Interview
Mit 20 CDU-Vorsitzender: Was ist schiefgelaufen in Ihrem Leben, Herr Caruana?
Herr Caruana, mit 20 CDU-Ortsverbandsvorsitzender: Was ist in Ihrem Leben falsch gelaufen?
(lacht) Sehr gute Frage. Der eine oder andere würde vielleicht sagen, ich bin irgendwann falsch abgebogen. Aber das würde ich so natürlich nicht unterschreiben.
Ich nehme mal an, weil Sie ganz bewusst den Blinker in Richtung Politik gesetzt haben.
Genau. Politisches Engagement halte ich für extrem wichtig. Gerade als junger Mensch, der neue Ideen, Themen und eine gewisse Frische einbringen kann. Seit der Kommunalwahl im Juni gehöre ich ja auch dem Ortsbeirat an. Fehlende Erfahrung muss da kein Nachteil sein. Als der langjährige Ortsverbandsvorsitzende Roman Bertram signalisiert hat, dass er aufhören will, habe ich das als Chance begriffen, das Amt zu übernehmen. Ich will die Partei vor Ort so strukturieren, dass sich mehr junge Leute als bisher berufen fühlen, in die Politik zu gehen. Wer immer meckert, dass nur Ältere am Ruder sind, der muss sich auch an die eigene Nase fassen und selbst anpacken. Das habe ich mit diesem Schritt getan.
Glaubt man den Statistiken, dann wählen viele junge Menschen nicht die CDU, sondern die AfD. Warum?
Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Ein Grund ist mit Sicherheit, dass die AfD unglaublich stark darin ist, die sozialen Netzwerke für ihre Zwecke zu nutzen. Zurechtgeschnitten auf die Algorithmen werden ihre Themen gepusht und damit weit verbreitet. Die Algorithmen lieben den von der AfD betriebenen Populismus.
Den etablierten Parteien dürfte die Rolle der sozialen Medien bewusst sein. Warum legen sie nicht nach?
Weil das ohne den von der AfD gepflegten Populismus schwierig ist. Es ist nicht alles schwarz und weiß oder schlecht und gut. Daher ist es nicht so einfach, eine differenzierte Meinung zugespitzt auszuspielen. Es gibt nicht die klaren Antworten auf Probleme, wie es die AfD suggeriert.
Vielleicht liegt das Problem ja auch am Führungspersonal. CDU-Vorsitzender Friedrich Merz hat gute Karten, nächster Bundeskanzler zu werden. Er ist 49 Jahre älter als Sie und profitiert vor allem vom Scheitern der Ampel. Wie soll da Aufbruchstimmung entstehen?
Ja, es könnte auch am Personal liegen. Andererseits: Merz hat viel politische Erfahrung, die ein Regierungschef in dieser Krisenzeit braucht. Das AfD-Personal ist ja nicht deutlich jünger.
AfD-Frontfrau Alice Weidel ist 45.
Aber als die AfD in den Bundestag eingezogen ist, stand Alexander Gauland, inzwischen 83, an ihrer Spitze. Er ist jetzt auch nicht das blühende Leben, um das mal etwas flapsig zu formulieren. Es geht da, glaube ich, weniger ums Alter, sondern um das Auftreten eines Kandidaten und wie er sich gibt. Nehmen Sie CSU-Chef Markus Söder. Der ist auch keine 20 mehr und schafft es trotzdem, in den sozialen und digitalen Kanälen eine durchaus aktive Rolle zu spielen.
Könnte daran liegen, dass auch er ein Populist ist.
So weit würde ich nicht gehen. Er spricht Themen an, die die Menschen bewegen, und ist definitiv kein gefährlicher Populist.
Die CDU zementiert die Brandmauer zur AfD. Halten Sie das für richtig?
Absolut. Die AfD ist eine zutiefst undemokratische Partei. Ihre Jugendorganisation Junge Alternative ist laut Verfassungsschutz gesichert rechtsextrem. Auf dieser Basis kann man nicht zusammenarbeiten. Die Brandmauer zur AfD muss bestehen bleiben. Ich halte es sogar für die Pflicht jeder demokratischen Partei, sich klar von der AfD abzugrenzen, Probleme anderweitig zu lösen und die AfD damit inhaltlich überflüssig zu machen.
Nationale und internationale Krisen bestimmen derzeit die Schlagzeilen. Wie halten Sie da als junger Mann den Kopf über Wasser?
Da optimistisch zu bleiben, ist tatsächlich nicht so einfach. Man weiß morgens nie, welche schlechten Nachrichten einen erwarten. Viele Leute in meinem Alter sind müde davon und zum Teil auch überfordert. Zumal sich in deren Leben ja auch viel verändert: Schule, Ausbildung, Beruf. Da ist schon genug Dynamik drin. Daraus resultiert leider häufig Politikverdrossenheit. Ich finde, diese Krisenzeit bietet aber auch Chancen.
Welche denn?
Mit dem Aus der Ampel in Berlin besteht beispielsweise die Chance für einen politischen Neustart nach der Bundestagswahl Ende Februar. In den USA beginnt im Januar die Präsidentschaft von Donald Trump. Eine handlungsunfähige, zerstrittene Regierung in Deutschland wäre da fehl am Platz. Nun können wir uns in Berlin neu sortieren und besser aufstellen.
Wer wäre denn der beste Partner für die CDU, sollte sie die Wahl gewinnen – ohne Partner geht’s ja nicht?
Da will ich mich nicht festlegen. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das sehr unseriös. Letztlich muss man mit der Partei oder den Parteien zusammenarbeiten, mit der oder mit denen es inhaltlich passt. Es kommt darauf an, Deutschland in einer sensiblen Weltsituation voranzubringen.
Blicken wir auf Ludwigshafen: Welches Thema ist hier für Sie das zentrale?
Es gibt viele brennende Themen. Was über allem steht, sind die Finanzen. Alles, was man umsetzen will, hängt letztlich am Geld. Da muss sich die Situation nachhaltig verbessern. Es braucht intensive Gespräch mit dem Land, damit meine Heimatstadt auf Dauer handlungsfähig bleibt.
Wer Ortsverbandsvorsitzender ist, will sicher auch mal Ortsvorsteher werden, oder?
Ich muss mich jetzt erst mal in die Aufgabe reinfinden und mich um mein Studium kümmern. Was in fünf oder zehn Jahren ist, sehen wir dann. Ich will zunächst einmal die CDU in Oppau dynamisch führen, neue Angebote und Formate schaffen und die Menschen vor Ort dabei mitnehmen. Es geht auch darum, zu zeigen, dass wir kein Verband sind, der sich im Hinterzimmer einschließt und mauschelt, sondern einer, der offen ist und das auch nach außen transportiert.
Mit Raymond Höptner – Mitte 20 – in Mundenheim und Dennis Schmidt – Anfang 30 – in Ruchheim stellt die CDU zwei sehr junge Ortsvorsteher. Was können Sie sich von den Parteikollegen abschauen?
Beide sind extrem engagiert – in der Partei, aber auch in Vereinen und der Stadtgesellschaft. Davor habe ich großen Respekt, das imponiert mir. Diesen Einsatz will ich auch an den Tag legen und das Beste für die Menschen rausholen. Darum geht’s letztlich.
Wie verbringen Sie Ihre Freizeit, wenn Sie nicht gerade an der Uni gefordert sind oder Sitzungen vorbereiten?
Gerne mit meiner Familie oder mit Freunden. Oder ich schalte zu Hause einfach mal ab, um den Kopf freizubekommen. Das sollte in meinem Alter nicht zu kurz kommen, das will ich mir auch nicht nehmen lassen.
Scheint doch nicht alles falsch gelaufen zu sein in Ihrem Leben: Sie trinken also auch mal ein Bierchen und feiern ausgelassen?
Selbstverständlich (lacht).
Zur Person: David Caruana
Nach 14 Jahren als Vorsitzender ist Roman Bertram (62) bei den jüngsten Neuwahlen im CDU-Ortsverband Oppau (45 Mitglieder) nicht mehr angetreten. Einstimmig wählte die Mitgliederversammlung David Caruana zum Nachfolger – der jüngste Vorsitzende in der Geschichte der CDU Oppau, geboren am 25. April 2004 in Ludwigshafen. Caruana lebt bei seinen Eltern, hat eine ältere Schwester und studiert im dritten Semester Politikwissenschaften in Mannheim. Er gehört den Kreisvorständen der Jungen Union und der CDU an. Seit der Kommunalwahl im Juni ist Caruana auch Teil der fünfköpfigen CDU-Fraktion im Oppauer Ortsbeirat. Er spielt im Modernen Blasorchester Kurpfalz Oppau (Posaune) und ist als „Kerweborsch“ aktiv. Außerdem ist er jährlich bei der Sternsingeraktion dabei und engagiert sich in der Pfarrei Hl. Edith Stein im Verwaltungs- und Pfarreirat.