Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Ortsvorsteher auf der Zielgeraden

Schätzen und mögen sich: Günther Henkel (damals noch mit Bart) und Rita Augustin-Funck am Rande einer Stadtratssitzung im Pfalzb
Schätzen und mögen sich: Günther Henkel (damals noch mit Bart) und Rita Augustin-Funck am Rande einer Stadtratssitzung im Pfalzbau. Fürs Foto ist der SPD-Politiker etwas in die Knie gegangen. Denn mit seinem Gardemaß von 1,93 Meter überragt er die CDU-Politikerin um mehr als 30 Zentimeter.

Mindestens zwei der insgesamt zehn Ortsvorsteherposten werden bei der Kommunalwahl im Juni 2024 neu besetzt. Rita Augustin-Funck (Maudach) und Günther Henkel (Friesenheim) treten nicht mehr an. Ein Gespräch mit einem Duo, das überraschend viele Gemeinsamkeiten hat.

Dass sie ein Parteifreund liebevoll „Mama Maudach“ nennt, wie Rita Augustin-Funck schmunzelnd beim RHEINPFALZ-Gespräch in ihrem Büro im Schloss erzählt, sagt viel über die DNA der Christdemokratin aus. „Wir sind ja Ansprechpartner für alles, vom Zustand der Friedhofswege bis zu den Krisen dieser Welt“, sagt die 67-Jährige. Das nerve zwar schon mal, aber gerade die dörfliche Struktur des Stadtteils, in dem jeder jeden kenne, sei sein großes Plus. Ein spontanes Schwätzchen auf der Straße gehöre einfach dazu, selbst am Wochenende, und auch wenn man dafür vom Rad absteigen und die eigentliche Erledigung etwas warten muss. „Ich trage ja kein Schild auf der Stirn ’Bin gerade im Urlaub’“, sagt Augustin-Funck und lacht. Nähe ist für eine wie sie, die das Herz auf der Zunge trägt, ohnehin kein Problem. Zu viel Distanz sei fehl am Platz in der Kommunalpolitik. Schließlich will man ja wissen, was los ist und wo der Schuh drückt.

Resolut, direkt, zupackend und zugewandt hat die nur 1,62 Meter große Frau auch die aktuell sieben Männer im Ortsbeirat im Griff – ohne sie zu bevormunden. Die Rolle als Mutter der Kompanie liegt ihr halt. In gleich mehreren Vereinen engagiert, ist sie auch entsprechend gut vernetzt. 18 Jahre war Augustin-Funck Parteivorsitzende der Maudacher CDU, stolze fünf Jahrzehnte ist sie ehrenamtlich aktiv.

„Kein Wunschkonzert“

Das Kümmerer-Gen hat auch Günther Henkel. „Papa Friesenheim“ hat den mit 1,93 Metern Körperlänge hochaufgeschossenen Sozialdemokraten zwar noch niemand genannt. Aber wenn der 66-Jährige, der die Friesenheimer SPD zwölf und den VfR sieben Jahre lang führte, seine Aufgabe als Ortsvorsteher definiert, geht es genau in diese Richtung. „Ich habe mich immer als Übersetzer verstanden“, sagt Henkel. Im Ortsbeirat, um das häufig bürokratische Amtsdeutsch der Verwaltung zu entschlüsseln. Und gegenüber „den einfachen Menschen“, um zu erklären, welche Konsequenzen politische Entscheidungen im Alltag haben, warum manches schneller geht und anderes, wie beispielsweise die Sanierung der Straßenbahnlinie 10, eben länger dauert und teurer wird.

Fingerzeig beim RHEINPFALZ-Interview: Henkel würdigt Augustin-Funcks pragmatischen Politikstil.
Fingerzeig beim RHEINPFALZ-Interview: Henkel würdigt Augustin-Funcks pragmatischen Politikstil.

Ähnlich ergeht es Augustin-Funck mit der Grundsanierung der Maudacher Straße. „Das Ganze liegt schon zweieinhalb Jahre beim Land“, ärgert sie sich. Die Hoffnung, dass sich da in den nächsten sechs Monaten noch etwas bewegt, hat sie noch nicht aufgegeben. Der Aufbau der instabilen Friedhofsmauer und der Aufzug fürs Schloss stehen bis zum Sommer außerdem auf ihrer Agenda. Aus leidvoller Erfahrung weiß die gelernte Industriekauffrau aber auch: „Politik ist kein Wunschkonzert.“ Schon gar nicht im hoch verschuldeten Ludwigshafen. Dass es ihr gelungen sei, in Maudach eine intakte Infrastruktur zu etablieren, verbucht sie insofern als Erfolg.

Arzt rät ab von Kandidatur

Mit dem Rückzug von Augustin-Funck und Henkel endet in Maudach wie auch in Friesenheim, das mit 19.000 fast dreimal so viele Einwohner zählt, jeweils eine Ära. Sie tritt nach 15 Jahren nicht mehr an. Er hört nach zehn Jahren auf. Im Unterschied zu Augustin-Funck hätte Henkel gerne weitergemacht, doch der Arzt hat ihm davon abgeraten.

„Mit zwei Herzinfarkten habe ich meinen Preis bezahlt“, erklärt er seinen der Vernunft geschuldeten Verzicht. Die vielen Begegnungen mit Menschen, die sich in seinem Büro einfach auch mal den Frust von der Seele reden konnten, werde er vermissen. Ebenso die Jubilarbesuche, immerhin mehrere Hundert im Jahr.

„Blutige Nase“ geholt

Sorgen bereitet ihm die wachsende Anzahl von Problemimmobilien und die rückläufige Nahversorgung in „Rollatorreichweite“ – denn in Friesenheim wohnen überdurchschnittlich viele Senioren. Die Sanierung der Sternstraße verbucht Henkel seinerseits als Erfolg und hofft, dass der geplante Umbau des Unfallschwerpunkts Stern-/Industriestraße zur hochmodernen Verkehrskreuzung noch innerhalb seiner Amtszeit beginnen kann.

Gestenreich beim RHEINPFALZ-Gespräch: Henkels Herzblut für Friesenheim gefällt Augustin-Funck.
Gestenreich beim RHEINPFALZ-Gespräch: Henkels Herzblut für Friesenheim gefällt Augustin-Funck.

Beide Ortsvorsteher verbindet nicht nur, dass sie sich nun auf der Zielgeraden ihrer politischen Laufbahn befinden und im Gespräch den überparteilichen Charakter ihrer ehrenamtlichen Aufgabe betonen. Auch in den Anfangsjahren gab es Parallelen. Da holten sich Augustin-Funck wie auch Henkel zunächst mal jeweils „eine blutige Nase“. Sie unterlag bei der ersten Kandidatur der damaligen Amtsinhaberin Helga Kehl (SPD), er dem „Titelverteidiger“ Carlo Saxl (CDU).

Enges Rennen in beiden Stadtteilen

Augustin-Funcks Talent wurde nach einer Fürbitte in der Kirche von CDU-Urgestein Berthold Messemer entdeckt. Ihre Bedingung: ein aussichtsreicher Platz auf der Ortsbeiratsliste, woraufhin Messemer seinen zur Verfügung stellte. Henkel wurde von Ex-Ortsvorsteher Reinhold Schuhmacher umworben – mit dem Auftrag, die Friesenheimer SPD wieder aufzubauen, die damals 15 Prozent hinter der CDU rangierte. Auch wenn seine Wahlsiege 2014 und 2019 jeweils denkbar knapp waren, ist Henkel das geglückt.

Im Juni will ihn seine Stellvertreterin Eva Kraut (67) beerben. Die Parteikollegin möchte er ihm Wahlkampf nach Kräften unterstützen und sich dann komplett aus dem politischen Geschäft zurückziehen. In Maudach kann sich CDU-Mann Andreas Olbert (52) auf die Rückendeckung von Augustin-Funck verlassen. In beiden Stadtteilen dürfte es ein enges Rennen geben, weil weitere bekannte Gesichter am Start sind: in Friesenheim Thorsten Ralle (56) für die CDU, in Maudach Walter Benz (71) für die SPD.

Abschied beim Tag der offenen Tür

Augustin-Funck will sich am 17. Mai, 17 Uhr, mit einem Tag der offenen Tür im Schloss von den Maudachern verabschieden und verzichtet daher auf einen Neujahrsempfang. „Endlich in Ruhe Zeitung lesen und den Garten so gestalten, wie ich es will – mehr Gemüse, mehr Blumen.“ Darauf freut sie sich in der Zukunft. Henkel lädt für 6. Januar, 17 Uhr, zu seinem letzten Neujahrsempfang in die TSG-Halle ein und hat schon ein Projekt für den „Ruhestand“ im Auge: ein Buch mit 50 Geschichten über launige Erlebnisse und Anekdoten in seiner Zeit als Ortsvorsteher. „46 habe ich schon zusammen.“

Zur Person

Rita Augustin-Funck, 67, verheiratet, in Ludwigshafen geboren, ist Mutter zweier erwachsener Zwillingssöhne und seit 15 Jahren – drei Amtszeiten – Ortsvorsteherin in Maudach (6700 Einwohner). Seit 1999 ist sie in der CDU, die sie auch im Stadtrat vertritt. Die gelernte Industriekauffrau hat früher bei den Pfalzwerken gearbeitet. Sie hat zwei Enkelkinder.
Günther Henkel, 66, verheiratet, drei Kinder, fünf Enkel, in Schwetzingen geboren, aufgewachsen in Mannheim, ist seit zehn Jahren Ortsvorsteher in Friesenheim (19.000 Einwohner), wo er seit 23 Jahren lebt. Mit 35, also 1992, ist er zur SPD gestoßen, für die er im Stadtrat sitzt. Bis 2019 war er für die BASF tätig, zuletzt als Produktionsplaner und Controller.

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