Mannheim
Neue Konkurrenz für Taxifahrer
Die Taxiunternehmen stehen vor vielen Herausforderungen: gestiegene Spritpreise, Tariferhöhung, Zurückhaltung aufgrund Energiekrise und Inflation nach zuvor zwei Jahren Pandemie mit Lockdown und Co. Nun kommt in Mannheim noch ein weiterer Krisen-Faktor dazu: Mit der Fahrtenvermittlung „Uber“ ist seit ein paar Wochen ein neuer Konkurrent auf den Straßen der Quadratestadt unterwegs. Doch die Mannheimer Taxifahrer reagieren laut der Taxi-Zentrale geschlossen gegen das neue Angebot und lassen sich nicht über die App buchen.
Seit Ende Oktober kann die digitale Plattform des weltweit agierenden US-Unternehmens „Uber“ auch in Mannheim genutzt werden. Laut den Betreibern soll es ein ergänzender Vermittlungsservice für das bestehende Angebot sein. „Die Nachfrage nach flexibler Mobilität in der Region Rhein-Neckar ist sehr hoch. In den vergangenen zwölf Monaten verzeichneten wir rund 400.000 Bestellversuche in und um Mannheim“, sagt Christoph Weigler, Uber-Chef Deutschland, zum Start. Mit dem Vermittlungsservice in Mannheim biete man lokalen Taxi- und Mietwagenunternehmen zusätzliche Verdienstmöglichkeiten.
Solidarische Fahrer
Von diesen zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten aber wollen die hiesigen Taxifahrer laut der Taxi-Zentrale nichts wissen. „Es gibt kein Zusammenspiel“, sagt Geschäftsführer Jürgen Schwarz. „Die Fahrer zeigen sich solidarisch und wollen nicht mit dem Anbieter zusammenarbeiten.“ Nur ein externer Taxi- und Mietwagenunternehmer sei nun im Dienste des neuen Wettstreiters gewerblich in Mannheim tätig. Operiert werde dabei mit Fahrern aus einer anderen Stadt, die darauf warten, in Mannheim Aufträge zu bekommen. „Man lässt die Fahrer jeden Tag von weit außerhalb für die Fahrtätigkeit in Mannheim herbeichauffieren. Nicht nur aus diesem Grunde erscheint das Geschäftsmodell wenig lukrativ und damit zweifelhaft“, so Schwarz.
Langfristig müsse man abwarten, ob sich das Geschäft für die neuen Betreiber rechnet oder ob sie sich wie in einigen Kommunen bereits geschehen wieder zurückziehen. „Einstweilen müssen wir die neue Herausforderung annehmen“, verdeutlicht Schwarz. Gleichzeitig arbeiten die Taxiverbände und –zentralen bundesweit an der Durchsetzung einer gesetzlichen Regelung, die vor allem bezüglich der „Dumpingpreise“ des US-Konkurrenten einen weiterhin fairen Wettbewerb ermöglichen soll.
Warnendes Beispiel Hannover
Der Geschäftsführer ist vorgewarnt: In Hannover habe die Einführung des Uber-Angebots einen Verlust von schätzungsweise 20 Prozent ausgemacht. „Auch in anderen Städten hat es einen massiven wirtschaftlichen Eingriff bedeutet. Auch wir rechnen mit Verlusten, die auch im Zusammenhang mit der aufkommenden Rezession stehen“, betont Schwarz.
Denn unabhängig von der Konkurrenz aus dem Smartphone plagen die angestammten Taxifahrer derzeit noch ganz andere Sorgen. „Nach den Corona-Lockdowns ging es in den Sommermonaten aufwärts. Bis Ende Oktober hatten wir fast Auftragszahlen wie vor der Pandemie und mit der Time Warp, dem Nachtwandel oder den Oktoberfesten einen Herbst-Hype erlebt. Aber jetzt bröckelt es wieder ab“, sagt Schwarz. Seit Monatsbeginn seien die Aufträge wieder rückläufig. Ob es mit Uber zusammenhängt, sei noch nicht messbar. „Die Leute halten jetzt aufgrund der erhöhten Energiekosten ihr Geld zusammen“, weiß er.
Tarife ziehen an
Betriebsveräußerungen und vorübergehende Stilllegungen gab es seit Corona verstärkt, aber auch neue Taxibetreiber sind wieder am Start. „An sich sind immer noch genauso viele Taxis gemeldet, da hatten wir keine Einschnitte durch Insolvenzen. Aber die Aufträge nehmen ab, sie liegen etwa acht Prozent unter dem Wert von 2019“, schätzt Schwarz. Die im August erfolgte Tariferhöhung um zehn Prozent habe zudem lediglich Preissteigerungen der letzten sieben Jahre abgebildet. „Die erhöhten Spritkosten sind da noch gar nicht eingepreist“, sagt er. Der erfahrene Taxifahrer rechnet damit, dass im kommenden Jahr eine weitere Tariferhöhung ansteht.
Der Dezember sei für gewöhnlich der umsatzstärkste Taxi-Monat. Aufgrund des Ausbleibens von Betriebsfeiern und Shopping-Touren war die Weihnachtszeit in den Corona-Jahren aus Taxi-Sicht aber auch die größte Flaute. „Nun sind wir selbst gespannt und hoffen, dass wir gut durch den Winter kommen“, betont Schwarz, und freut sich mit Blick auf das Jahr 2023 auf die Bundesgartenschau. „Das wird mit Sicherheit einen Auftragsschub geben.“
Vorausgesetzt, das Verkehrschaos hat bis dahin abgenommen. Gesperrter Fahrlachtunnel, Bauarbeiten an der Kurpfalzbrücke, Verkehrsversuch in der Innenstadt. „Das sind natürlich auch die Themen unter uns Taxifahrern – und ein Problem: Manchmal haben wir Auftragsspitzen, dann sind unsere Fahrzeuge voll ausgelastet und kaum ein Taxi verfügbar. Aber nicht wegen der überbordenden Nachfrage, sondern weil viele Taxifahrer buchstäblich im Stau stehen.“
Noch Fragen?
Uber ist ein Technologieunternehmen aus San Francisco, das sich auf Beförderungsangebote und Lieferdienste per Smartphone-App spezialisiert hat. Die Mobilitätsplattform reicht von der Fahrtenvermittlung bis zu Essenslieferdiensten. In Deutschland ist der Fahrservice in 17 Städten verfügbar.