Ludwigshafen
„Hier werden Existenzen zerstört“: Warum Taxifahrer lautstark protestieren
Kollegen aus Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis, aus Mannheim und sogar aus Heidelberg waren zu der gemeinsamen Protestfahrt aufgerufen. Zumeist Selbstständige oder Kleinunternehmer mit drei bis sechs Fahrzeugen. „Ich würde sagen, dass im Rhein-Neckar-Kreis rund 400 Taxis fahren. Davon sind einige Fahrzeuge doppelt belegt. Betroffen sind also bestimmt 500 Familien“, rechnete Senck vor. Alles Familien, die seit Beginn der Corona-Pandemie erhebliche finanzielle Einbußen haben.
„Unser Hauptgeschäft ist nachts“, erklärte Jürgen Schwarz, Vorsitzender der Taxi-Zentrale Mannheim. Während des „großen Lockdowns“ von März bis Mai bedeutete dies durch das Fehlen der Gastronomie und der Veranstaltungshäuser bereits große Einschnitte, die nun auch im November wieder zu erwarten sind. Homeoffice und damit fehlende Geschäftsreisende seien ein weiterer Zweig, der weggebrochen ist. „Und dann sind auch noch die Krankenfahrten weggebrochen, weil sich gerade ältere und kranke Menschen nicht einmal mehr vor die Tür getraut haben, um zum Arzt zu fahren“, so Senck. Grund genug also, für einen elfenbeinfarbenen Protestzug, der laut hupend durch die Straßen in Mannheim und Ludwigshafen fuhr.
Bewusst sonntags
„Wir haben uns dafür bewusst für den Sonntag entschieden“, erklärte der Ludwigshafener Veranstalter. An einem Wochentag oder gar noch im Berufsverkehr wäre der Zug in der Blechlawine untergegangen. In Absprache mit Polizei und Genehmigungsbehörde sei deshalb ausnahmsweise der Sonntag für die Demonstration freigegeben worden.
Ein wenig mehr Resonanz hätte sich der Organisator allerdings erhofft. Angemeldet hatte er schließlich 150 Fahrzeuge. Aber gerade in Mannheim und Heidelberg war er mit seiner Protestidee offensichtlich auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Viele befürchten, dass hier ihre Lizenznummer notiert wird und sie anschließend Probleme bekommen.“ Dabei sei der Protest nicht nur legitim, sondern dringend notwendig. Hier werden die Existenzen von Kleinunternehmen und Selbstständigen systematisch zerstört“, erklärte der Mannheimer Edin Sehovic, der seit 30 Jahren fährt und seit 20 Jahren selbstständig ist. „Wir wollen keine Almosen, sondern in Würde arbeiten“, bekräftigte er und verwies auf das Ungleichgewicht der Unterstützung: „Große Unternehmen werden mit Millionen unterstützt, aber bei uns werden Existenzen vernichtet.“
„Wurden gehört und gesehen“
Dabei stehe man dem Lockdown nicht negativ gegenüber, erklärten die Vorsitzenden der Taxi-Zentralen aus Ludwigshafen und Mannheim, Ralf Senck und Jürgen Schwarz. Aber sie erwarten eine angemessene Unterstützung. „Wir haben mit der Betriebspflicht schließlich gewisse Vorgaben vom Gesetzgeber“, erläuterte Senck. Demnach müssen die Mietautos inklusive Fahrer rund um die Uhr zur Verfügung stehen – mit entsprechenden Fixkosten. Da helfe auch eine Einmalförderung von 15.000 Euro wenig, die zudem auch noch versteuert werden müsse, schimpfte Senck. Er rechnete vor: „Davon bleiben nur rund 9000 Euro für drei Monate, aber die Kosten belaufen sich in dieser Zeit auf 25.000 Euro.“ Grund genug also für den hupenden Protestzug, der sich eventuell Mitte des Monats noch einmal wiederholen könnte. „Immerhin wurden wir heute gehört und auch gesehen, aber aus meiner Sicht waren viel zu wenige Kollegen aus Mannheim und Heidelberg mit dabei. Deshalb werde ich eventuell noch einmal aktiv“, meinte Ralf Senck.