Ludwigshafen / Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Messerangriff vor Stadtbibliothek: Opfer erscheint nicht vor Gericht

der Tatort: die Stufen der Stadtbibliothek.
der Tatort: die Stufen der Stadtbibliothek.

Wegen eines Messerangriffs vor der Ludwigshafener Bibliothek im November 2024 steht ein 19-Jähriger mit weiteren fünf Männern vor dem Landgericht Frankenthal.

Der 19-Jährige soll laut Anklage zugestochen haben, die anderen Männer an der Tat beteiligt gewesen sein. Sie sollen den 22-Jährigen mit Schlägen und Tritten, auch gegen den Kopf, verletzt haben. Zwei wurden bereits verurteilt. Für die Verteidigung ist die angenommene Rollenverteilung jedoch keineswegs erwiesen.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Anklage stand die Gruppe am Tatabend vor dem Dönerladen neben der Stadtbibliothek, als das spätere Opfer daran vorbeiging. Weil der Mann zuvor einem 21-Jährigen aus der Gruppe einen Drogenkauf mit einem gefälschten 100-Euro-Schein bezahlt haben soll, sei der 22-Jährige angehalten worden. Der Mann soll laut Anklage sofort in den Hosenbund gegriffen und Pfefferspray versprüht haben. Daraufhin habe es die Schlägerei gegeben.

Zwei aus der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten Fünfer-Gruppe, ein zur Tatzeit 17-Jähriger sowie der 21-Jährige, hatten am zweiten Prozesstag einer Verständigung zugestimmt. Im Gegenzug für ein Geständnis sind sie zu Haftstrafen etwas unter zwei Jahren verurteilt worden. Das Verfahren gegen einen 22-Jährigen, der am vorherigen Verhandlungstag eine umfangreiche Aussage zum Tatablauf gemacht hatte, dabei aber keine gefährliche Körperverletzung einräumte, wurde vom Hauptverfahren ebenso abgetrennt wie die Verfahren gegen die beiden übrigen Männer, die der Verständigung nicht zugestimmt haben.

Die Lunge getroffen

Aktuell fortgesetzt wird der Prozess gegen den 19-jährigen Haupttäter. Dessen Anklage lautet auf versuchten Mord. Er soll ohne Absprache mit den anderen zwölfmal mit dem Messer zugestochen haben. „Da es am Tatabend, dem 4. November 2024, recht kalt war, trug der Geschädigte fünf Lagen Kleidung übereinander“, berichtete ein 35-jähriger Polizeiermittler im Zeugenstand. Das Messer habe nur bei acht der zwölf Stiche die Kleidung durchdrungen. Dabei sei jedoch die Lunge getroffen worden, was zu einer lebensgefährlichen Verletzung führte: Nur durch eine Not-Operation konnte der Geschädigte gerettet werden.

Am Montag sollte der Prozess mit dessen Aussage fortgesetzt werden. Doch der 22-Jährige erschien nicht. Er wird nun am Donnerstag von der Polizei abgeholt und zwangsweise zur Zeugenaussage vorgeführt.

Kritik an Haftbefehl

Am vergangenen Verhandlungstag hatte Rechtsanwalt Kayahan Aydin, Verteidiger des 19-Jährigen, massive Kritik an der Behandlung seines Mandanten geübt. Weil es weder einen dringenden noch einen hinreichenden Tatverdacht gegen seinen Mandanten gebe, müsse dieser sofort aus der Untersuchungshaft entlassen werden, forderte Aydin. Wie Richter Alexander Melahn am Montag mitteilte, hat die Kammer den Antrag auf Haftentlassung jedoch abgelehnt.

Wie schwierig die Aufklärung des Messerangriffs für das Gericht werden wird, darauf gab es einen Vorgeschmack: Der 30-jährige Sohn der Besitzer des Dönerladens hatte am Tatabend gegen 22 Uhr Polizei und Krankenwagen alarmiert. An eine Gruppe von Leuten, die er bei der Vernehmung durch die Polizei erwähnt hatte, wollte oder konnte er sich im Zeugenstand nicht mehr erinnern. Er habe vor dem Dönerladen gesessen und Geschrei gehört, sagte er. Als er hingelaufen sei, um nachzuschauen, habe er gegenüber der Bibliothek einen Mann auf dem Boden liegen sehen, sonst niemanden mehr. Er sei von einer Prügelei ausgegangen.

Der Mann sei ansprechbar gewesen. Er habe ihm hochgeholfen und er habe sich auf die Stufen am Eingang der Bibliothek gesetzt. „Er hat minutenlang normal gesprochen, dann ist er plötzlich umgekippt“, schilderte der Zeuge, wie der Mann das Bewusstsein verlor. Er habe dann sofort Polizei und Krankenwagen verständigt. Erst als die da waren, sei erkannt worden, dass der Mann starke Verletzungen durch Messerstiche erlitten habe, so der 30-Jährige. Die Straße sei am Abend recht belebt gewesen. Nach dem Vorfall seien viele Personen weggelaufen. Er habe jedoch niemanden erkannt, versicherte er.

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