Ludwigshafen
Ludwigshafen: Für die Linie 10 werden die ersten Gleise verlegt
Der Ausbau der Straßenbahnlinie 10 in Friesenheim ist das größte Nahverkehrsprojekt in Ludwigshafen. Es geht aber nicht nur um neue Gleise, auch Kanäle und Leitungen werden dabei ausgetauscht. Das Millionenvorhaben ist alles andere als einfach, wie ein Besuch auf der Baustelle zeigt.
Die Kreuzung von Sternstraße und Carl-Bosch-Straße bietet nicht nur einen spektakulären Blick auf die BASF. Hier, im Herzen von Friesenheim, befindet sich aktuell zudem eine der spannendsten Baustellen von Ludwigshafen. Es ist beeindruckend, was sich hier tut und wie viele Bauarbeiter hier aktiv sind.
Der Ausbau der Straßenbahnlinie 10 wurde lange ersehnt. Nach vielen Jahren des Wartens und Planens haben im April die Arbeiten tatsächlich begonnen. Zuerst ist der 900 Meter lange Abschnitt in Alt-Friesenheim an der Reihe. Die Straßenbahn endet seither am Ebertpark, von hier bis zur Haltestelle Friesenheim-Mitte verkehrt ein Busersatzverkehr. Bis Ende 2022 soll der Abschnitt Alt-Friesenheim abgeschlossen sein. 13,7 Millionen Euro kostet allein dieser Bereich. Danach geht es auf der 2,2 Kilometer langen Strecke in der Hohenzollernstraße weiter – insgesamt sind für das Vorhaben 37,5 Millionen Euro vorgesehen.
Die RNV koordiniert die Arbeiten
Die Leitung bei diesem ambitionierten Projekt hat die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) übernommen. „Unsere Aufgabe ist es, alles zu koordinieren, um so Zeit zu sparen und Synergien zu nutzen“, erläutert Unternehmenssprecherin Victoria Pfaff. RNV-Projektleiter ist Tugay Önal. Er ist mit dem ersten halben Jahr zufrieden. Bislang laufe alles nach Plan. Seit Oktober hat der zweite von sieben Bauabschnitten begonnen. Denn zunächst waren die Technischen Werke (TWL) in der Carl-Bosch-Straße im Abschnitt zwischen Hagelloch- und Sternstraße an der Reihe. Sie haben dort die Hauptwasserleitung erneuert. Zudem erhielten die Anwohner neue Hausanschlüsse für Gas und Wasser.
Seit Anfang Oktober laufen die Arbeiten sowohl in der Carl-Bosch-Straße als auch im Kreuzungsbereich von Carl-Bosch- und Sternstraße. Jetzt ist der Wirtschaftsbetrieb WBL an der Reihe, um den Abwasserkanal zu erneuern. Und die RNV kann mit den ersten Gleisarbeiten beginnen. Thomas Böhle ist beim WBL dafür verantwortlich, dass der neue Abwasserkanal wie gewünscht eingebaut wird. Dieser wird künftig 70 Zentimeter im Durchmesser groß sein, beim 100 Jahre alten Kanal waren es 30.
Ein Stollen unter der Straße
Der WBL hat genau genommen zwei Baustellen vor Ort. Zum einen wird im Kreuzungsbereich auf einem 16 Meter langen Teilstück in Stollenbauweise gearbeitet. Im Rest der Carl-Bosch-Straße findet klassischer Kanalbau statt. „Die Stollenlösung machen wir, damit der Verkehr in der Sternstraße fließen kann, sonst hätten wir hier sperren müssen“, so Böhle. Und dass hier parallel am Kanal und den Gleisen gearbeitet wird, habe für die Bürger Vorteile: „So können wir die Bauzeit verkürzen.“ Önal sieht die Vorteile ebenfalls. In der Planung der Arbeiten und bei der Vorbereitung von allen Abschnitten sei das Projekt dadurch aber „von der Logistik her sehr anspruchsvoll“.
Dass die RNV die Gesamtleitung bekommen habe, liege auch daran, „dass wir in Heidelberg sowie bei der Stadtbahn Nord in Mannheim bereits ähnliche Projekte in solchen Dimensionen mit verschiedenen Partnern gemeistert und gesteuert haben“, so Önal. So habe die RNV auch darauf geachtet, dass bei allen Arbeiten der CO2-Ausstoß möglichst gering ist. Die Fortschritte beim Bau sind bereits erkennbar. So werden seit Montag die ersten neuen Gleise auf dem Abschnitt in der Sternstraße verlegt.
Haltestelle wird verlegt
Bis Sommer 2020 soll der Bereich fertig sein. Dann geht es in der Luitpoldstraße weiter. Wieder mit TWL, WBL und RNV. Önal weiß: „Das ist für die Anwohner jeweils heftig.“ Aber er macht ihnen Mut: „Es ist dann alles auf einmal gemacht, und hinterher wird es viel besser sein als bisher.“ Die Bürger könnten sich auf komplett sanierte Straßen freuen. Die neuen Gleise sorgten zudem für weniger Vibrationen und weniger Lärm. Nicht zu vergessen: die drei Haltestellen in Alt-Friesenheim werden barrierefrei ausgebaut. Der Halt Friesenheim-Mitte wird zudem aus der Carl-Bosch-Straße um die Ecke in die Sternstraße verlegt. „Hier haben wir mehr Platz, und die Wege zwischen Bus und Bahn sind künftig kürzer“, erläutert Önal.
Im Netz
www.die-neue-linie10.deEinwurf: Klug
Da sage noch mal einer, in Ludwigshafen gehe nichts voran. Die Linie 10 tritt den Gegenbeweis an. Zumindest kann die Großbaustelle auf einen gelungen Start zurückschauen. Das ist wichtig für die Nerven der Anwohner. Denn die werden ohne Zweifel strapaziert, da sie über Monate auf einer Großbaustelle leben. Das lässt sich aber nicht vermeiden, da ja mit TWL, WBL und RNV gleich drei Akteure tätig sind. Die Projektleitung komplett an die RNV zu vergeben, erweist sich als kluger Schachzug. So ist gewährleistet, das alles Hand in Hand läuft – und die Bürger eine zentrale Anlaufstelle haben.