Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafener Klinikum koordinert Corona-Behandlung in Vorder- und Südpfalz

Die Infektionsambulanz ist auch an den Feiertagen geöffnet.
Die Infektionsambulanz ist auch an den Feiertagen geöffnet.

Seit knapp zwei Wochen ist das Klinikum das Corona-Oberzentrum für die Vorder- und Südpfalz. Neben der Behandlung der eigenen Covid-19-Patienten bedeutet dies sehr viel Koordinationsarbeit. Die Krankenhäuser haben die Lage derzeit im Griff. Allerdings gibt der Krankheitsverlauf auch Anlasse zur Sorge.

Die Corona-Pandemie stellt die Krankenhäuser vor immense Herausforderungen. Alle rüsten sich für eine Welle an Covid-19-Patienten. Damit die Häuser hier nicht nur in Eigenregie handeln, hat die Landesregierung vor zwei Wochen fünf Oberzentren bestimmt. In diesen Kliniken soll federführend die Corona-Behandlung in einer Region gesteuert werden. Das Klinikum ist ein solches Oberzentrum und für die Krankenhäuser in Frankenthal, Grünstadt, Bad Dürkheim, die anderen Ludwigshafener Kliniken sowie die Häuser in Neustadt, Landau, Kandel und Speyer zuständig.

Günter Layer, der Ärztliche Direktor, und Christine Fischer vom Medizincontrolling sind dabei die zentralen Köpfe. Die Zusammenarbeit läuft vor allem über eine Datenbank. Mit Hilfe einer auf Krankenhausberatung spezialisierten Firma ist ein System entstanden, bei dem alle beteiligten Kliniken kontinuierlich ihre Informationen einpflegen. Da geht es um die Bettenbelegung (normale Stationen und Intensiv- sowie Beatmungsplätze) ebenso wie das Material (Schutzkleidung, Beatmungsgeräte) und Angaben zum Personalstand. „Wir als Koordinator überblicken alle Informationen, bewerten so die Situation und geben eine Rückmeldung ans Ministerium“, erläutert Layer.

„Krasser Umschwung“

Seine Kollegen lobt er für die Zusammenarbeit. Die Datenbank funktioniere so gut, dass dieses System Layer zufolge landesweit eingeführt werden soll. „Es ist wichtig, dass wir wissen, wo es noch Ressourcen gibt und wo eine Klinik schon voll ist“, betont Layer.

Aus den Daten kann Layer derzeit ein „positives Bild“ ablesen. Der Anstieg der Covid-19-Fallzahlen verlaufe kontinuierlich und nicht so sprunghaft wie in den Krisenregionen. Bleibe es so, „sind die Patienten gut versorgbar“. Bei den Erkrankungen ergebe sich mittlerweile ein Muster. Die meisten Patienten mit der neuen Lungenkrankheit, so Layer, seien „nicht wesentlich erkrankt“ und könnten sich in häuslicher Quarantäne auskurieren. Bei den „relativ wenigen“, denen es so schlecht gehe, dass sie im Krankenhaus bleiben müssten, sei es jedoch so, dass die allermeisten auf die Intensivstation müssten. Die Erkrankung verlaufe also „in Extremen“ und sei oft mit „einem krassen Umschwung“ verbunden. Stand jetzt gehe er davon aus, dass die zum Teil schon vorbereiteten Hilfseinrichtungen für Corona-Patienten nicht benötigt werden, „da wir primär Intensivkapazitäten brauchen“. Aktuell gebe es in der Region aber 70 freie Intensivbetten. „Wir haben einen ordentlichen Puffer“, so Layer.

Bis zu 200 Abstriche pro Tag

Im Klinikum werden – Stand Dienstag – zehn Patienten auf der Intensivstation betreut. Bei sieben sei die Corona-Infektion bestätigt, bei drei laufe die Analyse noch. Auf einer normalen Station gebe es 17 Covid-Patienten und zehn weitere, bei denen das Krankheitsbild noch abgeklärt werde. Auffällig sei, so Layer, der deutliche Rückgang der Zahlen in der Notaufnahme. Zuletzt seien dort nur 40 Patienten gezählt worden. Deshalb betont Layer: „Es besteht die Gefahr, dass Menschen bei schweren Erkrankungen zu spät kommen, das soll bitte nicht sein.“ Die Notaufnahme habe regulär für alle dringenden Fälle geöffnet.

In der Infektionsambulanz werden täglich 150 bis 200 Abstriche pro Tag genommen. Christine Fischer warnt, das Coronavirus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wichtig sei, sich im Zweifelsfall sofort dort zu melden. „Das Bild kann sich rapide verschlechtern, egal ob jemand jung oder alt ist.“ So sei im Klinikum ein 59-Jähriger verstorben. „Er war schon drei Wochen krank, bevor er kam. Er musste direkt von der Ambulanz auf die Intensivstation gebracht werden“, so Fischer. Sie betont, dass die Infektionsambulanz in der Bremserstraße 88 (gegenüber vom Klinikum-Haupteingang) täglich von 7 bis 22 Uhr geöffnet ist – auch an Ostern. Menschen mit Grippesymptomen sollen dort vorstellig werden und brauchen dafür keinen Termin. „Wichtig ist, die Krankheit nicht zu verschleppen“, so Fischer. In der Ambulanz arbeiten neun Ärzte des Klinikums, unterstützt werden sie von vier bis fünf niedergelassenen Ärzte. „Die Kollegen haben in den vier Wochen über 3000 Patienten gesehen. Sie haben ein Gespür für das Krankheitsbild“, so Fischer.

„Dauert noch Wochen bis Monate“

Die Arbeitsbelastung sei enorm, sagt Layer. Dies gelte insbesondere für alle, die auf den Stationen und in der Infektionsambulanz arbeiteten. „Hier gilt: mein größter Respekt und ein ganz dickes Dankeschön.“ Damit das Personal mit den Erfahrungen nicht alleine sei, habe Jörg Breitmaier, Ärztlicher Direktor des Guten Hirten, psychologische Unterstützung für alle angeboten, so Layer.

Er geht davon aus, dass es noch für einige Zeit beim kontinuierlichen Anstieg bei den Fallzahlen bleibt. In diesem Fall „sind wir zuversichtlich, dass wir genug Kapazitäten haben“. Man könne die Pandemie also beherrschen, da man die Kranken versorgen könne. „Das gelingt uns aber zum Preis, dass es noch Wochen bis Monate dauert, bis die Rückkehr zum Alltag möglich ist.“

Einwurf: Nur gemeinsam

Die Mediziner lernen selbst in der Corona-Krise. Sie erfahren in der täglichen Praxis, was das neue Virus genau mit den Patienten macht. Daraus können sie dann ableiten, wie die Menschen am besten behandelt werden können. Dass sich viele Beschäftigte jeden Tag stundenlang für das Wohlbefinden anderer engagieren, kann man gar nicht hoch genug schätzen. Die Verantwortlichen handeln überlegt und besonnen. Dass sie immer die Kooperation mit anderen Mitstreitern loben und vor allem diejenigen würdigen, die auf den Stationen und in den Ambulanzen arbeiten, sind sehr wichtige Signale. Sie zeigen: Die Krise kann nur gemeinsam gemeistert werden. Die steigenden Zahlen und schlimmen Krankheitsverläufe sind Mahnung genug.

Täglich erreichbar: das Team der Infektionsambulanz.
Täglich erreichbar: das Team der Infektionsambulanz.
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