Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Angebot: Taxi bestellen per App

100 Taxis sind in Ludwigshafen unterwegs – aber nicht alle gleichzeitig.
100 Taxis sind in Ludwigshafen unterwegs – aber nicht alle gleichzeitig.

Die Taxi-Branche hat vielerorts zu kämpfen. In Ludwigshafen will sie mithilfe eines App-Anbieters neue Kunden gewinnen. Eine weitere Änderung hängt von Stadt und Politik ab.

Die Taxi-Branche ist im Umbruch. Zum einen sind die Fahrten in der Corona-Pandemie eingebrochen. Seitdem hat sich das Geschäft vielerorts nicht so richtig erholt. Zum anderen sind Plattformbetreiber wie Uber eine Konkurrenz. Die Taxi-Zentrale Ludwigshafen erhofft sich nun von der Zusammenarbeit mit dem europaweit agierenden Mobilitätsdienstleister Freenow, mehr Kunden zu erreichen. Fahrgäste können ab sofort lokale Taxis direkt per App buchen. Die Verantwortlichen sehen darin einen wichtigen Schritt, um dem wachsenden Druck durch Mietwagen- und App-Anbietern etwas entgegenzusetzen. Es geht um nicht weniger als die Konkurrenzfähigkeit des Taxis.

Burak Caglar ist Vorsitzender der Taxi-Zentrale Ludwigshafen. Er selbst betreibt zehn Wagen. „Wir haben insgesamt etwa 30 Prozent weniger Aufträge als vor Corona. Früher hatten wir zum Beispiel viele Fahrten von der BASF zum Flughafen nach Frankfurt. Mittlerweile gibt es weniger Geschäftsreisen. Man macht heute mehr Konferenzen per Video“, sagt er.

So funktioniert die App

Bislang gab es zwei Möglichkeiten, um in Ludwigshafen Taxi zu fahren. Entweder man bestellte telefonisch einen Wagen oder stieg an einem Taxistand ein. Nun kommt das Unternehmen Freenow ins Spiel. Dessen App stellt eine direkte Verbindung zwischen Fahrgästen und Taxifahrern her. Und so funktioniert das: Ein Interessierter lädt sich die App aufs Smartphone und registriert sich kostenlos. Der Standort wird geortet, den Zielort gibt der Kunde ein. Dann erhält er den geschätzten Fahrpreis. Geschätzt, weil nach Taxameter abgerechnet wird. „Über die App kann man auch Kontakt mit dem Fahrer aufnehmen. Am Ende wird die Fahrt entweder bar oder bargeldlos bezahlt. Eine Bewertung der Fahrt ist ebenfalls möglich“, erklärt Freenow-Chef Alexander Mönch die weiteren Details.

Der Freenow-Vorgänger Mytaxi wurde zunächst als reine Taxi-App im Jahr 2009 gegründet und gehört seit Februar 2019 zum neuen Mobilitäts-Joint-Venture von Daimler und BMW. Mönch kennt die harte Konkurrenz in dem Geschäft, schließlich vermittelte auch sein Unternehmen Fahrten mit Mietwagen. So wie Uber das tut. In Großstädten wie Berlin ist das Mietwagen-Angebot der App-Betreiber zu einer geradezu ruinösen Konkurrenz für das Taxigewerbe geworden. Freenow habe sich aus dem Geschäft zurückgezogen, weil es nicht möglich sei, über die Runden zu kommen, ohne die Regeln zu brechen, so Mönch.

„BASF großer Partner“
Blick in die Ludwigshafener Taxi-Zentrale: Im Hintergrund (v. l.) die Vorstände Burak Caglar und Peter Scheffel sowie Freenow-Ch
Blick in die Ludwigshafener Taxi-Zentrale: Im Hintergrund (v. l.) die Vorstände Burak Caglar und Peter Scheffel sowie Freenow-Chef Alexander Mönch.

Bislang sind vier oder fünf Taxifahrer in Ludwigshafen für Freenow unterwegs gewesen. „Die BASF ist ein großer Partner von uns. Diese Kooperation und Ludwigshafens Nähe zu Mannheim hat die Region für uns interessant gemacht“, erklärt Mönch. Das bedeutete, dass Taxifahrer über ein Handy Fahrten über die App, über ein anderes Fahrten von der Taxi-Zentrale angenommen hat. Was ab sofort neu ist: Freenow tritt nicht mehr als Konkurrent auf zur Taxi-Zentrale, sondern beide Seiten wollen gewissermaßen ihre Kräfte bündeln.

Laut Burak Caglar ist bislang die Hälfte der 100 Taxis, die auf den Ludwigshafener Straßen unterwegs sind, bei der App angemeldet. „Und der Rest wird es nach und nach auch sein“, betont er. Die 26 Unternehmen, die an die Taxi-Zentrale angeschlossen sind, haben seinen Worten zufolge also Offenheit gegenüber der Neuerung signalisiert. „Ich kenne das ja von mir. Wenn ich alles mit dem Handy machen kann – vom Essen- bis zum Taxibestellen –, bin ich froh“, sagt Burak Caglar. Und sein Vorstandskollege Peter Scheffel ergänzt: „Es sind fast nur noch die älteren Leute, die zum Telefonhörer greifen, um ein Taxi zu bestellen. Die werden irgendwann ausgestorben sein.“

Preise und Tarife

Ein weiteres Thema, das die Taxibranche vielerorts beschäftigt: Festpreise beziehungsweise sogenannte Tarifkorridore. Aktuell setzen sich die Kosten für eine Taxifahrt in Ludwigshafen so zusammen: 3,60 Euro Grundpreis, die ersten drei Kilometer 2,90 Euro, jeder weitere 2,20 Euro. Die Dauer der Fahrt fließt ebenfalls in den Endpreis ein – und die ist vom Verkehr abhängig. Anbieter wie Uber können Festpreise anbieten, weil für sie keine Tarifpflicht gilt. Das ist für Kunden transparenter. Für Uber sind zwar innerhalb Ludwigshafens keine Mietwagen unterwegs, aber Unternehmen aus anderen Städten können freilich die größte pfälzische Stadt ansteuern. Was laut Scheffel auch vorkommt.

Solche festen Preise hätte Burak Caglar auch lieber heute als morgen. „Die ersten Gespräche mit der Stadt laufen. Am Ende müsste der Stadtrat zustimmen“, erklärt er. Diese Modelle setzen sich in immer mehr Städten durch. Der Bundesverband Taxi fordert für einen fairen Wettbewerb darüber hinaus Mindesttarife für Mietwagen. Der Umbruch in der Taxi-Branche geht also weiter.

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