Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Lachen ist Pflicht“: Bülent Ceylan in der SAP-Arena

In vertrauter Kulisse: Bülent Ceylan bei seinem 27. Auftritt in der SAP-Arena.
In vertrauter Kulisse: Bülent Ceylan bei seinem 27. Auftritt in der SAP-Arena.

In der ausverkauften SAP-Arena schlüpft Bülent Ceylan nur kurz in seine neue Diktatoren-Uniform – und zündet dann ein Gag-Feuerwerk für die Demokratie an.

Schirmmütze, Orden, Ehrenzeichen und Epauletten, das alles konterkariert durch die offene Mähne und das Grinsen hinter der Sonnenbrille. Von Cheerleaderinnen und Pyrotechnik begleitet, betritt Bülent Ceylan im dekorativen Militär-Look à la Gaddafi die bejubelte Bühne. Den Friedenspreis von 2027 bis 2030 habe sich der langhaarigste Diktator der Welt schon gesichert, nun wolle er nicht nur Grönland, sondern auch Holland einnehmen. „Dafür bekommen die Ludwigshafen und Apache. Lachen ist heute nicht freiwillig, sondern Pflicht wie in Nordkorea“, befiehlt der Alleinherrscher und steckt voller Anspielungen auf Trump, Putin bis zur deutschen Vergangenheit.

Er ist politischer geworden

Nur mit Erdogan hält sich die neue Kunstfigur des Monnemer Türk etwas zurück. „Wie komme ich jetzt von der Türkei auf Diktatur?“, überlegt er und brüllt „Ali, abführen!“, als sich ein Fan in der ersten Reihe als Wähler outet. Schnell wird klar: Ceylan will seinen Fans den Spiegel vorhalten. Aus einem „Nie wieder!“ ist schließlich längt ein „Was wäre wenn“ geworden. Bülent positioniert sich schon lange gegen Rechts, gegen die AfD. Er ist politischer geworden, macht aber immer noch Comedy, kein Kabarett.

Mit einem Diktator-Strip windet er sich spürbar erleichtert aus seiner „Führer“-Rolle. Und ist wieder „Uns Bülent“. „Die Leut habbe g’zahlt, do wolle se de Türk ganz für sich!“, weiß er. Dialekte vom Sächsischen bis zum Schwäbischen werden durch den Kakao (gesprochen mit a-o) gezogen und in die bekannten Rollen geschlüpft. Aus dem tollpatschigen Donnergott mit Gummi-Hammer und blonder Perücke wird der „Dikta-Thor“, der zum Geburtstag „Tortellini“ (doppeltes Wortspiel) bekommt. „Manchmal ist’s gut, we’ma bissche bleed is“, sind die folgenden zwei Stunden eine schöne Auszeit von der Lage der Welt.

„Du Dummer! Du Dummer!“

Bülent Ceylan muss als Papa ganz anderes Ungemach verarbeiten. Auch der Kleinstaat namens Familie ist schließlich ein Knäuel zwischen Diktatur und Demokratie. Sein jüngster Sohn im Kita-Alter besteht nun nicht nur auf „Nudeln mit Butter und Rosinen“ im Restaurant („Des koscht!“), er flüstere ihm neuerdings auch immer wieder zu: „Du Dummer! Du Dummer!“ Ein Spruch, der zum roten Faden der Show wird.

Trotz der 150 Minuten Länge schaffen es seine Kultcharaktere stets nur einmal ins Rampenlicht: Prolet-Macho „Hasan“ mit Gucci vom Albaner dichtet Goethes Erlkönig in „Erlbabo“ („Wer brettert so schnell durch die Nacht wie de’ Wind?“) um, der liebe „Harald“ reitet auf dem Hobby Horse durch die Reihen, „die Hoar, die Hoar“-Anneliese fiept und lästert wie immer, und der mürrische „Mompfred“ versucht jetzt seiner Frau Waltraud zu folgen.

Schöne Grüße auf die Tschänau

Klar, manche Gags wie der hundertste Vergleich von Mannheims Quadraten mit Schiffeversenken (S6, F4) sind mittlerweile ausgeleiert, kommen aber in anderen Städten, wo Ceylan schließlich als Repräsentant der „Monnemer Sprooch“ unterwegs ist, weiterhin gut an. „Wenn ich in Hannover o’fang so zu redde, lachen sie schon“, sagt der inzwischen in Weinheim lebende Waldhöfer.

Beim Heimspiel sei er auch bei seinem 27. Auftritt in der SAP-Arena (einsamer Rekord!) aufgeregt. „Weil ich weiß, ich muss mehr Gags bieten, sonst kann ich mir morgen beim Bäcker was anhören.“ Vieles ist in vertrauter Kulisse aber auch leichter. Wenn etwa der liebe „Harald“ in blauer Joggingjacke auf Französisch herum „Voulevoukutschääht“, so dass man nichts mehr versteht. „Naja, fär die Tschänau longts“, sagt er achselzuckend – und der Saal brüllt vor Lachen. „Vorne verrecke se, ihr könnt von hinten nachrücken. Das geht nur hier, in Monnem sind die Stadtteile schon Comedy“, weiß Ceylan.

Und er weiß auch, bei wem er sich für den Erfolg zu bedanken hat: bei seiner 84-jährgen Mama Hilde, die im Publikum sitzt und groß eingeblendet wird. Und bei seinen treuesten Fans der ersten Stunde: „Hier hat alles angefangen, ohne euch wäre ich nie so weit gekommen“, sagt „Uns-Bülent“ und legt seinem Publikum auch mit einem Treffen-sich-drei-Reichsbürger-Witz ans Herz: „Lasst euch nicht spalten!“

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