Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kitas wünschen sich Corona-Testpflicht

Rund ein Drittel der Eltern der protestantischen Kita Kunterbunt in der Gartenstadt erlaubt, dass ihr Kind an freiwilligen Schne
Rund ein Drittel der Eltern der protestantischen Kita Kunterbunt in der Gartenstadt erlaubt, dass ihr Kind an freiwilligen Schnelltests in der Kita teilnimmt.

Mit Blick auf die Omikron-Variante haben diese Woche mehrere Bundesländer eine Testpflicht in Kindertagesstätten eingeführt – nach wie vor freiwillig ist dieses Testen hingegen in Rheinland-Pfalz. Die Verantwortlichen für die Ludwigshafener Kita Kunterbunt in der Gartenstadt sehen das eher kritisch.

Wie kann man angesichts der prognostizierten Omikron-Welle für einen höheren Schutz von Kita-Kindern sorgen? Diese Frage treibt auch die Verantwortlichen der protestantischen Kita Kunterbunt in der Gartenstadt um. Ein wesentlicher Baustein ist aktuell das Testen, und das übernehmen in der Kita Kunterbunt seit geraumer Zeit die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes.

„Meistens sind es zwei Personen, die testen, manchmal kommt ein DRK-Mitarbeiter“, erzählt Melanie Barie-Rausch, Leiterin der Kita Kunterbunt. Durchgeführt werde das Testen kindgerecht, immer mit von der Partie sei zum Beispiel eine Handpuppe namens Paula. „Das DRK unterstützt übrigens alle protestantischen Kitas in der Stadt“, erzählt Pfarrer Frank Wolf, der im protestantischen Kirchenbezirk Ludwigshafen die Gesamtleitung des Verbunds der Kitas innehat. „Wenn ein Kind beim Testen nicht mitmachen will, zwingen wir es nicht“, betont Barie-Rausch, die in der Kita Kunterbunt täglich rund 45 Minuten für den Besuch der DRK-Mitarbeiter einplant. Die Kosten für diese Tests übernehme der Bund.

Diskussionsbedarf bei Eltern

„Aktuell hat etwa ein Drittel unserer Eltern das Einverständnis für das Testen ihrer Kinder gegeben“, erzählt Barie-Rausch, die sich persönlich über eine höhere Beteiligung freuen würde. „Manche Eltern haben diesbezüglich Ängste, aber wir versuchen immer wieder, für die Testungen zu werben.“ Von wirklich großer Sicherheit könne man nicht sprechen, wenn nur rund ein Drittel der Kinder regelmäßig getestet werde, sagt Frank Wolf. „Die Testpflicht würden wir uns wünschen“, betont er deshalb.

Fragt man ihn nach der derzeitigen Stimmungslage bei den Eltern, dann sagt der 46-Jährige: „Es gibt jene, die sich wenig äußern und ohne viel Aufhebens das Testen erlauben, jene, die es für ihre Kinder als gefährlich erachten und dann noch jene, die höhere Schutzmaßnahmen und somit auch die Testpflicht fordern.“

Die meisten Diskussionen führe er aktuell mit der letztgenannten Gruppe. Wolf: „Unter anderem geht es dabei etwa um die Forderung, dass die Kita-Gruppen nach dem Status ’getestet’ oder eben ’nicht getestet’ neu aufgeteilt werden sollten.“ Spezielle „Corona-Settings“ könne man allerdings nicht anbieten, erklärt Melanie Barie-Rausch, denn dies könne vom Personalaufwand her nur über reduzierte Öffnungszeiten geregelt werden. „Unsere Öffnungszeiten reduzieren, dürfen wir allerdings nicht“, ergänzt Frank Wolf.

Bisher kein Kind positiv getestet

Insgesamt seien viele Eltern mittlerweile „müde vom Thema“ und hätten Sorge, was passiert, wenn ihr Kind positiv getestet werde. Bisher habe es in der Kita Kunterbunt kaum Corona-Fälle gegeben: „Ein Fall wurde uns zum Beispiel in den Weihnachtsferien gemeldet, der hat unseren Alltag dann zum Glück nicht durcheinandergebracht“, erzählt Barie-Rausch. Bei den Testungen durch das DRK sei bisher kein Kind positiv getestet worden.

Was derzeit allerdings passieren kann, wenn ein Schnelltest dann doch mal positiv ausfällt, das erläutert Frank Wolf anhand eines Beispiels aus einer anderen protestantischen Kita: „Dort mussten wir schon einmal 60 Kinder nach Hause schicken, weil es sich um ein ’offenes Haus’ handelt, in dem die Kinder durchgängig sämtliche Räume nutzen dürfen.“ Diese 60 Kinder dürften sich prinzipiell sofort wieder „freitesten“, wie Wolf erläutert. „Dafür erhalten sie von uns auch einen entsprechenden Zettel. Allerdings sind die Labore im Moment einfach so ausgelastet, dass es mitunter bis zu vier Tage dauern kann, bis die Eltern das Ergebnis eines solchen PCR-Tests bekommen. So lange ist das Kind in der Absonderung.“

Nur ohne Husten in die Kita

Dass in solchen Momenten bei Eltern viele Fragen auftauchen, sei völlig klar, sagt Barie-Rausch, die zudem noch weitere Regelungen nennen kann, die aktuell zu Diskussionen führen. So gelte derzeit etwa, dass Kinder, die Husten haben, komplett symptomfrei sein müssen, bevor sie wieder in die Kita zurückdürfen. „Das kann aber natürlich ein paar Wochen dauern“, weiß die 39-Jährige aus Erfahrung. Auch ein negativer PCR-Test erlaube es den Kinder in solch einer Situation nicht, wieder in die Kita zurückzukommen.

Und wie sieht es mit dem Testen beim Kita-Personal aus? „Zwei Schnelltests pro Woche muss ich anbieten“, erklärt Frank Wolf, „und die hat bisher das Land geliefert und auch bezahlt.“ Mittlerweile gebe es allerdings keine Landesmittel mehr für die Mitarbeiter-Tests, kritisiert er. „6000 Euro haben wir in den Monaten November und Dezember für Mitarbeiter-Schnelltests in unseren 20 Kitas bezahlt – wenn man das auf das kommende Jahr hochskaliert, sind das enorme zusätzliche Kosten für uns.“

Kündigungen wegen Maskenpflicht

Diejenigen Mitarbeiter, die bisher noch nicht geimpft seien, müssten aufgrund der 3G-Regelung am Arbeitsplatz täglich ein negatives Testzertifikat vorlegen, erklärt Wolf. Eine Selbsttestung in diesem Fall sei im protestantischen Kita-Verbund nicht möglich.

Dass es auch unter Erzieherinnen und Erziehern jene gibt, die Corona-Maßnahmen gegenüber sehr kritisch eingestellt sind, darauf deutet Wolfs Resümee in Sachen Maskenpflicht hin: „Die Masken mussten in den Kitas eine Zeit lang immer getragen werden, das hat uns im Kirchenbezirk drei, vier Mitarbeitende gekostet.“ Heute dürften Erzieher bei ihrer pädagogischen Arbeit mit den Kindern die Maske ablegen, in allen anderen Situationen bestehe jedoch die Pflicht, entweder eine medizinische oder eine FFP-2-Maske zu tragen.

Melanie Barie-Rausch
Melanie Barie-Rausch
Frank Wolf
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