Ludwigshafen
Grimm-Schule: Erweiterung liegt auf Eis wegen Personalmangels bei der Verwaltung
Mit über 30.000 Schülern ist Ludwigshafen der größte Schulstandort in Rheinland-Pfalz. 47 Schulen sind in städtischer Trägerschaft, darunter 22 Grundschulen, die alle mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind. Eine davon ist die Brüder-Grimm-Schule in der Hornstraße in Süd. Es fehlen Räume. Der Schulhof ist zu klein. Die Kapazitäten der Turnhalle sind erschöpft. Die Einrichtung mit aktuell 13 Klassen und 244 Jungen und Mädchen braucht dringend eine Erweiterung. Das ist schon seit Jahren bekannt. Vor allem wegen der Neubaugebiete am Rheinufer Süd, aber auch wegen der Flüchtlingsunterkunft in der Walzmühle, wo für einige Monate auch Kinder untergebracht werden, verschärfen sich die Nöte weiter. Der Sanierungsstau, etwa in den Toiletten, kommt noch obendrauf. Bisherige Containerlösungen stießen auf wenig Gegenliebe.
Ironischer Konter
Noch vor den Sommerferien sollte der eigentlich schon im letzten Schuljahr geplante Erweiterungsbau starten – auf Stelzen über der Böschung im Schulhof. Grund genug also für die CDU-Fraktion, bei der Sitzung des Ortsbeirats am Dienstagnachmittag Informationen von der Stadtverwaltung über Zeitablauf und Baufortschritt an der Schule einzufordern. Die Antwort war ernüchternd und erntete Gelächter. Denn wegen akuten Personalmangels – in der Verwaltung fehlen insgesamt 400 Stellen – bittet die Stadt um eine „Fristverlängerung“, ohne konkreter zu werden. Das heißt: Mit der Erweiterung bis zu den Ferien wird es wohl nichts. Die Reaktionen und der Beschluss im Ortsbeirat waren entsprechend. Er fordert die Verwaltung auf, die Angelegenheit nochmals zu prüfen. „Für die neu einzuschulenden Kinder gibt es ja auch keine Fristverlängerung“, sagte Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU) mit ironischem Unterton.
Bereits 73 neue Anmeldungen
Verschiebt sich der Erweiterung, bedeutet das laut Schulleiterin Silke Mavridis, dass zum neuen Schuljahr ein Raum für eine Klasse fehlt, wie sie am Mittwoch auf Anfrage sagte. „Wir sind schon ausgelastet bis in die Besenkammer“, betonte die 46-Jährige, die seit diesem Jahr die Grimm-Schule führt, vorher Konrektorin war und seit 16 Jahren zum Kollegium (derzeit 14 Lehrer) zählt. Fürs neue Schuljahr gebe es bereits 73 Anmeldungen, was vier Klassen entspreche. Diese Zahl werde sich wohl noch erhöhen, da sogenannte Kann- sowie Flüchtlingskinder hinzukommen könnten und jederzeit mit Anmeldungen von Neuankömmlingen am Rheinufer Süd zu rechnen sei. Mavridis zufolge will sich der Schulelternbeirat am Donnerstagabend treffen, um über das Thema zu sprechen.
Sicherheitsdienst beauftragt
Mit Problemen krimineller Natur hat momentan die Albert-Schweitzer-Schule in der Georg-Herwegh-Straße zu kämpfen (14 Klassen, 267 Schüler). Dort gab es in den vergangenen Monaten vermehrt Einbrüche oder Einbruchsversuche, wie die Stadtverwaltung nach einem Antrag der Fraktion Grünes Forum informierte, der die Installation einer Alarmanlage oder einer Überwachungskamera beinhaltete. Um die Situation bis zur einer dauerhaften Lösung in den Griff zu bekommen, hat die Verwaltung einen Sicherheitsdienst engagiert, der im Bereich der Schule und der Kindertagesstätte verstärkt patrouilliert.
Wie ein Sprecher des Polizeipräsidium Rheinpfalz am Mittwoch auf Anfrage sagte, sind seit November vier Einbrüche, beziehungsweise Einbruchsversuche in die Albert- Schweitzer-Schule gemeldet worden.
25.000 Euro Sachschaden
Insbesondere bei den Delikten im Zeitraum 29. Dezember bis 2. Januar sei ein erheblicher Sachschaden in Höhe von nahezu 25.000 Euro entstanden. „Die Ermittlungen dauern derzeit noch an“, so der Sprecher.
Das Grüne Forum war es auch, das wegen künftiger Standorte für Kitas und Grundschulen nachgehakt hatte. Ein Lichtblick: Auch die Stadtverwaltung sieht mittlerweile den Bedarf für eine weitere Grundschule in der Innenstadt, die Ortsvorsteher Heller seit einer halben Ewigkeit fordert – und zwar für eine vierzügige Einrichtung mit 16 Klassen. Ob die an der Helmut-Kohl-Allee in den 2030er-Jahren entstehende City-West dafür als Standort in Frage kommt, ein Vorschlag Hellers, dazu gebe es noch keine konkreten Planungen. Der Bedarf eines Schulstandorts werde bei den künftigen Planungen aber berücksichtigt, versicherte die Verwaltung.
Alles andere als rosig sieht es bei den Kita-Plätzen aus. Stadtweit fehlen rund 2000 sowie etwa 80 Erzieherinnen und Erzieher. Der wachsende Stadtteil Süd/Mitte mit inzwischen rund 35.000 Einwohnern ist besonders betroffen. Nach Angaben der Verwaltung steht im Stadtteil aktuell 900 vorhandenen Plätzen für Kinder über zwei Jahren (Ü2) ein Bedarf von 1275 Plätzen gegenüber.
Kita: Defizit von 175 Ü2-Plätzen
Mit den Bauvorhaben auf dem ehemaligen Pfalzwerke-Areal und dem Wohnkomplex Ludwigs-Quartier an der Rheinallee sollen 155 Ü2-Plätze geschaffen werden. Für die Menzelstraße (Parkinsel) seien Planungsmittel für eine Kita mit 75 Ü2-Plätzen und zehn U2-Plätzen in den Haushalt 2024 eingestellt. „Für das verbleibende Defizit von 175 Ü2-Plätzen sind derzeit keine Standorte vorhanden“, erklärte die Verwaltung schriftlich. Es seien bereits etliche Grundstücksflächen in der Größenordnung von 2000 Quadratmetern geprüft worden. Diese kämen aber aus unterschiedlichen Gründen nicht als Standort in Frage. Dem Wunsch des Ortsbeirats zufolge kämen Grünflächen nicht in Betracht.
Ein Offenbarungseid
Für viele Ortsbeiräte kommt diese Bilanz der Verwaltung einem Offenbarungseid gleich. „Die Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz“, betonte Jens Brückner (Grünes Forum). Heller kritisierte die viel zu geringe finanzielle Unterstützung des Landes bei Kita-Bauten, was die Verschuldung der Stadt weiter in die Höhe treibe. Bund und Land würden Kommunen wie Ludwigshafen für deren Pflichtaufgaben grundsätzlich viel zu schlecht ausstatten. Sollte sich daran nichts ändern, gerate gesellschaftlich immer mehr in Schieflage, warnte der 59-Jährige.
Zur Sache: Schulstandort Ludwigshafen
Ludwigshafen ist das linksrheinische Oberzentrum der Metropolregion Rhein-Neckar. Viele der 31.000 Schülerinnen und Schüler kommen aus der gesamten Vorderpfalz nach Ludwigshafen. 22 Grundschulen, fünf Realschulen plus, eine organisatorisch verbundene Grundschule und Realschule plus, sechs Gymnasien, drei Integrierte Gesamtschulen, vier Förderschulen und sechs Berufsbildende Schulen sind Teil der Ludwigshafener Schullandschaft.
Zehn Schulen, die Grundschule Bliesschule, die Grundschule Schillerschule Oggersheim, die Grundschule Karl-Kreuter-Schule, die Albert-Einstein-Grund-und Realschule plus (Klassenstufen 1 bis 4), die Schulen mit Förderschwerpunkt Lernen an der Blies und Schloss-Schule Oggersheim sowie die Grundschule und die Realschule plus Ernst-Reuter, die Integrierte Gesamtschule Edigheim, das Carl-Bosch-Gymnasium sowie das Heinrich-Böll-Gymnasium sind Ganztagsschulen in Angebotsform. Zwei Schulen, die Schule mit Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung Georgens-Schule und die Integrierte Gesamtschule Ernst-Bloch Oggersheim, sind Ganztagsschulen in verpflichtender Form.