Ludwigshafen
Pistorius oder Scholz? Wem die SPD-Basis mehr zutraut
„Die Diskussion zeigt, dass die SPD lebendig ist und sich aktiv mit wichtigen Themen auseinandersetzt. Unterschiedliche Meinungen sind wichtig, um die besten Entscheidungen zu treffen“, sagt Osman Gürsoy (35), Ortsvorsteher der Nördlichen Innenstadt. Scholz (66) wie auch Pistorius (64) seien „starke Persönlichkeiten, die unsere sozialdemokratischen Werte vertreten“. Zentral sei , dass die Partei am Ende geschlossen zusammenstehe und eine gemeinsame Lösung finde, meint der Stadtrat. Die SPD habe klare Prozesse, um solche Entscheidungen zu treffen. „Eine Abstimmung innerhalb der Partei kann sinnvoll sein, wenn sie gut vorbereitet ist und alle Mitglieder einbezogen werden“, so Gürsoys Fazit.
„Rasche Entscheidung“
„Wichtig ist, dass die K-Frage möglichst rasch geklärt wird, und sich die Partei geschlossen und motiviert für den anstehenden Wahlkampf hinter den Kandidaten stellt“, betont Stadtkämmerer Andreas Schwarz (56). Die Entscheidung über eine Kandidatur werde auf dem Bundesparteitag fallen. Für Schwarz haben Scholz und Pistorius jeweils das Format, das Land in schwierigen Zeiten auf Kurs zu halten. „Persönlich schätze ich Kanzler Scholz insbesondere wegen seiner besonnenen und verantwortungsbewussten Vorgehensweise in Bezug auf die internationalen Krisen – speziell seine Positionierung zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine“, sagt Schwarz. Die Ukraine müsse weiter unterstützt werden. Der Koalitionsbruch in Berlin ist für ihn kein Makel an der Kanzlerkompetenz von Scholz. Pistorius sei der beliebteste Politiker im Land und werde auch in der SPD sehr geschätzt – „aufgrund seiner Persönlichkeit, Klarheit und wie er das Amt des Verteidigungsministers ausfüllt“. In der K-Frage sei er selbst noch unentschlossen, räumt Schwarz ein. Er freue sich auf die parteiinterne Diskussion in den kommenden Tagen. „Auch wenn die Zeit drängt, wünsche ich mir eine Entscheidung, die die Parteibasis einbezieht“, bilanziert der Dezernent.
„Herz schlägt für Pistorius“
„Scholz wird’s wohl werden“, meint Günther Henkel (67), seit 35 Jahren SPD-Mitglied. „Mein Herz schlägt aber für Pistorius“, schiebt der ehemalige Ortsvorsteher von Friesenheim gleich hinterher. Nach den vorgezogenen Neuwahlen spreche die kurze Vorbereitungszeit eher dagegen, die K-Frage neu aufzuschnüren. Das sei ein Pluspunkt für Scholz, auch wenn dieser die Ampelkoalition letztlich nicht erfolgreich geführt habe, so Henkel. Noch stelle sich Pistorius hinter Scholz. Sollte es der SPD nicht gelingen, Ende Februar stärkste politische Kraft zu werden, worauf vieles hindeute, dann werde sie wohl Juniorpartner in einem Bündnis mit der CDU. Spätestens dann werde Pistorius an die SPD-Spitze rücken.
„Erfolge kaum vermittelbar“
Wie Kämmerer Schwarz hofft auch Oppaus Ortsvorsteher Frank Meier (62), dass die Parteibasis bei der Entscheidung in der K-Frage einbezogen wird. Weil es bis zum Wahltermin keine 100 Tage mehr sind, bezweifelt er allerdings, dass dieser Prozess noch auf den Weg gebracht werden kann. Meier spricht von „zwei guten Kandidaten“, neigt aber zu Pistorius. Scholz, der am 16. Dezember die Vertrauensfrage stellt, habe zwar gute Arbeit geleistet. Aber nach dem Aus der Ampel seien seine Leistung und bisherige Erfolge kaum noch vermittelbar.
„Scholz kein Sympathieträger“
Bereits ein halbes Jahrhundert in der SPD ist Eva Kraut, seit Ende 2018 Ortsvorsitzende in Friesenheim. Sie attestiert Scholz, in Berlin einen guten Job gemacht zu haben. „Er schafft es leider nicht, die Leute mitzunehmen und ist kein Sympathieträger. Bei den Menschen auf dem Marktplatz kommt nix an. Wir in Rheinland-Pfalz sind Politiker gewohnt, die ,nah bei de Leit’ sind“, sagt die 68-Jährige. Pistorius, den sie favorisiert, wirke volksnah. Geklärt werden müsse die Personalfrage von der Parteispitze, weil sie die Kompetenzen der beiden am besten einschätzen könne.
„Basis mit ins Boot holen“
Sylvia Weiler, Oggersheimer Ortsvorsteherin, sagt dagegen: „Man sollte die Basis mit ins Boot holen.“ An Scholz, dem sie den Vorzug gibt, imponiere ihr, dass er mit ruhiger Hand regiere. Pistorius komme als Typ gut an bei den Leuten. „Wer es auch wird, letztlich geht es immer um sozialdemokratische Werte“, sagt die 57-Jährige. „Ich will auf jeden Fall keinen CDU-Kanzler Friedrich Merz.“
Unsere gebündelte Berichterstattung zum Ende der Ampel-Regierung und den daraus folgenden Entwicklungen finden Sie hier.
