Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Klinikum Ludwigshafen plant Normalbetrieb und richtet Corona-Station ein

Das Foyer am Haupteingang im Klinikum wird umgewandelt: Hier nehmen Mitarbeiter die Ersttriage (Einschätzung) der Patienten vor
Das Foyer am Haupteingang im Klinikum wird umgewandelt: Hier nehmen Mitarbeiter die Ersttriage (Einschätzung) der Patienten vor

Das Klinikum hat nach eigenen Angaben die erste große Welle an Corona-Erkrankungen gut gemeistert. Jetzt geht es darum, die anderen Behandlungen wieder hochzufahren. Dafür gibt es ein umfangreiches Sicherheitskonzept. Zudem stellt sich das Haus dauerhaft auf die Behandlung von Corona-Patienten ein.

Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther sieht die Arbeit am Klinikum aktuell in doppelter Hinsicht bestätigt: Da das Haus über Jahre hinweg solide gewirtschaftet habe sowie über Rücklagen von über 100 Millionen Euro verfüge, „werden wir diese Krise überstehen“. Rein ökonomisch werde 2020 für das 976 Betten zählende Haus, das normalerweise 150.000 Patienten versorgt, „sehr bitter“. Wegen der Corona-Krise seien immense Aufwendungen und Investitionen erforderlich. So sind aktuell nur etwa 50 Prozent der Betten belegt, damit das Klinikum sich um Corona-Patienten kümmern kann. Zudem arbeitet seit Mitte März die Infektionsambulanz gegenüber vom Klinikum-Haupteingang. Über 6000 Abstriche wurden bislang genommen und ausgewertet.

Auch für den Schutz der Belegschaft muss tief in die Tasche gegriffen werden. Für die rund 3600 Mitarbeiter des Klinikums und der Tochtergesellschaften seien „mehrere Tausend Masken pro Woche nötig“, erklärt Günther. Um das Thema Kosten zu verdeutlichen, zeigt er auf seine Schutzmaske: Früher hätten diese vier Cent pro Stück gekostet, jetzt seien 1,80 Euro dafür fällig. „Das ist mehr als das Vierzigfache“, so Günther. Für Schutzkleidung gebe sein Haus pro Monat rund 390.000 Euro aus – vergangenes Jahr seien es im Schnitt 27.000 Euro gewesen. Diese Zahlen verdeutlichten, warum Günther sagt: „Der Rettungsschirm der Bundesregierung reicht nicht.“ Pro Woche fehle eine Million Euro an Umsatz.

„Sind ein sicheres Krankenhaus“

Trotzdem betont er auch: „Aktuell geht es ums Medizinische.“ Daher sei er für alle Investitionen bereit: Die seien wichtig für den Schutz der Mitarbeiter und der Patienten. „Wir müssen zeigen, dass wir ein sicheres Krankenhaus sind.“ Nur mit den entsprechenden Vorkehrungen gewinne man das Vertrauen der Bürger – und könne zu einem stärkeren Betrieb zurückkehren. „Es besteht die große Gefahr, dass Patienten, die Hilfe brauchen, nicht kommen. Und das darf nicht sein.“ Beim Blick zurück betont er: Bisher seien alle Vorkehrungen wirkungsvoll gewesen. So habe sich kein Patient im Klinikum mit Corona infiziert. Auch beim Personal (einschließlich der Altenheime in der Gartenstadt und in Friesenheim) habe es nur zehn Fälle gegeben. Die Infektionen seien aber nicht auf der Arbeit passiert. Diesen Zustand zu erhalten, sei die Aufgabe für die Zukunft, sagt Günter: „Wir müssen dafür sorgen, dass sich Patienten und Mitarbeiter weiter sicher fühlen.“

Dazu werden die Mitarbeiter sowie alle Patienten, die ab Mai zu Terminen ins Klinikum kommen, künftig erst einmal untersucht. Bei dieser Ersttriage – für Patienten ist sie im Foyer – wird Fieber gemessen, und alle füllen einen Fragebogen aus. Unsichere Fälle werden in die Infektionsambulanz zur weiteren Abklärung geschickt. Die Ambulanz bleibt weiterhin täglich von 8 bis 22 Uhr für alle Bürger geöffnet und das Besuchsverbot in Kraft. Die Kontrolle der Mitarbeiter erfolgt täglich dezentral auf den Stationen. Mitarbeiter und Bewohner der Altenheime werden schon seit Wochen regelmäßig untersucht werden. „Das ist wichtig, um Infektionsherde auszuschließen“, so Günther.

Coronavirus auch 2021 noch ein großes Thema

Der Ärztliche Direktor, Günter Layer, geht davon aus, dass das Coronavirus wohl auch noch 2021 ein beherrschendes Thema sein und immer wieder neue Patienten bringen wird. Die Infektionsambulanz sei ein Mittel, um das Klinikum-Hauptgebäude „so sauber wie möglich zu halten“. 42 Covid-Patienten wurden bisher stationär behandelt, 15 kamen auf die Intensivstation. Layer warnt: „Bei einigen verändert sich das Bild sehr rasch und sehr dramatisch.“ Daher sei ein dauerhaftes stationäres Angebot mit Intensivbetten wichtig. Bis zum Sommer schafft das Klinikum diese Möglichkeiten durch einen Umbau im vierten Stock von Haus A. Laut Günther wird ein sechsstelliger Betrag investiert. Nötig sei auch eine entsprechende Klimatechnik. Für Covid-Patienten gibt es dann acht Intensiv- und 16 Normalbetten. Diese Fälle seien damit strikt vom restlichen Krankenhausbetrieb getrennt.

Matthias Bauer, Direktor des Instituts für Labormedizin, erläutert, dass sein Team 400 Tests pro Tag analysiere. Man investiere nun in ein 200.000 Euro teures Gerät, um künftig 1000 Tests am Tag auswerten zu können. Pflegedirektorin Alexandra Gräfin von Rex lobt die Mitarbeiter für den „großen Teamgeist“. Jutta Steinruck, Oberbürgermeisterin und Vorsitzende des Aufsichtsrats, lobt die klugen Weichenstellungen des Direktoriums und und die Leistung der Mitarbeiter. Von der Bundeswehr bekomme man Unterstützung durch mobile Teams für die Kontrolle in Seniorenheimen.

Einwurf: Gewaltige Aufgabe

Das Personal im Klinikum steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Denn nachdem die erste große Welle der Corona-Pandemie gemeistert worden ist, muss nun ein Weg in die „neue Realität“ (wie es so schön heißt) gefunden werden. Es geht ein Stück weg vom Ausnahmezustand und wieder mehr in Richtung Normalbetrieb. Dass dieser jedoch nicht so aussehen wird wie der Krankenhausalltag im Dezember 2019, liegt auf der Hand. Das Haus investiert eine ganze Stange Geld, um über Monate und Jahre hinweg Covid-19-Patienten behandeln zu können. Die Mediziner und die Geschäftsführung senden damit auch ein klares Signal an die Bevölkerung: Man darf das Virus nicht auf die leicht Schulter nehmen. Es bleibt, und etliche Menschen werden durch Corona sehr krank und müssen intensiv gepflegt werden. Zugleich muss das Klinikum zeigen, dass auch Nicht-Corona-Patienten hier weiter in guten Händen sind. Sonst drohen im Schatten der Pandemie vermeidbare Todesfälle. Die Konzepte des Klinikums klingen sehr durchdacht. Das zählt – und zahlt sich hoffentlich aus.

Zur Sache: Die Situation in Mannheim

Die Mannheimer Kliniken (Universitätsmedizin, Theresienkrankenhaus, St. Hedwig-Klinik und Diakonissenkrankenhaus) planen ebenfalls die schrittweise Rückkehr in den Regelbetrieb. Die Häuser haben dafür ein Schutzkonzept erarbeitet. Dieses sieht die strikte Trennung von Patienten, die am Coronavirus erkrankt sind, von Patienten mit anderen Erkrankungen vor. Dazu wurden spezielle Stationen eingerichtet. Alle Patienten, die zu geplanten Behandlungen oder Operationen kommen, werden vor deren Aufnahme auf Corona getestet. In den Häusern gilt eine Maskenpflicht, das Besuchsverbot bleibt bestehen.ax

Sicherheit geht vor – auch bei Pressekonferenzen: (von links) Ärztlicher Direktor Günter Layer, Geschäftsführer Hans-Friedrich G
Sicherheit geht vor – auch bei Pressekonferenzen: (von links) Ärztlicher Direktor Günter Layer, Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther und Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) erläutern die jetzt anstehenden Entscheidungen.
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