Mutterstadt
Fotografie als Kraftspender: Für den perfekten Schuss nimmt sich Maike Müller Zeit
„Ich sehe mich selbst als Hobbyfotografin mit künstlerischem Anspruch“, sagt Maike Müller. Als die Mutterstadterin vor zehn Jahren ihren Beruf als Bankkauffrau aufgab, entschied sie sich ganz bewusst dafür, ihr Hobby zu vertiefen. Durch Video-Tutorials und in Kursen an der Knipsakademie in Mannheim eignete sie sich die handwerklichen Grundlagen an, um ganz ohne Automatik und nach ihren Vorstellungen zu fotografieren.
Nachträgliche Bildbearbeitung ist nicht ihr Ding. „Ich saß in der Bank 35 Jahre am Computer“, erklärt Müller, die neben ihrem Beruf auch viele Jahre als Trainerin im Fitnessstudio ihres Mannes mitgearbeitet hat. „Ich wollte mit meinem Hobby raus in die Natur und dann nicht stundenlang am Computer sitzen und mein Foto mit jeder Menge Technik überlagern.“ Sie ist überzeugt, dass es noch Menschen gibt, die ein selbst gemachtes Bild zu schätzen wissen.
Müller lässt sich Zeit für ein Bild
„Die Kamera ist nicht mein Arbeitswerkzeug, sondern mein ständiger Begleiter“, sagt die Fotografin, die mit ihrem Mann und Hund Paul in einem schmucken Einfamilienhaus lebt. Wenn ihr ein lohnendes Motiv begegnet, ist sie gerüstet. Und sie lässt sich Zeit, um genau das Bild zu bekommen, das sie haben möchte. „Ich gehe um das Objekt der Begierde herum“, erzählt die 60-Jährige. Am Ende könne es sein, dass sie 100 Bilder gemacht habe. „Ich entscheide dann zu Hause, welches das Schönste ist, und den Rest werfe ich weg.“
Bei einer Makroaufnahme von einem Wiesen-Bocksbart in ihrem Garten seien es sogar rund 200 Versuche gewesen, um den perfekten Schuss zu bekommen. Es genügte ihr nicht, einfach nur die Schönheit des Fruchtstandes, der wie eine große Pusteblume aussieht, einzufangen. Fokus, Ausschnitt, Licht – alles sollte passen. Das Foto schickte die Mutterstadterin vor knapp vier Jahren an das Magazin Geo. Mit Erfolg: Es wurde zum Leserfoto des Monats März gekürt.
Für die Teilnahme am Cewe Photo Award unter dem Motto „Our World is beautiful“ im vergangenen Jahr hat Maike Müller eine gekaufte Tulpe in Szene gesetzt. Letztlich entschied sie sich für ein Bild, auf dem die Blüte vor einem schwarzen Hintergrund zu sehen ist. Dass ihr Bild von der mit professionellen Fotografen besetzten Fachjury unter die 1000 Gewinnerfotos gewählt wurde, macht die 60-Jährige stolz. Teilgenommen hatten immerhin rund 46.000 Fotografen aus 153 Ländern mit mehr als 656.000 Fotos.
Kein gewerbliches Handwerk
„Das war meine bisher größte Auszeichnung“, freut sich Müller, der es vor allem darum geht, dass ihre Bilder gesehen werden und eine gewisse Wertschätzung erfahren. „Das ist meine Bezahlung“, sagt die Fotografin. Denn gewerblich betreibt sie ihr Handwerk nicht. Im Gegenteil, statt etwas für ihre Fotos zu verlangen, stellt sie sie häufig kostenlos für einen guten Zweck zur Verfügung.
So hat sie etwa Bilder ihres Heimatortes Mutterstadt der Gemeinde angeboten, die einige dieser Motive in ihre Homepage eingebunden hat. Fotos vom Mutterstadter Wasserturm und vom historischen Rathaus zieren auch die Tüten des Fairtrade-Kaffees, der im Weltladen verkauft wird. Als Fan elektronischer Musik fotografierte sie die Gruppe „Waldrauschen“ und überließ den Musikern Bilder für ein Promotionsheft. „Ich unterstütze die Dinge, die ich spannend finde“, erklärt Maike Müller.
Eine besondere Ehre war es für sie, den von ihr geschätzten Künstler Dietmar Brixy aus Mannheim 2024 nach Venedig zu begleiten, um dort seine Ausstellung zu fotografieren. „Er hat mir freie Hand gelassen“, erinnert sie sich. Dass Brixy einige ihrer Bilder anschließend in seinem jüngsten Kunstbuch abgedruckt hat, hat die Fotografin sehr gerührt.
Ihren Schwerpunkt legt die Mutterstadterin auf die Natur und Architektur. Für Letztere begibt sie sich auch gerne nach Ludwigshafen, wo sie immer wieder spannende Motive entdeckt. Menschen kommen ihr dagegen nur in Ausnahmefällen vor die Linse. „Peoplefotografie wird nie mein Gewerk“, ist sie sich sicher.
Mit Menschen durch die Fotografie in Kontakt zu kommen, ist ihr jedoch sehr willkommen. So hat ihre erste Ausstellung, die sie 2017 unter dem Titel „Der Weinberg in seinen vier Jahreszeiten“ in der Gemeindebibliothek Mutterstadt präsentierte, sie mit anderen Künstlern zusammengebracht. Und gemeinsam gründeten sie im Jahr darauf die Künstlergruppe kreArt Mutterstadt, die seither regelmäßig Ausstellungen in ihrer Heimatgemeinde veranstaltet.
Kontakte hat sie aber ebenso über ihre Seite auf der sozialen Plattform Facebook geknüpft, auf der sie mittlerweile mehr als 12000 Follower hat. „Dadurch sind auch schöne Freundschaften entstanden“, erzählt die Fotografin, der es vor allem um den Austausch geht und darum, ihre Fotos interessierten Menschen zu zeigen. „Ein Foto lebt vom Betrachten“, sagt sie.
Bilder auch in Kalendern zu sehen
Aus dem gleichen Grund stellt Maike Müller ihre Bilder auch für verschiedene Kalender zur Verfügung. So sind von ihr festgehaltene Motive in diesem Jahr etwa im Pfalz- und Weinkalender des Meininger-Verlags, im Wochenblattreporter-Kalender sowie im Jahreskalender des Stadtmarketings Ludwigshafen zu sehen. Letzterer erscheint bereits zum zehnten Mal in Folge mit Müllers Beteiligung. Aufmerksame Leser der RHEINPFALZ werden zudem ab und zu eines ihrer Bilder unter den Leserfotos entdecken, denn auch diese Plattform nutzt Maike Müller gerne.
„Ich habe für mich die Zufriedenheit und Lebensfreude in der Fotografie gefunden“, sagt die 60-Jährige. Dieses Hobby sei für sie ein Ausgleich und gebe ihr Kraft. Und wenn ihre Bilder auf positive Resonanz stoßen, ist ihr das Lohn genug. „Dann habe ich wieder mein Glücksgefühl.“
Info
Mehr Informationen und Bilder sind bei Facebook unter „Maike Müller Photography“ zu finden.