Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Hochstraße Süd: Fünf alte Fundamente müssen weg (mit Video)

Mit einer Betonfräse wird das alte Fundament abgetragen.
Mit einer Betonfräse wird das alte Fundament abgetragen.

Die Vorbereitungen für den Ersatzbau der Hochstraße Süd sind angelaufen. Derzeit werden alte Fundamente der abgerissenen pilzförmigen Stützen beseitigt. Warum dafür auch das richtige Fingerspitzengefühl nötig ist.

Die Betonfräse frisst sich tief in ein Fundament der ehemaligen Pilzhochstraße. Es wurde Ende der 1950er-Jahre betoniert und ruht auf Pfählen, die das Gewicht und die Belastung der Hochstraße ins Erdreich abgeleitet haben. Die Brückenkonstruktion ruhte auf 27 Fundamenten, von denen fünf jetzt entfernt werden müssen. Grund: Sie sind beim Neubau der Trasse im Weg.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Mit dem Rückbau der Fundamente hat die Stadt die Firma Schleith beauftragt. „Wir nehmen dafür die Betonfräse, weil sie nicht so laut ist wie ein großer Bagger-Meißel und weniger Erschütterungen verursacht“, erläutert Manfred Mladek, Bereichsleiter Rückbau bei der Firma Schleith. Das baden-württembergische Unternehmen ist auf solche Arbeiten spezialisiert, hat 800 Mitarbeiter und eine Niederlassung in Mannheim.

Abrissexperte Manfred Mladek zeigt die Fräse, die aus 180 Kreismeißeln besteht.
Abrissexperte Manfred Mladek zeigt die Fräse, die aus 180 Kreismeißeln besteht.

75 Jahre alter Beton

180 handgroße Kreismeißel sind in die Fräse montiert und tragen den fast 75 Jahre alten Beton ab. Wirklich leise ist das nicht. Doch im Vergleich zum hämmernden Bagger-Großmeißel ist die Geräuschkulisse auf der Baustelle an der Kreuzung Dammstraße/Berliner Straße erträglicher. Ein Bauarbeiter spritzt mit einem Schlauch Wasser auf die Fräse, um die Staubentwicklung zu verringern. „Lärm lässt sich leider nicht zu 100 Prozent vermeiden. Wir versuchen, die Belästigung für die Anwohner soweit wie möglich in Grenzen zu halten“, sagt Majed Nasser, Projektleiter Hochstraße Süd bei der städtischen Projektbaugesellschaft (PBG). Die alten Fundamente liegen in einer Tiefe von bis zu drei Metern und haben einen Durchmesser von sieben Metern. Die darunter liegenden Bohrpfähle reichen bis zu 20 Meter ins Erdreich und müssen nicht entfernt werden, erläuter Nasser.

Der Projektleiter für die Hochstraße Süd: Majed Nasser.
Der Projektleiter für die Hochstraße Süd: Majed Nasser.

Ein Fundament ist bereits abgetragen worden, die restlichen vier sollen in acht bis zehn Wochen verschwunden sein. „Das Baufeld ist beengt. Zwei Fundamente grenzen links und rechts direkt an die Berliner Straße. Wir müssen die Baugrube mit Stahlträgern und Holzbohlen abstützen, sonst rutscht die Straße ab. Die Arbeiten brauchen ein bisschen Fingerspitzengefühl“, verdeutlicht Abrissexperte Mladek die Herausforderung.

Zeitplan steht

Björn Berlenbach, Leiter des städtischen Tiefbauamts, ist zufrieden mit dem Fortgang der Bauarbeiten. „Wir liegen im Zeitplan“, sagt er. Die Baustelle für die neue Brücke soll ab Juli eingerichtet werden. Der Auftrag für den Neubau wird in den nächsten Tagen an eine andere große Baufirma vergeben. „Richtig los geht’s dann im Oktober. Da werden auch richtig große Geräte zu sehen sein. Dann geht’s zur Sache“, sagt er. Die neue Brücke wird auch aus Beton gebaut. Geplant sind zwei Bauwerke nebeneinander – eins für jede Fahrtrichtung. „Das hat den Hintergrund, dass wir den Bauunterhalt deutlich besser bewerkstelligen können. Falls dann künftig kleinere Schäden auftreten, ist man viel flexibler“, sagt Berlenbach.

Leitet das Tiefbauamt der Stadt: Björn Berlenbach.
Leitet das Tiefbauamt der Stadt: Björn Berlenbach.

Parallel zum Neubau wird die anschließende Weiße Hochstraße saniert. Ihren Namen hat sie wegen der Farbe ihrer Stützen und der Unterseite. Das Teilstück endet derzeit in der Dammstraße, wo nach dem 2020 erfolgten Abriss der Pilzhochstraße eine über 500 Meter lange Lücke in Richtung Konrad-Adenauer-Brücke klafft. Die Schäden sind auch für Laien mit dem bloßen Auge erkennbar: Teils ist der Beton abgeplatzt. „Es sind einige Löcher drin, die aber nicht kritisch für die Standfestigkeit sind. Aber die Schäden müssen behoben werden. Auch eine statische Verstärkung ist vorgesehen, weil die Fahrzeuge immer schwerer werden“, sagt der Tiefbauamtschef. Neubau und Sanierung kosten insgesamt 120 Millionen Euro.

Schäden an der Weißen Hochstraße.
Schäden an der Weißen Hochstraße.

Für den Ersatzbau der Pilzhochstraße sind zweieinhalb Jahre Bauzeit vorgesehen, für die Sanierung der Weißen Hochstraße zwei Jahre. Die erneuerte Südtrasse soll bis Ende 2025 fertig sein. Ab Neujahr 2026 soll der Verkehr wieder über die Brücken rollen. „Wir sind überzeugt, dass wir den Zeitplan einhalten werden. Das klappt“, ist Projektleiter Nasser überzeugt. Das ist insofern wichtig, weil die Südtrasse dann zur Verfügung stehen muss. Denn während des anstehenden Abrisses der Hochstraße Nord und dem Bau der neuen ebenerdigen Helmut-Kohl-Allee soll der Fernverkehr hauptsächlich über die Südtrasse laufen, so die Planung der Stadt.

Zur Sache: Hochstraße Süd

Wegen Einsturzgefahr ist die wegen ihrer Stützen sogenannte Pilzhochstraße im Sommer 2020 in 106 Tagen abgerissen worden. Seitdem klafft eine 520 Meter lange Lücke in der Hochstraße Süd, die nun mit einer Spannbetonkonstruktion geschlossen wird. Für die 97 Millionen Euro teure Variante hat sich der Stadtrat im Dezember mit großer Mehrheit ausgesprochen. Bis Ende 2025 soll die Ersatzbrücke stehen. An Neujahr 2026 soll die Südtrasse (B37) als zentrale Verkehrsader der Metropolregion wieder komplett für den Verkehr freigegeben werden, danach der Rückbau der ebenfalls maroden Nordtrasse (B44) starten. Die Gesamtkosten für die Sanierung des Hochstraßensystems werden auf 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Mit Bund und Land wird derzeit ein Finanzpaket geschnürt. Der städtische Anteil soll bei 254 Millionen Euro liegen.

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