Ludwigshafen
„Metropol“ soll verkauft werden
„Metropol“-Investor Günther Tetzner musste im Juli für die eigens für den Hochhausbau gegründeten Projektentwicklungsgesellschaft die Notbremse ziehen. Weil der Finanzierer des Millionen-Projekts – der öffentlich nicht bekannt ist – den Geldhahn zugedreht hatte, sah sich Tetzner gezwungen, den Insolvenzantrag zu stellen. Wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung, wie es hieß. Tetzners andere Firmen sind davon nicht betroffen. Er hatte eigens für das Projekt in Ludwigshafen eine Tochtergesellschaft gegründet, um das finanzielle Risiko zu begrenzen. Die große Frage ist nun, wie geht es weiter mit dem „Loch“ auf dem Berliner Platz?
Der vom Gericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl aus Mannheim hat sich in den vergangenen Wochen einen Überblick über das vorerst gescheiterte Bauprojekt verschafft. Er geht davon aus, dass noch genügend Masse vorhanden ist, um voraussichtlich im Oktober ein formelles Insolvenzverfahren zu eröffnen. Nach seinen Angaben gibt es einen Hauptgläubiger der „Metropol“- Projektentwicklungsgesellschaft, dies sei der Finanzierer des Bauprojekts – eine Art Fonds aus dem Finanzsektor. „Der Finanzierer hat schon viel Geld für das Bauprojekt zur Verfügung gestellt – für die Planung, Projektierung und auch die Tiefbauarbeiten“, berichtet Wahl. Der Kreditgeber habe natürlich ein großes Interesse daran, dass es mit dem Projekt weitergeht und er möglichst viel von seinem Geld wiedersieht.
Pläne für Verkauf
Deshalb will der vorläufige Insolvenzverwalter das baureife Projekt an einen neuen Investor verkaufen. Neben dem Grundstück und der Baugrube gebe es fertige Baupläne, Baugenehmigungen und Verträge mit Mietern. Die britische Premier Inn Hotelgruppe sollte Ankermieter in dem Hochhaus sein. Das Hotel wolle weiterhin acht Etagen mieten und es gebe weitere Mietinteressenten, sagt Wahl. Das Gesamtprojekt habe einen großen Wert. „Meine Aufgabe ist es, das alles im Sinne der Gläubiger zu verwerten – und dabei möglichst viel zu erlösen“, sagt Wahl.
Der 54-jährige Anwalt ist durchaus zuversichtlich, Investoren zu finden, die das „Metropol“ tatsächlich bauen werden. „Es gibt einige namhafte Interessenten, die das Hochhaus vollenden wollen, und das auch stemmen können. Ich sehe eine wirkliche Chance für das Projekt, aus dieser schwierigen Phase herauszukommen“, sagt Wahl. Nicht das Gesamtprojekt, sondern nur das Grundstück am Berliner Platz zu verkaufen, wäre aus seiner Sicht der schlechtmöglichste Deal. Der Kreditgeber des „Metropol“ habe als Hauptgläubiger großes Interesse daran, dass das Bauprojekt doch noch realisiert werde, weil sonst der Totalausfall der Geldanlage drohe.
Spielraum vorhanden
Ob der ursprünglich bis zu 67 Meter hohe geplante zweiteilige Hochhauskomplex tatsächlich so gebaut wird, wie von Tetzner beabsichtigt, sei damit aber noch nicht gesagt. Es sei durchaus denkbar, dass die Stadt mit dem Käufer des Projekts einen neuen städtebaulichen Vertrag verhandelt, der dann Zeitrahmen und Dimension des Bauprojekts festlegt. „Die Stadt hat da ein Mitspracherecht“, versichert Wahl.
Der vorläufige Insolvenzverwalter will in den kommenden Wochen den „Verkaufsprozess“ starten, sprich das „Metropol“ auf den Markt bringen und mit potenziellen Käufern reden. Den Wert des Bauprojekts schätzt Wahl auf etwa 100 Millionen Euro. Wichtige Vorarbeiten wie der Rückbau des Tiefbunkers in der Baugrube seien erledigt und die Pläne lägen ebenfalls fertig auf dem Tisch. Klar sei, dass nur Investoren berücksichtigt würden, die tatsächlich in der Lage seien, das Hochhaus zu bauen. Sie müssten auch eine seriöse Finanzierung nachweisen. Es werde mehrere Runden in einem Bieterverfahren geben. „Möglicherweise kommt es noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung, aber es könnte sich auch noch ins kommende Jahr ziehen“, meint Wahl.
Thema im Stadtrat
Am Montag wird sich nun der Ludwigshafener Stadtrat mit dem „Metropol“ befassen – in nicht-öffentlicher Sitzung. „Es werden rechtliche und administrative Verfahrenswege im Zuge des vorläufigen Insolvenzverfahrens ,Metropol’ erörtert“, teilte ein Stadtsprecher auf Nachfrage mit. Die Politiker dürften hinter verschlossenen Türen einiges zu diskutieren haben.
Denn eigentlich hatten die meisten wie Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) auf einen „Neuanfang auf dem Berliner Platz“ gehofft – und nicht auf die Fertigstellung des bei der Bevölkerung umstrittenen „Metropol“. Als die Insolvenz der Projektgesellschaft bekannt wurde, meinte Süd-Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU): „Das ,Metropol’-Projekt ist jetzt beerdigt.“ Er dachte – wie die OB im Stillen auch – an ein neues Rathaus auf dem Berliner Platz.
