Mannheim
Krankenhaus-Schließung in Mannheim: Ein Standort und fast 200 Jobs fallen weg
Deutlich weniger betriebsbedingte Kündigungen als zunächst befürchtet sind das Ergebnis der Sozialplanverhandlungen am Brüderklinikum Julia Lanz in Mannheim. Wie eine Sprecherin mitteilte, sind an beiden Standorten insgesamt 194 Mitarbeiter betroffen. Im Oktober des vergangenen Jahres war man noch von 350 wegfallenden Stellen ausgegangen.
Das Brüderklinikum befindet sich aktuell in einer Phase massiver Umstrukturierung. Der Träger, die Barmherzigen Brüder Trier (BBT-Gruppe), führt die beiden bisherigen Standorte, das Theresienkrankenhaus und das Diako, schrittweise am Standort des Diako im Stadtteil Niederfeld zusammen. Die stationäre Versorgung soll dort gebündelt werden, um die angespannte wirtschaftliche Situation in den Griff zu bekommen. Bis 2027 soll das Theresienkrankenhaus schrittweise geschlossen werden.
Pflegekräfte werden gehalten
Für die verbleibenden Mitarbeiter ist eine Bestandsschutz-Regelung im Sozialplan vorgesehen, wie es weiter heißt. Dass weniger Stellen gestrichen würden als ursprünglich kommuniziert, liege in erster Linie daran, dass etwa 100 Mitarbeiter in der Pflege weiterbeschäftigt würden, so eine Sprecherin der BBT-Gruppe auf RHEINPFALZ-Anfrage. Alle Stellen von Pflegefachpersonen und Pflegehelfern mit mindestens einjähriger Ausbildung in der direkten Patientenversorgung seien erhalten worden. Es gebe auch Mitarbeiter, die von sich aus gekündigt hätten.
„Wir sind sehr froh, dass wir die Sozialplanverhandlungen zu einem für beide Seiten tragbaren Ergebnis führen konnten“, wird Regionalleiterin Ulrike Heesemann in einer Mitteilung zitiert. Die beiden Vorsitzenden der Mitarbeitervertretung der beiden Häuser, Reimar Lamadé und Bilal Bulut, kommentieren das Ergebnis der Verhandlungen so: „Die Wochen und Monate waren keine leichte Zeit für alle Beteiligten. Nun haben wir aber ein Ergebnis, das auch für die verbleibenden Mitarbeitenden eine Zukunft zeichnet.“
Unterstützung für Betroffene
Die betroffenen Mitarbeiter sind den weiteren Angaben zufolge am Dienstag persönlich über die Kündigungen informiert worden. Diese Anzahl verteile sich in etwa hälftig auf beide Krankenhäuser. Die Ersten, die es traf, waren 20 Ärztinnen und Ärzte der Gefäßchirurgie und der Urologie. Ihnen wurde bereits kurz vor Weihnachten gekündigt. Sie seien in der Gesamtanzahl der Kündigungen enthalten. Darüber hinaus seien Mitarbeiter aus nahezu allen Bereichen des Brüderklinikums betroffen – inklusive Küche, Reinigung und Verwaltung.
Das Klinikum biete den Menschen Unterstützung, um möglichst schnell eine andere Beschäftigung zu finden. So gibt es laut der Mitteilung „Angebote von Mitarbeitern für Mitarbeiter, die bei Bewerbungsschreiben und der Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche unterstützen, sowie Beratungstermine durch die Agentur für Arbeit, die an jedem Haus eine Informationsveranstaltung durchführen wird“. Auch Abfindungen seien vorgesehen.
Chronologie einer Schließung
Die Klinikleitung hatte die lange geplante Bündelung der stationären Versorgung am Diako auf 2026 vorgezogen. Die Schocknachricht vom früheren Aus des Theresienkrankenhauses kam Ende Oktober 2025 und erwischte viele auf dem falschen Fuß. Ursprünglich hätte die Klinik am Neckarufer erst Ende 2029 schließen sollen. Ein zweistelliges Millionendefizit hat nach Angaben der BBT-Gruppe schnellere Konsequenzen nötig gemacht.
Möglichst schon bis Mitte dieses Jahres sollen alle medizinischen Abteilungen im Theresienkrankenhaus geschlossen oder ins Diako im Stadtteil Niederfeld umgezogen sein. Ende 2025 wurden bereits die Urologie am Diako sowie Gefäßchirurgie, Schlaflabor und Hals-Nasen-Ohren-Abteilung am Theresienkrankenhaus geschlossen. Dort sollen Mitte des Jahres noch Lungenheilkunde und Notaufnahme folgen. Gerade die künftige Notfallversorgung hat in der Mannheimer Bevölkerung, aber auch unter Ärzten Sorgen ausgelöst.
Die Radiologie soll mit Abschluss der medizinischen Versorgung am Standort Theresienkrankenhaus aufgelöst werden. Da ein Krankenhaus ohne bildgebende Verfahren wie klassisches Röntgen, Ultraschall, Computer- und Magnetresonanztomographie aber nicht funktioniert, soll es am Diako diese Lösung geben: Das Brüderklinikum Julia Lanz will die Kooperation mit einer Radiologie-Praxis am dann zentralisierten Standort weiterführen.