liborio Ciccarello vom BSW sprach mit Blick auf Klaus Blettners OB-Nominierung von einem „genialen Schachzug“. Das kann man durchaus als Lob an CDU und FWG verstehen. Nicht zu Wort kam bisher die neben den Liberalen mit zwei Mandaten kleinste Fraktion im Stadtrat: das Bündnis aus Linke und Piraten: Fatma Yavuz und Heinz Zell. War kein böser Vorsatz, sie waren schlichtweg (und versehentlich) nicht im Verteiler, der als Anfrage an die Fraktionen herausging. Zell nimmt’s gelassen. „Es ist ja eigentlich alles gesagt. Guter Schachzug der CDU. Ich denke, dass der Professor eine bessere Figur im Wahlkampf machen wird als damals der Doktor.“ Mit Letzterem meint er CDU-Fraktionschef Peter Uebel, der 2017 in der Stichwahl Jutta Steinruck (früher SPD, heute parteilos) unterlegen war. Zell hat auch schon eine leise Vorahnung, wen die Genossen gegen Blettner ins Rennen schicken könnten, damit das im Herbst 2025 ein kinoreifes Finale wird. „Wenn die SPD zum Beispiel Kämmerer Andreas Schwarz aus dem Hut zaubert, wird es spannend, anspruchsvoll – und wir können uns schon mal Popcorn besorgen.“

ÖPNV: Taschen und Säcke

Wenn einer eine Reise tut ... dann kann er sich beschweren. Oder so. So hat die Redaktion am Dienstag eine überaus empörte Zuschrift bekommen, weil es mittags angeblich eine massive Störung bei den Straßenbahnen gegeben hat. Mitten im einsetzenden Nieselregen. Sauwetter. Wolkenbruch. So stand der Autor der Zuschrift am Pfalzbau und wartete an der Haltestelle. Mit ihm zahlreiche Schüler. Doch indes: Die Bahnen hatten Verspätung. Wenn eine kam, war sie überfüllt. Kein Reinkommen. Nichts. „Taschen und Rucksäcke ragten aus den Türen“, heißt es. Der Fahrer habe nur warten können. Oha. Eine Fahrerin einer nachfolgenden Bahn schickt dafür am Südwest-Stadion alle raus, weil die Verspätung sich zu weit ausgewachsen hatte. Ohje. Mal nachfragen. Der Mann bei den Rhein-Neckar-Verkehrsbetrieben schaut alles dreimal durch. Kein Unfall in der Zeit, keine Ausfälle. Nichts. Im dritten Durchgang findet er eine Störung auf der Linie 1 in Mannheim, Höhe Carl-Benz-Straße. Aber auf den gemeldeten Linien 6 und 6A: lief. Auch die 4. Irgendwann dämmert es: Der Regen war es. Also eher die Reaktion der Menschen darauf. Plötzlich wollten alle Straßenbahn fahren. Und ja, dann passiert es, dass Taschen und Rucksäcke Türen verstopfen, der Fahrplan durcheinandergerät und alle warten müssen. Aber eben nicht, weil der ÖPNV wetterfühlig wäre – sondern die Bahnen Opfer ihrer plötzlichen Beliebtheit werden.

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