Ludwigshafen: Jahresrückblick 2022
„Metropol“: Ein Loch und viele offene Fragen
Auf Ludwigshafens prominentester Baustelle ruht im Frühsommer der Betrieb. Die Bagger sind weg. Im Juli zieht „Metropol“-Investor Günther Tetzner für die eigens für den Hochhausbau gegründete Projektentwicklungsgesellschaft die Notbremse. Weil der Finanzierer des Millionen-Projekts – der öffentlich nicht bekannt ist – den Geldhahn zugedreht hat, sieht sich Tetzner gezwungen, den Insolvenzantrag zu stellen. Wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Tetzners andere Firmen sind davon nicht betroffen. Er hatte eigens für das Projekt in Ludwigshafen eine Tochtergesellschaft gegründet, um das finanzielle Risiko zu begrenzen. Noch im Frühjahr hatte er gesagt, das Projekt werde bis Ende 2024 abgeschlossen sein.
Die große Frage ist nun, wie geht es weiter mit dem „Loch“ auf dem Berliner Platz? Der vom Gericht bestellte Insolvenzverwalter Tobias Wahl aus Mannheim verschafft sich bis Herbst einen Überblick über das vorerst gescheiterte Bauprojekt. Hauptgläubiger der „Metropol“- Projektentwicklungsgesellschaft ist eine Art Fonds aus dem Finanzsektor. Der Kreditgeber habe ein großes Interesse daran, dass es mit dem Projekt weitergeht und er möglichst viel von seinem Geld wiedersieht. Deshalb will der Insolvenzverwalter das baureife Projekt an einen neuen Investor verkaufen. Neben dem Grundstück und der Baugrube gebe es fertige Baupläne, Baugenehmigungen und Verträge mit Mietern. Nicht das Gesamtprojekt, sondern nur das Grundstück am Berliner Platz zu verkaufen, wäre aus seiner Sicht der schlechtmöglichste Deal. Es laufen Gespräche, doch bis Jahresende ist nichts spruchreif.
Stadt hat kaum Einflussmöglichkeiten
Ob der ursprünglich bis zu 67 Meter hohe geplante zweiteilige Hochhauskomplex tatsächlich so gebaut wird, wie von Tetzner beabsichtigt, ist damit aber noch nicht gesagt. Es ist durchaus denkbar, dass die Stadt mit dem Käufer des Projekts einen neuen städtebaulichen Vertrag verhandelt, der dann Zeitrahmen und Dimension des Bauprojekts festlegt. „Wir haben derzeit kaum Einflussmöglichkeiten“, räumt Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) im Dezember ein. Erst, wenn es Interessenten mit neuen Pläne gebe, habe die Stadt wieder ein Mitspracherecht. Die OB könnte sich auch ein neues Rathaus an dem Standort vorstellen.