Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Linie bindet Prestige-Stadtteil ans Straßenbahn-Netz an

Die RNV gibt den Startschuss für die neue Linie.
Die RNV gibt den Startschuss für die neue Linie.

Der noch junge Mannheimer Stadtteil Franklin ist für das ganze Land Baden-Württemberg eine Art Versuchslabor. Werden die Menschen dort ihr Mobilitätsverhalten ändern?

Die neue Stadtbahnlinie 16 ist gerade einmal 1,8 Kilometer lang und hat nur drei Haltestellen. Doch für den noch jungen Mannheimer Stadtteil Franklin bedeutet sie die direkte Anbindung an die Linie 5 in Richtung Mannheim-Käfertal und weiter zum Hauptbahnhof auf der einen, in Richtung Viernheim/Weinheim auf der anderen Seite. Denn nach knapp zwei Jahren Bauzeit ist die barrierefrei ausgebaute Linie 16 seit Sonntag im Regelbetrieb und verbindet im 20-Minuten-Takt die drei neuen Haltestellen Sullivan, Franklin-Mitte und Franklinschule mit dem bereits bestehenden und in diesem Zusammenhang ebenfalls barrierefrei ausgebauten Haltepunkt Bensheimer Straße.

Dass der knapp zwei Kilometer langen Schienenstrecke perspektivisch jedoch eine weitaus größere Bedeutung zukommt, betonen sowohl Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) als auch Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zum Start des Fahrbetriebs. Vor wenigen Tagen hatten Bewohner von Franklin schon mal Gelegenheit, den neuen Pendelbetrieb mit kostenlosen Schnupperfahrten zu testen.

Ein Leben ohne Auto?

„Wir haben es hier mit einem wesentlichen Baustein des Konversionsnetzes Mannheim zu tun“, sagt Specht. Das aus acht Einzelmaßnahmen bestehende Großprojekt soll den Mannheimer Stadtbahnverkehr in den nächsten Jahren ausbauen und die neuen Stadtquartiere erschließen. Entscheidend für die Franklin-Linie 16 ist, dass sie nach der Kapazitätserweiterung des Bahnhofs Käfertal nicht wie jetzt nur an die Haltestelle Bensheimer Straße angebunden wird, sondern ab 2027 als eigene Trasse in Richtung Innenstadt durch das Glückstein-Quartier bis nach Rheinau geführt wird.

Die neue Stadtbahnlinie gilt zugleich als weiterer Baustein des Mobilitätskonzepts für Franklin. „Hier wird sich zeigen, ob wir die Menschen über Angebote zu einer Veränderung ihres Mobilitätsverhaltens bringen können“, meint Specht. Er spricht von einem „Reallabor für die Verkehrswende“. Der Stadtteil ist nämlich darauf ausgelegt, aufs eigene Auto zu verzichten, und er bietet mit seinen vielen Radwegen, dem Verleih von Lastenrädern, Sharing-Angeboten im Bereich der E-Mobilität oder dem On-Demand-Shuttle „Fips“ einen ganzen Mix an Mobilitätsangeboten für die aktuell 6749 Bewohner. Am Ende werden es 10.000 sein, die auf Franklin leben. Von einem Stadtteil der Zukunft ist schließlich immer wieder die Rede gewesen.

Testfeld für autonomes Fahren

Auch in Stuttgart richtet man ein besonderes Augenmerk auf dieses Stadtquartier. Neben einem Areal in Friedrichshafen, der Stadt am Ufer des Bodensees, ist Franklin nach den Worten von Verkehrsminister Hermann in Baden-Württemberg Testfeld für autonomes Fahren. Franklin insgesamt bezeichnet er als ein Vorbildquartier für neue Mobilitätsangebote sowie Beispiel für neues Bauen in Baden-Württemberg. Er habe auf der Fahrt mit der Linie 16 eine tolle Mischung aus verschiedenen Bauweisen, Wohnformen, viel Grün und soziale Einrichtungen an sich vorüberziehen sehen.

Hermann hat zugleich den Förderbescheid für die Strecke durch Franklin, die insgesamt 33 Millionen Euro kostet, übergeben. Bund und Land beteiligen sich daran mit knapp 19,9 Millionen Euro. Den Löwenanteil trägt zwar der Bund. Doch die 3,7 Millionen Euro des Landes stellen laut Hermann eine der höchsten Förderungen des Verkehrsministeriums in diesem Jahr für ein kommunales ÖPNV-Projekt dar. Auch den Förderbescheid für die vor der Bundesgartenschau abgeschlossene Kapazitätserweiterung der Haltestelle Mannheim Hauptbahnhof in Höhe von rund 13,2 Millionen Euro hatte Herrmann mitgebracht. Die Gleisanlage an dem Knotenpunkt wurde 2022 völlig neu geordnet. Direkt am Hauptbahnhof verschwanden damals drei Bahnsteige und sie wurden durch zwei neue in behindertengerechter Form ersetzt. Zwei weitere Bahnsteige – ebenfalls behindertengerecht – entstanden am Ring. Damals wurden insgesamt 1000 Meter Gleis verlegt. Doch nicht nur das: Damit sich der Platz am Hauptbahnhof zur Bundesgartenschau von seiner schönsten Seite zeigen konnte, bekam er ein völlig neues Gesicht.

Es wird wohl nicht der letzte Scheck aus Stuttgart gewesen sein. „Weitere Förderanträge sind schon in Vorbereitung“, sagt Marcus Geithe, der Geschäftsführer der Mannheimer Verkehr GmbH. Hermann widerspricht nicht und gibt sich stattdessen überzeugt davon, dass ein guter ÖPNV echten Mehrwert für den Alltag der Menschen vor Ort bedeute und Städte somit lebenswerter mache.

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