Mannheim
Fliegen auf Bestellung nach Berlin: Die nächsten großen Pläne auf dem Mannheimer City Airport
Mit einem innovativen Konzept will das Stuttgarter Start-up VINI Flybird den Luftverkehr in Deutschland flexibler und individueller gestalten. Am Mannheimer City Airport plant das Unternehmen, Flüge auf Bestellung anzubieten. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie ambitioniert: Statt sich nach festen Flugplänen zu richten, sollen Kunden ihre Flüge künftig nach Bedarf buchen können. Kleinflugzeuge starten eben dann, wenn sie gebraucht werden – etwa für Geschäftsreisen oder spontane Kurztrips. Mannheim gilt dabei als einer der ersten Standorte, an denen das Konzept erprobt worden ist.
Das Unternehmen will am Mannheimer Flugplatz eine Lücke schließen. Seit dem Frühjahr 2020 hoben in Neuostheim keine Maschinen mehr Richtung Hauptstadt ab. Mehrere Unternehmen versuchten sich an der Verbindung – und immer wieder scheiterten sie mit diesem Angebot. 1997 startete Cirrus Airlines Direktflüge in Maschinen mit 30 Plätzen zum Flughafen Berlin-Tempelhof. Dauer: etwa eine Stunde. Die Strecke wurde später auf den Flughafen Berlin-Tegel verlegt. Es gab mehrere tägliche Verbindungen.
Brüchige Verbindung nach Berlin
Die Konkurrenz durch den nahegelegenen Flughafen in Frankfurt und Hochgeschwindigkeitszüge machten Cirrus Air zu schaffen. Das Unternehmen konnte sich langfristig nicht am Markt behaupten. 2012 stellte Cirrus seinen gesamten Flugbetrieb ein, kurz vorher schon war für die Linienflüge zwischen Mannheim und Berlin Schluss. Die Rhein-Neckar Air startete 2014 einen neuen Versuch. Bis 2020 hoben Maschinen nach Berlin ab – mit dem Fokus auf Geschäftsreisende. Doch auch das funktionierte nicht, die Rhein-Neckar Air ist mittlerweile ebenfalls insolvent. Nachfolger Mannheim City Air fliegt nach Sylt und von Ende August bis Anfang Oktober auf die Insel Elba.
Und VINI? Das Unternehmen um Gründer Tomislav Lang versucht es nun mit einem ganz anderen Ansatz. Im Februar startete VINI auf dem Mannheimer Flugplatz eine Testwoche mit Flügen nach Berlin, genauer gesagt Schönhagen, einem Ortsteil der Stadt Trebbin in Brandenburg, etwa 35 Kilometer von der Metropole entfernt. Der Shuttle – Dauer etwa fünf bis zehn Minuten – vom Flugplatz zum Bahnhof Trebbin war kostenlos. Die Resonanz gab den Ausschlag: Geschäftsreisende und Unternehmen aus der Metropolregion Rhein-Neckar hätten einen konkreten Bedarf an schnellen Verbindungen in deutsche Wirtschaftszentren – ohne Umwege über große Drehkreuze wie Frankfurt, heißt es. Der Flug selbst dauert etwa eine Stunde. Für die Fahrt zum Berliner Hauptbahnhof kommen noch mal etwa 30 Minuten hinzu. Für eine Fahrt mit dem ICE von Mannheim nach Berlin müssen Kunden der Deutschen Bahn mit ungefähr fünf Stunden rechnen.
Ab Mai zwei Hin- und Rückflüge pro Woche
Auf dieser Basis sollen die Flüge nun auf regelmäßige Monatstests ausgeweitet werden. Ab Mai werden zweimal pro Woche Hin- und Rückflüge vom Mannheimer City Airport angeboten. Die Linienflüge soll es in den Monaten Mai bis Juni sowie September bis Oktober jeweils montags und freitags geben. Aus einer Testwoche sollen zunächst Testmonate werden – geht es nach Lang, soll Mannheim nach und nach an ein regionales Flugnetz angeschlossen und weitere Ziele angeboten werden.
Konkret geplant seien Hamburg, Antwerpen und Dresden, „aber auch Nürnberg, Zürich, Bern und Basel sind vorstellbar“, betont der VINI-Geschäftsführer gegenüber der RHEINPFALZ. Auch für die Nordseeinsel Sylt gebe es eine Nachfrage. „Ganz vorn ist Hamburg, Antwerpen ist durch den dortigen BASF-Standort interessant. Letztlich soll es der Kunde entscheiden“, sagt er.
„Fliegen so einfach wie eine Uber-Fahrt“
Regionale Flüge sollen sich also nach der Nachfrage richten. Die Plattform, die VINI bereitstellt, analysiert Buchungsdaten in Echtzeit und bündelt Passagierströme. Auf diese Weise sollen Flugpläne mithilfe eines auf Künstliche Intelligenz gestützten Systems verbessert werden. Das Ziel: Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen Regionen, die bislang nicht wirtschaftlich bedient werden konnten. „Regionales Fliegen soll so einfach werden wie eine Uber-Fahrt“, sagt Lang. Die Diskussion über die Zukunft der Fliegerei wird also längst auch in Mannheim geführt.
Grundsätzlich gebe es für einen interessierten Kunden zwei Möglichkeiten. „Die eine ist: Er reserviert und wartet – abhängig vom Interesse weiterer Kunden –, bis bestätigt wird. Wenn ich auf jeden Fall fliegen will, ist der Preis höher und die Reservierung wird sofort bestätigt.“ Theoretisch wäre es möglich, dass ein Passagier allein in dem kleinen Flieger sitzt, in dem neun Personen Platz finden. „Das ist dann unser Problem“, betont Lang, der seit 25 Jahren mit verschiedenen Projekten im Luftfahrtgeschäft tätig ist. Die Preise für einen Flug von Mannheim nach Berlin würden bei 150 Euro beginnen – und sich an Nachfrage und Auslastung anpassen. Auch der Zeitpunkt der Buchung könne eine Rolle spielen. Es kann also auch deutlich teurer werden.
Umweltschützer sehen Konzepte wie das von VINI Flybird überwiegend kritisch – vor allem wegen der schlechten Klimabilanz pro Passagier. Kleine Flugzeuge mit nur neun Sitzen gelten gegenüber großen Linienmaschinen und erst recht im Vergleich zur Bahn als ineffizient. Das Unternehmen beantwortet solche Kritik mit dem Hinweis darauf, dass man langfristig auf nachhaltigere Antriebstechnologien setzen wolle, etwa hybride und vollelektrische Flugzeuge. Das ist bislang im klassischen Linienverkehr aber noch Zukunftsmusik.