Ludwigshafen
Dietmar Brixy: Ein Leben als Kunstwerk
Vor 15 Jahren hat der Maler und Bildhauer Dietmar Brixy das Alte Pumpwerk in Mannheim-Neckarau gekauft und mit viel Liebe und Leidenschaft aus dem neugotischen Industriegebäude einen wunderbaren Ort geschaffen. Ein Ort, der das perfekte Zuhause ist für den Künstler und seine Kunst: sinnliche, farbenfrohe, mit Hingabe geschaffene Gemälde.
Es ist eine märchenhaft schöne Geschichte. Sie handelt vom kleinen Dietmar, der 1961 in Mannheim geboren und ganz in der Nähe des Alten Pumpwerks aufgewachsen ist. Als Junge ist er mit dem Fahrrad an diesem brachliegenden Gebäude vorbeigefahren. Es hat ihn schon immer fasziniert. Aber dass es ihm einmal gehören könnte, dass er in diesem wunderbaren Gemäuer einmal arbeiten und leben, seine Kunst präsentieren und rauschende Feste mit seinen Freunden feiern würde – das hätte sich der kleine Dietmar nie vorstellen können. Und auch der etwas ältere Dietmar nicht, der ein unbekannter Kunststudent war und nicht „Brixy“. Heute ist das eine Marke, heute kostet ein Gemälde, das mit dem markanten Schriftzug „Brixy“ signiert ist, etliche Tausend Euro.
Studiert hat Dietmar Brixy gar nicht Malerei, sondern Bildhauerei: an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Werner Pokorny und anderen Professoren. 1991 machte er seinen Abschluss, zehn Jahre später fiel die Entscheidung für das, was er heute sein „Lebenswerk“ nennt: jenes Abwasserpumpwerk unweit des Rheins zu kaufen, das ihn als Kind schon so begeistert hat. Es ist ein tolles Gebäude: 1903 erbaut nach Plänen des Stadtbaudirektors Richard Perrey, der als Architekt auch für die Alte Feuerwache zuständig war. Obwohl es einen ganz profanen Zweck erfüllt (und es dort früher ziemlich gestunken haben muss), wirkt es wie eine Kathedrale. Heute haben Brixy und sein Partner in der ehemaligen Klärhalle ihren Wohnbereich, die alte Pumpenhalle ist Atelier und Ausstellungsraum.
Von der Bildhauerei hat Brixy sich schon lange verabschiedet. Allerdings nicht so ganz. Seine Gemälde wirken dank seiner besonderen Technik plastisch und fast dreidimensional. Inspiriert von der Action-Painting-Methode eines Jackson Pollock, trägt er die Farbe mit großer Lust auf: nicht auf Leinwand, sondern auf ein Baumwollmischgewebe namens Nessel. „Mit Tube, Spachtel, Pinsel und Finger“ arbeite er, sagt Brixy und beschreibt mit großen Gesten die Arbeit. „Oh ja“, sagt er auf die Frage, ob das nicht Riesenspaß mache, und ein bisschen wirkt er wieder wie der kleine Junge auf dem Fahrrad.
Brixys Output ist gewaltig, er arbeitet permanent. Obwohl viele Werke fehlen, die ein neues Zuhause bei Sammlern gefunden haben, hängen die öffentlich zugänglichen Räume des Pumpwerks – und das sind außer Bad und Schlafzimmer praktisch alle – voll mit Gemälden aus vielen Schaffensperioden. Sie sind groß und klein, manche rund, die meisten wild, bunt, sinnlich. Sie erzählen von einem Künstler, der sie voller Energie und Leidenschaft erschaffen hat. Als Inspiration dient ihm oft sein traumhaft schöner Garten, den er wie das gesamte Areal mühsam gestaltet hat, ein Feigenbaum, ein Bambus. Und regelmäßige Reisen, vor allem auf die Kanareninsel La Palma.
Die Interpretation seiner Werke möchte Brixy gerne dem Betrachter hinterlassen. Man kann Räume darin erkennen, Landschaften, ganz selten Figuren. Manchmal hat er sich ein bestimmtes Motiv ausgesucht, Lebenslinien zum Beispiel. Schon länger – länger, als es ein omnipräsentes Thema ist – treibt ihn der Zustand unseres Planeten um, „Sundown – You better take care“ hat er dazu eine Serie mit Arbeiten auf Holz genannt, mit klaren, leuchtenden Farben. Sie zeigen wieder einen ganz anderen Brixy als den, der die Farbe mit Lust explodieren ließ. Welche da noch kommen werden? Man darf gespannt sein.
Termin
Unter dem Titel „Brixy Passion“ sind im Alten Pumpwerk Neckarau, Aufeldstraße 19, bis Samstag, 12. Oktober, Arbeiten aus 15 Jahren im Pumpwerk zu sehen. Dazu werden Stahlskulpturen des Bildhauers Thomas Röthel präsentiert. Öffnungszeiten: freitags 15 bis 19, samstags und sonntags 11 bis 15 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter www.brixy.de.