Mannheim
Klinik-Umbruch nimmt Fahrt auf: Können künftig alle Notfälle behandelt werden?
Hinter vorgehaltener Hand wurde schon im vergangenen Jahr darüber spekuliert, jetzt ist es offiziell: Zwei weitere Abteilungen, die vom Theresienkrankenhaus ins Diako umziehen sollten, werden geschlossen. Wie das Brüderklinikum Julia Lanz mitteilt, gibt es für die Radiologie und die Apotheke keine Zukunft.
Die Schocknachricht vom früheren Aus des Theresienkrankenhauses kam Ende Oktober 2025 und erwischte viele auf dem falschen Fuß. Ursprünglich hätte die Klinik am Neckarufer erst Ende 2029 schließen sollen. Ein zweistelliges Millionendefizit hat nach Angaben des Trägers, den Barmherzigen Brüdern Trier (BBT), schnellere Konsequenzen nötig gemacht. Endgültig schließen, so wurde es damals kommuniziert, soll das Haus bis Ende 2027. Mittlerweile zeichnet sich aber ab, dass möglichst schon bis Mitte dieses Jahres alle medizinischen Abteilungen im Theresienkrankenhaus dicht gemacht oder ins Diako im Stadtteil Niederfeld umgezogen sein sollen.
Was ist schon geschlossen?
Ende 2025 wurden bereits die Urologie am Diako sowie Gefäßchirurgie, Schlaflabor und Hals-Nasen-Ohren-Abteilung am Theresienkrankenhaus geschlossen. Dort sollen Mitte des Jahres noch Lungenheilkunde und Notaufnahme folgen. Wie soll es nun aber mit der Radiologie weitergehen? Die Abteilung soll mit Abschluss der medizinischen Versorgung am Standort Theresienkrankenhaus aufgelöst werden. Konkreter wird die BBT-Gruppe in einer Mitteilung nicht.
Da ein Krankenhaus ohne bildgebende Verfahren wie klassisches Röntgen, Ultraschall, Computer- und Magnetresonanztomographie aber nicht funktioniert, soll es am Diako diese Lösung geben: Das Brüderklinikum Julia Lanz will die Kooperation mit einer Radiologie-Praxis am Standort Diako weiterführen. Ein Arzt in Leitungsfunktion am Brüderklinikum Julia Lanz hatte schon kurz vor Weihnachten gegenüber der RHEINPFALZ angedeutet, dass für viele Geräte am Diako der Platz fehle. Der Mediziner hatte grundsätzlich die Sorge geäußert, dass durch den Wegfall eines Krankenhauses Menschen sterben würden, weil zu spät effektiv behandelt würde. Besonders kritisch sieht er, dass eine „sehr gut funktionierende und zentral in Mannheim gelegene Notaufnahme“ wie die im Theresienkrankenhaus geopfert werde.
Redebedarf bei Krankenversorgung
Die Apotheke im Theresienkrankenhaus soll laut BBT-Gruppe Ende dieses Jahres geschlossen werden. Ein externer Partner übernehme dann die Versorgung der Patienten mit Medikamenten. In dem Zusammenhang betont das Brüderklinikum aber auch, dass das Labor als eigenständige Fachabteilung am Standort Diako fortgeführt werde.
Ist die stationäre Krankenversorgung der Mannheimer Bevölkerung gesichert? Dass die Diskussion um diese Frage so schnell nicht verstummen dürfte, wurde vor wenigen Tagen bei einer Ausschusssitzung des Gemeinderats deutlich. Von der BBT-Gruppe standen dem Gremium Ulrike Heesemann und der Ärztliche Direktor Boris Schumacher Rede und Antwort. Sein neuer Klinikum-Kollege Maurice Stephan Michel war ebenfalls in den Sitzungssaal des Stadthauses gekommen. Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) schickte vorneweg, dass die Krankenversorgung für die Menschen gerade eine große Rolle spiele. Das angekündigte Aus der Theresienkrankenhauses habe in der Stadt große Betroffenheit ausgelöst. Gerade auch, weil die Klinik in der Bevölkerung stark verankert sei.
Mehr ambulante Versorgung das Ziel
Als Knackpunkt hat sich vor allem die künftige Notfallversorgung herausgestellt. Wie diese in Mannheim nach der Schließung des Theresienkrankenhauses gesichert werden soll, war auch Thema bei den Treffen einer schon im vergangenen Jahr von der Stadt eingerichteten Taskforce. Maurice Stephan Michel, Ärztlicher Direktor der Mannheimer Uniklinik, betont: „An beiden Standorten der BBT-Gruppe sind im Jahr fast 50.000 Patienten behandelt worden. Wir haben selbst eine große Zentrale Notaufnahme mit vielen Patienten. Wir können nicht 30.000 Patienten im Jahr mehr haben. Das geht nicht.“ Ulrike Heesemann von der BBT-Gruppe versichert, dass am Diako „weiterhin 47.000 Patienten im Jahr versorgt werden können“ – also der Wegfall des Theresienkrankenhauses aufgefangen werden kann. Dafür ist ein deutlicher Ausbau der bisherigen Kapazitäten in der Klinik nötig.
Michel weist zudem auf die grundsätzliche Entwicklung der Krankenversorgung in Deutschland hin. Im internationalen Vergleich gebe es hierzulande eine überdurchschnittlich hohe Dichte an stationärer Versorgung. „Es geht hin zu mehr ambulanter Versorgung, die Bettenbelegung soll in Deutschland reduziert werden“, sagt er. Dafür müsse sich das Gesamtsystem ebenso ändern wie die Vorstellung der Patienten. In Mannheim werde die Dynamik dieses Prozesses gerade besonders deutlich. Als Beispiel führt er an, dass Patienten für bestimmte Eingriffe „auch mal ein bisschen Mobilität“ entwickeln müssten. Er versichert aber zugleich, dass das Klinikum gemeinsam mit dem Heidelberger Verbundpartner die in Theresien und Diako geschlossenen Abteilungen im stationären Bereich kompensieren könne.