Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Mannheimer Flugplatz-Chef: „Hier fliegen nicht nur die Reichen und die Schönen“

Vor Terminal und Tower: Flugplatz-Geschäftsführer Dirk Eggert.
Vor Terminal und Tower: Flugplatz-Geschäftsführer Dirk Eggert.

Dirk Eggert ist seit 2024 Geschäftsführer des City Airports. Mit Oliver Seibel sprach der 59-Jährige über Schampus-Trips nach Cannes und die Zukunft der Fliegerei.

Herr Eggert, Sie haben vor vielen Jahren Reiseverkehrskaufmann gelernt und bei Hapag-Lloyd gearbeitet. Woher kommt Ihre Begeisterung fürs Reisen?
Schon als Vierjähriger war ich mit meinen Eltern in Kenia. Wir waren immer viel unterwegs. Reisen übte eine besondere Faszination auf mich aus, insbesondere das Reisen mit dem Flugzeug. Das hat dann dazu geführt, dass ich als 16-Jähriger mit dem Segelfliegen in Ludwigshafen/Dannstadt angefangen habe und mit 19 den Motorflugschein gemacht habe. Parallel dazu haben sich mit der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann sehr viele Träume verwirklicht. In dem Job kann man natürlich sehr viel und günstig reisen.

Was sind Ihre schönsten Reiseziele gewesen? Gibt es einen Ort, wo Sie unbedingt noch hinwollen, der noch fehlt auf Ihrer Liste?
Es gibt so viele schöne Plätze auf der Welt. Aber eigentlich haben wir alle Ziele abgearbeitet, die wir bereisen wollten. Australien und Asien haben mich immer fasziniert. Und zu Afrika habe ich eine ganz besondere Beziehung. Wir, also meine Frau und ich, haben vor 20 Jahren in Kenia ein Haus gebaut, um ein Kinderheim zu unterstützen, das dort in der Nähe war. Damit haben wir uns einen Traum erfüllt. Die Zeiten ändern sich natürlich. Wenn man die 50 überschritten hat, will man nicht mehr unbedingt zwölf Stunden im Flieger sitzen und genießt stattdessen Europa und Deutschland.

Wie sind Sie beruflich am Mannheimer City Airport gelandet?
Ich war damals bei Hapag-Lloyd unter anderem für den Geschäftsreisebereich verantwortlich. Wir waren in der Stadt auf den Planken und wollten mit unserem Büro umziehen. Und weil ich seit 1991 schon selbst hier in Neuostheim geflogen bin, hatte ich natürlich einen Bezug zum Flugplatz. Ich habe hier 1992 sogar in einem 17-sitzigen Flugzeug geheiratet. Hapag-Lloyd wurde dann durch mein Zutun einer der Mieter im Terminal. Ende der 1990er-Jahre hat sich die Möglichkeit ergeben, dass ich hier eine Ausbildung zum Fluglotsen machen konnte.

Viele Jahre ging ein Linienflug nach Berlin. Diese Route gibt es nicht mehr. Dafür geht es nach Sylt, Usedom und Elba.
Viele Jahre ging ein Linienflug nach Berlin. Diese Route gibt es nicht mehr. Dafür geht es nach Sylt, Usedom und Elba.

Sie waren dann lange Chef im Tower und Prokurist und sind seit 2024 Geschäftsführer des City Airports. In Zeiten, in denen viel über das Klima geredet wird, haftet der Fliegerei nicht das beste Image an. Was können Sie da als Chef eines Flugplatzes tun?
Sehr viel. Natürlich können wir den Schalter in der Fliegerei nicht so schnell umlegen, wie man das vielleicht beim Auto machen kann. Rein von der Physik her wird es aus meiner Sicht in den nächsten 30, 40 Jahren nicht möglich sein, elektrisch über den Atlantik zu fliegen.

Und was wird möglich sein in 30 Jahren?
Es wird mit Sicherheit etwas mit Wasserstoff im Bereich Langstrecke geben. Die reine elektrische Fliegerei wird erstmal kleinräumiger stattfinden – im Bereich bis 500 Kilometer. Genau da kommt ein Regionalflugplatz wie unserer ins Spiel. Wir können die Vorreiter sein für diese Art der Fliegerei. Wir haben ja schon vor eineinhalb Jahren begonnen mit einem zweisitzigen Elektroflugzeug, das gerade bei der Basisausbildung von Flugschülern sehr gut funktioniert, weil man eine knappe Stunde unterwegs sein kann. Es hakt noch ein bisschen daran, andere Flugplätze zu motivieren, eine Ladeinfrastruktur zur Verfügung zu stellen. Mittelfristig wird es aber darauf hinauslaufen. Seit vier Wochen kann man das Flugzeug mit einem klassischen Autostecker laden. Wir haben hier eine Schnellladestation installiert, mit der man sowohl Autos laden kann als auch das Flugzeug. Eine eigene Fotovoltaikanlage haben wir auch. Wir wollen vorbereitet sein, wenn der nächste Schritt kommt.

Der da wäre?
Man hat es gerade auf der Paris Air Show gesehen, dass es mittlerweile rein elektrisch operierende Flugzeuge gibt, die mit sechs, sieben Sitzen ausgestattet sind und bis 400 Kilometer weit fliegen. In Paris waren davon schon Prototypen in der Luft. Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir hier in Mannheim in vier, fünf Jahren ein Netz haben werden mit Flugverbindungen von rein elektrisch betriebenen Flugzeugen, die über 500 oder 600 Kilometer weit fliegen können – komplett ohne Emission.

Dieses zweisitzige Elektroflugzeug gibt einen Vorgeschmack, wie die Zukunft der Fliegerei aussehen könnte.
Dieses zweisitzige Elektroflugzeug gibt einen Vorgeschmack, wie die Zukunft der Fliegerei aussehen könnte.

Und wer nutzt die dann? Wer sitzt da drin?
Insbesondere Geschäftsreisende. Bei ihnen kommt es natürlich am meisten auf die Zeit an. Interessant wird das Ganze dadurch, dass das zu Preisen möglich sein wird, die weit unter denen liegen, die man heute mit einem neunsitzigen Flugzeug bezahlt.

Welche Kosten fallen weg?
Ein ganz wichtiger Punkt: Die klassischen Verbrennungsmotoren oder Jet-Turbinen sind sehr wartungsaufwendig sind. Diese neuen Flugzeuge liegen bei der Wartung so bei 15 bis 20 Prozent der klassischen. Und dann muss man ja auch davon ausgehen, dass die Preisentwicklung bei den fossilen Kraftstoffen nach oben geht. Mit einem Elektroauto sind Sie ja günstiger unterwegs als mit einem Diesel. Das wird sich auch in dieser Art der Fliegerei verschieben. Und unsere Aufgabe ist es, in diesem Sektor die Mobilität ein Stück weit zu revolutionieren. Wenn Sie mit einem neunsitzigen Flugzeug 500 Kilometer von A nach B fliegen, ist das die klimaneutralste Art der Fortbewegung – vorausgesetzt, der Strom ist nicht aus fossilen Energieträgern hergestellt. Sie haben ja kaum Landverbrauch. Einen Kilometer Startbahn hier und einen Kilometer, wo Sie landen – das war’s. Wenn Sie mit dem Zug fahren, haben Sie eine Schneise durch die Republik. Wie ich gelesen habe, sind bei der Sanierung der Riedbahn letztes Jahr 270.000 Betonschwellen erneuert worden. Wir wissen alle, was für eine CO2-Bilanz das hat.

Und bis dahin ist es eben so, wie es ist.
Wenn wir mit unserem 30-sitzigen Flugzeug ausgebucht von Mannheim nach Sylt fliegen, ist die CO2-Emission pro Passagier geringer, als wenn ich zu zweit diese Strecke mit dem Diesel da hochfahre. Ich möchte weg davon, dieses Thema so ideologisch zu betrachten. Das soll aber nicht heißen, dass alles gut ist und wir einfach so weitermachen.

Linienflüge starten ebenfalls in Neuostheim. Die Mannheim City Air hebt von April bis Oktober ab nach Sylt, Usedom und Elba. Warum sind gerade diese drei Ziele interessant?
Das hängt damit zusammen, dass der Mannheimer Flugplatz eine relativ kurze Start- und Landebahn hat. Die Möglichkeit, Linienverkehr hier anzubieten, ist sehr eingeschränkt. Letztlich kommen nur zwei, drei Flugzeugtypen infrage, die hier in diesem Segment mit 30 bis 40 Sitzplätzen überhaupt fliegen können. Das Problem: Je kleiner ein Flugzeug ist, desto teurer wird der einzelne Sitzplatz. Wenn Sie ein sinnvolles Konzept auflegen wollen, müssen Sie in eine Nische rein. Also etwas machen, was die Großen nicht machen. Es würde keinen Sinn ergeben, von Mannheim nach Mallorca zu fliegen. Unser Angebot gibt es in der Form nicht von anderen Flugplätzen. Sie können zwar auch von Frankfurt nach Sylt fliegen. Aber für die Klientel – wir haben ja auch viele ältere Herrschaften – ist Frankfurt einfach nur Chaos. Und hier stellen sie sich einfach hin, checken ein und fliegen eine halbe Stunde später los. Es ist eine Aufgabe der neuen Geschäftsführung der Airline, weitere Nischen zu suchen. Hamburg wäre eine Möglichkeit. Dieses Ziel ist ja früher schon einmal gut gelaufen. Die Kanalinsel Jersey und Ziele in Kroatien werden auch immer mal genannt. Da gibt es aber keine konkreten Pläne.

Was kostet ein Flug zu den drei Zielen?
Die günstigsten Tickets fangen an bei 149 Euro pro Flug und sind gestaffelt 199 Euro, 249 Euro und so weiter – je nach Auslastung. Je früher ich buche, desto eher bekomme ich eins der günstigen Tickets.

Was für Leute sind das eigentlich, die das Mannheimer Linienflugangebot nutzen?
Es sind nicht nur die Reichen und Schönen, bei denen das Geld keine Rolle spielt. Wir haben auch viele, die das ganze Jahr darauf sparen, den Trip auf ihre geliebte Insel zu machen. Gerade auch ältere Leute, für die es eine Strapaze wäre, mit dem Zug oder Auto nach Sylt zu fahren. Wir haben einen sehr hohen Altersdurchschnitt.

Auf dem Flugplatz in Neuostheim heben auch immer wieder Privatjets ab.
Auf dem Flugplatz in Neuostheim heben auch immer wieder Privatjets ab.

Es gibt am Flugplatz auch einige Privatjets. Die Stadt muss immer mal wieder rote Zahlen des Flugplatzes ausgleichen. Kritiker fragen: Muss man mit Steuergeldern das Hobby der Reichen und Schönen finanzieren? Was sagen Sie zu denen?
Die Flüge mit dem Glas Schampus auf dem Tisch zum Golfen nach Cannes, wie das dann ja so gerne beschrieben wird – das entspricht, wenn überhaupt, zehn Prozent der Jet-Flüge. Ein Geschäftsreise-Flugzeug, das hier von Unternehmen betrieben wird, ist vor allem ein Arbeitsmittel und eine Zeitmaschine.

Sie haben dieses Jahr 25. Jubiläum am Flugplatz. Wie sieht es hier am Airport in weiteren 25 Jahren aus? Sie haben doch sicher ein Wimmelbild vor Augen.
Das habe ich tatsächlich. In fünf, sechs Jahren werden wir Passagiere mit dem Elektroflugzeug in einem Maße befördern, dass das schon in Richtung Linienverkehr geht. In 25 Jahren wird das noch extremer sein. In acht bis zehn Jahren werden wir Flugzeuge der Kategorie Dornier 328 mit 30, 40 Sitzplätzen haben, die emissionsfrei nach Sylt oder sonst wohin fliegen. Elektrisch oder mit Wasserstoff. In 25 Jahren wird hier nur noch ein Bruchteil der Flieger im klassischen Verbrennersegment unterwegs sein.

Zur Person

Dirk Eggert folgte im Juli 2024 auf Rheinhard Becker als Geschäftsführer der Flugplatz Mannheim GmbH. Nach mehr als 20 Jahren in dieser Position wurde sein Vorgänger im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedet. Eggert hatte bereits viele Jahre als Stellvertreter Beckers gewirkt. Der 59-Jährige ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und wohnt in Böhl-Iggelheim im Rhein-Pfalz-Kreis.

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