Rhein-Pfalz Kreis
Weltladen Mutterstadt ist seit 17 Jahren im Geschäft
Fairtrade-Gemeinde – diesen Titel will Mutterstadt bald tragen. Die Verantwortlichen des Weltladens hoffen, dass das Siegel sich auch positiv auf ihre Arbeit auswirkt. Und auf ihren Laden. Seit 17 Jahren verkaufen sie in der Oggersheimer Straße fair gehandelte Produkte.
Stark, schwarz, schmeckt nicht. Ein Vorurteil, das noch immer in einigen Köpfen steckt, wenn es um fair gehandelten Kaffee geht. „Ja, der Kaffee ist stärker“, sagt Jutta Keinath. „Aber nur, weil keine Leerbohnen verarbeitet werden. Man muss ihn einfach anders dosieren.“ Die Mutterstadterin engagiert sich im Verein Initiative Eine Welt und unterstützt den Weltladen als Kassenführerin. In den Verkaufsräumen in der Oggersheimer Straße werden zig Sorten Kaffee verkauft – so sei für jeden Geschmack etwas dabei, findet Jutta Keinath.
Kaffee ist das umsatzstärkste Produkt im fairen Handel. Und das meist verkaufte Produkt im Weltladen. „Viele Gruppen und Vereine kaufen zum Beispiel für Feste ihren Kaffee bei uns und unterstützen uns so“, erzählt Romi Rödl. Sie ist verantwortlich für den Einkauf und weiß: „Gleich nach Kaffee kommen Schokolade und Honig.“ Die Produktpalette im Laden ist aber weitaus größer: Schmuck, Gläser, Taschen, Schals, Aufstriche oder auch Gewürze werden verkauft. Hinzu kommen – ganz regional – Bioweine aus der Pfalz, die meisten von der Dürkheimer Lebenshilfe.
Noch nicht jeder Mutterstadter war da
Seit 17 Jahren betreibt der Verein den Laden. Alle Dienste werden von Ehrenamtlichen übernommen. „Er war ein Wagnis. Und hat sich bewährt“, sagt Jutta Keinath. „Wir sind ein Laden wie jeder andere auch – nur eben mit fair gehandelten Produkten“, fügt Romi Rödl an. Aber dank der Stammkundschaft laufe das Geschäft. Dass es sich so lange hält – davon sind auch die beiden Frauen überrascht. Anfangs sei der Laden noch kritisch beäugt worden. Mittlerweile ist er eine feste Institution. Wenn auch längst noch nicht jeder Mutterstadter den Weg dorthin gefunden habe. Die Umsatzzahlen sind jedoch stabil, sagt Jutta Keinath. Was von den Einnahmen übrig bleibt, wird für den guten Zweck gespendet. Gut 50.000 Euro sind da bisher zusammengekommen, schätzt Keinath. Unterstützt wurden zum Beispiel das Projekt Mangos für Kinderrechte, Straßenkinder in El Salvador oder der Bau eines Krankenhauses in Burundi.
Angefangen hat alles mit Verkäufen nach den Gottesdiensten. „Es ist wichtig, die Leute auf fairen Handel aufmerksam zu machen“, sagt Romi Rödl. „Fairtrade ist längst nicht für alle ein Begriff. Viele Menschen setzen sich nicht damit auseinander.“ Irgendwann sei die Idee aufgekommen, einen Laden zu gründen. Als das Haus zur Miete gefunden wurde, konnte es losgehen. In Eigenleistung wurde umgebaut und alles vorfinanziert. „Wir haben einige gefunden, die an das Projekt geglaubt haben“, erzählt Romi Rödl.
Zirka 25 Menschen arbeiten im Weltladen mit. Weitere sind nötig, sagen die beiden Frauen. „Die Öffentlichkeitsarbeit ist mangels Leuten etwas eingeschlafen“, erzählt Romi Rödl. Dabei sei Aufklärungsarbeit nach außen ein immens wichtiger Punkt. Im Laden selbst seien die Mitarbeiter diesbezüglich jedoch zurückhaltend. „Wir haben gemerkt, dass viele das beim Einkauf nicht wollen“, sagt Jutta Keinath. Und: „Wir wollen nicht missionieren.“ Aber wer Fragen habe, bekomme die nötigen Informationen an die Hand.
Die seien wichtig. Denn: Fair ist nicht gleich fair, betont Romi Rödl. Nicht jede Ware mit einem Siegel im normalen Handel sei auch zu 100 Prozent aus fairem Anbau. „Es sind Einsteigersiegel. Das ist gut, weil die Leute sich so mit dem Thema beschäftigen, und vielleicht den Weg zu uns finden.“ Was im Weltladen verkauft wird, sei zu 100 Prozent aus fairem Handel, erzählen die Frauen. Nur so könne den Kleinbauern eine sichere Planung ermöglicht und ein regelmäßiges Einkommen gegeben werden. „Sie können durch fairen Handel besser leben“, erklärt Romi Rödl.
Kontakt
- Weltladen Mutterstadt, Oggersheimer Straße 17, Telefon 06234/920897, im Netz: www.weltladen-mutterstadt.de. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 12.30 Uhr, Dienstag, Donnerstag und Freitag, 15 bis 18 Uhr, Samstag, 9 bis 13 Uhr. Bis zum 10. August bleibt der Weltladen freitagsnachmittags geschlossen.
- Weltladen Schifferstadt, Hauptstraße 6, Telefon 06235/3478587, im Netz: www.weltladen-schifferstadt.de. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 12.30 Uhr sowie 15.30 bis 18.30 Uhr, Samstag, 10 bis 12.30 Uhr, Mittwochnachmittag ist geschlossen.